kulturMONTAG Zum 100. Geb. v. Ingeborg Bachmann am 25.6.2026:

Ingeborg Bachmann - Dichten für die Wahrheit

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Am 25. Juni feiert die literarische Welt den 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann, Namenspatronin eines der wichtigsten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum.

Mehr als 50 Jahre nach ihrem frühen, grausamen Tod gibt die Biografie der gebürtigen Klagenfurterin immer noch Rätsel auf, erweist sich ihre eindringliche Lyrik und luzide Prosa als nahezu irritierend aktuell. Regisseurin Barbara Frank zeichnet das Porträt einer widersprüchlichen Frau, die Vieles war: das Mädchen aus der österreichischen Provinz, das zur Diva der Dichtkunst aufstieg. Eine Frau, die die Männer gleichsam liebte und unter ihnen litt.  Eine zutiefst Verletzte, die innerlich wie äußerlich verbrannt schien. Eine Widerständige, die den Menschen unangenehme Wahrheiten zumutete. Barbara Frank präsentiert auch ihren Sensationsfund: Bachmanns lange verschollen geglaubtes Drehbuch zur Verfilmung ihres Hörspiels „Der gute Gott von Manhattan“, das nicht realisiert wurde, aber einen neuen Blick auf ihr Schreiben zulässt. Zu Wort kommen unter anderen Literatur-Nobelpreisträger Peter Handke, die französiche Bachmann-Expertin Françoise Rétif, ihr Wegbegleiter, der Übersetzer Moshe Kahn, sowie ihr Bruder Heinz Bachmann.

Ingeborg Bachmann war eine zutiefst verletzte Frau. Müßig darüber zu spekulieren, wer oder was ihr die Blessuren an ihrer Seele zugefügt hat. Man sollte die Biografien von Autoren einfach vergessen, und nur ihr Werk sprechen lassen. Aber bei manchen Autoren kann man es nicht vergessen. Und bei der Bachmann ist es eben diese sehr starke Verborgenheit, die Anlass für Gerüchte gegeben hat, immer wieder“, sagte Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek in einem frühen Interview. Tatsache ist, dass sie die frühe NSDAP-Mitgliedschaft ihres Vaters Matthias Bachmann umtrieb, ihre letzte Reise 1973 führt sie nach Polen, wo sie das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz besucht.

1948 lernt die Tochter eines österreichischen Nazis den Shoah-Überlebenden Paul Celan kennen. Die Liebesgeschichte mit dem Lyriker vollzieht sich im Geheimen, endet für Bachmann aber unglücklich. Sie auf ihre vielen, bisweilen skandalträchtigen Beziehungen mit Männern reduzieren zu wollen, wäre kurzsichtig. Und doch ist ihr analytischer Blick auf die Zurichtungen der Welt aufgrund patriarchaler Strukturen, ihre Positionierung als Feministen zu einer Unzeit – ab den 1950er-Jahren – bestimmend für ihre Literatur.

„Die Männer sind unheilbar krank“, sagt sie dem Literaturkritiker und Schriftsteller Peter Hamm in einem Interview. Und als dieser nachfragt, setzt sie ungläubig lächelnd nach: „Wissen Sie das nicht? Alle.“ Bachmann verachtet, braucht und benutzt Männer. Die Liaison, die sie 1947 mit dem Wiener Kritikerpapst Hans Weigel, bekannt als Förderer junger – vor allem weiblicher – Talente, eingeht, schadet ihrer Karriere nicht. 1952 nimmt sie an einer Tagung der Gruppe 47 teil, ein literarischer Club der Alphamännchen. Sie tritt dort selbstbewusst auf, muss sich dennoch männliche Zuschreibungen als scheu und unsicher gefallen lassen.

Der 1953 erschienene Gedichtband „Die gestundete Zeit“ macht sie berühmt, „der Spiegel“ hievt ihr Foto auf die Titelseite – die Geburtsstunde eines Literaturstars. 1956 folgt „Die Anrufung des Großen Bären“. Noch vor ihrem 30. Geburtstag hört sie auf, Gedichte zu schreiben, als ihr selbst der Verdacht kommt, sie könne es jetzt. Schreiben bedeutet für sie Risiko, das sie nicht scheuen will.

Mit ihrem einzigen zu Lebzeiten erschienen Roman „Malina“ zementiert sie ihren Ruf als literarische Großmeisterin, wird von Kritikern wie Marcel Reich-Ranicki deshalb aber auch als „gefallene Dichterin“ bezeichnet. Schