Grafik zu „50. Tage der deutschsprachigen Literatur“ mit stilisierter Porträtzeichnung von Ingeborg Bachmann, Buchmotiv und dem Hinweis auf den Zeitraum 24.–28. Juni 2026.
ORF/3sat

100. Geburtstag Ingeborg Bachmann, 50. Bachmannpreis: Umfangreicher ORF-Programmschwerpunkt zum Doppeljubiläum

Mit „literarischer Soirée“, Dokus, Filmdrama, Wettbewerbsübertragung, Radiofeatures, Hörspielen u. v. m. – ab 15. Juni in ORF 2, ORF III, 3sat, Ö1 und online

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Ende Juni 2026 begeht Österreich ein besonderes Doppeljubiläum: den 100. Geburtstag der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (25. Juni) und die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur (24. bis 28. Juni), in deren Rahmen jährlich der renommierte Bachmannpreis vergeben wird. Diesen Anlässen widmet der ORF in Kooperation mit 3sat einen umfangreichen multimedialen Programmschwerpunkt. Neben der vom ORF Kärnten für 3sat produzierten mehrtägigen Live-Übertragung des Wettbewerbs aus Klagenfurt am Wörthersee und aktueller Berichterstattung in allen Medien des ORF sind weiters im Fernsehen u. a. das neue Porträt „Ingeborg Bachmann – Dichten für die Wahrheit“, weitere Dokus und Filme sowie eine „literarische Soirée“ zu erleben.

Im Radio präsentiert allein Ö1 25 Sendungen – vom „Ö1 Hörspiel“ über „Tonspuren“ bis zu „Im Gespräch“ –, darunter Ingeborg Bachmanns erste Hörspielproduktion „Ein Geschäft mit Träumen“ oder ein vierteiliges „Radiokolleg“ über Leben und Werk der Literatin im Lichte aktueller Forschungsergebnisse und Publikationen.

Das ORF.at-Netzwerk widmet sich dem Bachmann-Jahr im Rahmen der aktuellen Kultur-Berichterstattung, ORF ON bringt eine Videokollektion mit Streams der ORF-TV-Sendungen. Die Website bachmannpreis.ORF.at begleitet den Literaturwettbewerb mit Live-Streams und Videos-on-Demand sowie Informationen zu Autorinnen und Autoren, Jurymitgliedern, Texten etc. Der ORF TELETEXT informiert ebenfalls umfassend im Rahmen seiner Kulturstorys

Ein roter Liegestuhl mit dem Jubiläumsdesign der „50. Tage der deutschsprachigen Literatur“, der neben einer Baggerschaufel auf einer Baustelle steht.
ORF/Martin Drussnitzer
Bachmann-Liegestuhl „50 Jahre Ingeborg Bachmannpreis“ auf Baustelle/Ingeborg Bachmannpark – Aufschrift: „Einmal muss das Fest ja kommen“.

Bachmann im TV ab 15. Juni: „Die literarische Soirée“, Dokus, Filmdrama, Magazine in ORF 2 und ORF III; 50. Bachmannpreis und mehr in 3sat

Zum Auftakt des Programmschwerpunkts zeigt das ORF-Fernsehen zunächst „Die literarische Soirée“ (15. Juni, 23.15 Uhr, ORF 2) – eine TV-Aufzeichnung des bekannten Ö1-Formats, in dem eine prominente Kritikerrunde leidenschaftlich und pointiert über internationale Neuerscheinungen diskutiert. Im Zentrum dieser Ausgabe stehen Ingeborg Bachmann und ihr Werk, das bis heute nachwirkt. Zu Gast bei Moderator Günter Kaindlstorfer debattieren YouTube-Kritiker Thoralf Czichon, Kritikerin und Programmkuratorin der Buch Wien Karin Fleischanderl und Johanna Öttl, Programmverantwortliche der Alten Schmiede in Wien.

Montag, 15.06., 23:15 Uhr

Die vom ORF Kärnten für die Sendereihe „Österreich-Bild“ hergestellte Dokumentation „Poesie wie Brot? – 50 Jahre Ingeborg-Bachmann-Preis“ (21. Juni, 18.25 Uhr, und 25. Juni, 11.05 Uhr, jeweils ORF 2) beleuchtet die Wirkung des Wettbewerbes auf die Sprache, die Gesellschaft und nicht zuletzt das Leben der Autorinnen und Autoren.

Sonntag, 21.06., 18:25 Uhr
Poesie wie Brot? - 50 Jahre Ingeborg-Bachmann-Preis

Auf einen „kulturMONTAG“ (22. Juni, 22.30 Uhr, ORF 2), der sich dem Bachmann-Jubiläumsjahr widmet, folgt das neue Filmporträt „Ingeborg Bachmann – Dichten für die Wahrheit“ (23.15 Uhr, ORF 2; 28. Juni, 9.35 Uhr, ORF III). Die Doku erzählt, wie aus dem Mädchen aus der österreichischen Provinz eine der berühmtesten Autorinnen des 20. Jahrhunderts werden konnte. Das skandalträchtige Leben der Kärntnerin endete mit dem frühen Tod in Rom, um den sich lange Zeit Mordgerüchte rankten. Wie ein bisher verschollenes Drehbuch in einem Berliner Archiv zeigt, hatte Bachmann große Filmpläne gehegt.

Margarethe von Trottas vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanziertes Drama „Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste“ (28. Juni, 23.05 Uhr, ORF 2) mit Vicky Krieps und Ronald Zehrfeld in den Hauptrollen erzählt vom Leben der radikalen wie kompromisslosen Schriftstellerin, von ihren Reisen und ihrer Beziehung zum Dichter Max Frisch.

ORF III widmet den Bachmann-Jubiläen mehrere Spezialausgaben des werktäglichen Magazins „Kultur Heute“ (19.40 Uhr): Zum Auftakt der Tage der deutschsprachigen Literatur berichtet ein „Kultur Heute Spezial – Eröffnung Bachmannpreis“ (24. Juni; in 3sat: 27. Juni, 9.35 Uhr) über den bevorstehenden Event. An den ersten beiden Lesetagen folgen zwei Ausgaben „Kultur Heute Spezial“ (25. Juni und 26. Juni). Den Abschluss bildet eine „Kultur Heute“-Schwerpunktsendung (29. Juni) über das Finale und die Preisverleihung.

Am 28. Juni 2026 wird im Rahmen der 50. Tage der deutschsprachigen Literatur wieder der Ingeborg-Bachmann-Preis vergeben. Das ORF-Theater des Landesstudios Kärnten ist von 24. bis 28. Juni erneut traditioneller Treffpunkt der Literaturszene und Austragungsort des renommierten Wettlesens, das 3sat live überträgt. 14 Autorinnen und Autoren aus Österreich, Deutschland und der Schweiz präsentieren ihre Texte und stellen sich der Diskussion mit dem Publikum sowie der siebenköpfigen Jury unter dem Vorsitz von Klaus Kastberger. Die vom ORF Kärnten produzierten TV-Sendungen, in bewährter Manier präsentiert von Peter Fässlacher und Cécile Schortmann, werden von 25. bis 27. Juni ab 10.00 Uhr und am Finaltag, dem 28. Juni, ab 11.00 Uhr ausgestrahlt. Anlässlich der Bachmann-Jubiläen zeigt 3sat heuer auch die offizielle Eröffnung (24. Juni, live, 19.00 Uhr; auch via bachmannpreis.ORF.at).

An Ingeborg Bachmanns 100. Geburtstag, dem 25. Juni, sendet 3sat zum Auftakt des ersten Lesetags als Erstausstrahlung die von Beate Thalberg gestaltete szenische Umsetzung des Bachmann-Gedichts „Die Nacht der Verlorenen“ (9.45 Uhr) mit Harald Schrott.

Zur Einstimmung auf den zweiten Lesetag stehen Dacapos dreier Folgen des literarischen Kurzformats „Literatur to go“ (26. Juni, 9.40 Uhr) – beginnend mit Ingeborg Bachmanns „Probleme, Probleme“ – auf dem 3sat-Programm.

Am Finaltag ist anschließend an die Preisverleihung eine weitere neue 3sat-Premiere zu erleben: die Dokumentation „Un-zumutbar?! – 50 Jahre Ingeborg-Bachmann-Preis“ über die Geschichte der renommierten Literaturauszeichnung.

Neue Dokumentation "Ingeborg Bachmann – Dichten für die Wahrheit"

Schwarz-weiß-Foto von Ingeborg Bachmann, die lächelnd mit einer Zigarette in der Hand  an einem Tisch im Freien sitzt.
ORF/WDW Filmproduktion
Ingeborg Bachmann

Am 25. Juni feiert die literarische Welt den 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann, Namenspatronin eines der wichtigsten Literaturpreise im deutschen Sprachraum. Mehr als 50 Jahre nach ihrem frühen Tod gibt die Biografie der gebürtigen Klagenfurterin immer noch Rätsel auf, erweist sich ihre eindringliche Lyrik und luzide Prosa als nahezu irritierend aktuell. Regisseurin Barbara Frank zeichnet in der neuen Dokumentation „Ingeborg Bachmann – Dichten für die Wahrheit“ – am Montag, 22. Juni, 23.15 Uhr, ORF 2 und ORF ON (Dacapo: Sonntag, 28. Juni, 9.35 Uhr, ORF III und ORF ON) – das Porträt einer widersprüchlichen Frau, die Vieles war: das Mädchen aus der österreichischen Provinz, das zur Diva der Dichtkunst aufstieg; eine Frau, die die Männer gleichsam liebte und unter ihnen litt; eine zutiefst verletzte Seele; und eine Widerständige, die den Menschen unangenehme Wahrheiten zumutete. Die Filmemacherin präsentiert auch ihren Sensationsfund: Bachmanns lange verschollen geglaubtes Drehbuch zur Verfilmung ihres Hörspiels „Der gute Gott von Manhattan“, das nicht realisiert wurde, aber einen neuen Blick auf ihr Schreiben zulässt. Zu Wort kommen u. a. Literaturnobelpreisträger Peter Handke, die französiche Bachmann-Expertin Françoise Rétif, ihr Wegbegleiter, der Übersetzer Moshe Kahn, sowie ihr Bruder Heinz Bachmann.

Ingeborg Bachmann war eine zutiefst verletzte Frau. Müßig darüber zu spekulieren, wer oder was ihr die Blessuren an ihrer Seele zugefügt hatte. „Man sollte die Biografien von Autoren einfach vergessen, und nur ihr Werk sprechen lassen. Aber bei manchen Autoren kann man es nicht vergessen. Und bei der Bachmann ist es eben diese sehr starke Verborgenheit, die Anlass für Gerüchte gegeben hat, immer wieder“, sagte Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek in einem frühen Interview.

Tatsache ist, dass die Schriftstellerin die frühe NSDAP-Mitgliedschaft ihres Vaters Matthias Bachmann umtrieb. Ihre letzte Reise 1973 führte sie nach Polen, wo sie das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz besuchte. 1948 lernte die Tochter eines österreichischen Nazis den Shoah-Überlebenden Paul Celan kennen. Die Liebesgeschichte mit dem Lyriker vollzog sich im Geheimen, endete für Bachmann aber unglücklich. Die Dichterin auf ihre vielen, bisweilen skandalträchtigen Beziehungen mit Männern reduzieren zu wollen, wäre kurzsichtig. Und doch waren ihr analytischer Blick auf die Zurichtungen der Welt aufgrund patriarchaler Strukturen, ihre Positionierung als Feministin zu einer Unzeit – ab den 1950er-Jahren – bestimmend für ihre Literatur. „Die Männer sind unheilbar krank“, sagte sie einmal dem Literaturkritiker und Schriftsteller Peter Hamm in einem Interview. Auf seine Nachfrage setzte sie ungläubig lächelnd nach: „Wissen Sie das nicht? Alle.“ Bachmann verachtete, brauchte und benutzte Männer. Die Liaison, die sie 1947 mit dem Wiener Kritikerpapst Hans Weigel, bekannt als Förderer junger – vor allem weiblicher – Talente, einging, schadete ihrer Karriere nicht. 1952 nahm sie an einer Tagung der Gruppe 47 teil, ein literarischer Club der Alphamännchen. Sie trat dort selbstbewusst auf, musste sich dennoch männliche Zuschreibungen als scheu und unsicher gefallen lassen.

Der 1953 erschienene Gedichtband „Die gestundete Zeit“ machte sie berühmt, „der Spiegel“ hievte ihr Foto auf die Titelseite – die Geburtsstunde eines Literaturstars. 1956 folgte die „Anrufung des Großen Bären“. Noch vor ihrem 30. Geburtstag hörte Ingeborg Bachmann auf, Gedichte zu schreiben, als ihr selbst der Verdacht kam, sie könne es jetzt. Schreiben bedeutete für sie Risiko, das sie nicht scheuen wollte. Mit ihrem einzigen zu Lebzeiten erschienen Roman „Malina“ zementierte sie ihren Ruf als literarische Großmeisterin, wurde von Kritikern wie Marcel Reich-Ranicki deshalb aber auch als „gefallene Dichterin“ bezeichnet.

Schon 1964 erhielt sie mit dem Georg-Büchner-Preis die renommierteste literarische Auszeichnung im deutschen Sprachraum. Die Ehrung im eigenen Land erfolgte dafür beschämend spät: erst 1968 wurde Bachmann der Große Österreichische Staatspreis verliehen. Ihre letzten, geheimnisumwitterten Lebensjahre verbrachte die Künstlerin hauptsächlich in Rom, wo sie auch mit Max Frisch zusammenlebte. Die Beziehung war durch beider Süchte belastet: Sie hatte eine Medikamentenabhängigkeit, er bezeichnete sich selbst als Trinker.

Am 17. Oktober starb Ingeborg Bachmann nach einem fatalen Brandunfall in einem römischen Krankenhaus. Regisseurin Barbara Frank bringt Licht in das bis heute nicht restlos geklärte Rätsel um ihren Tod und wirft einen Blick auf das literarische Nachleben der herausragenden Dichterin.

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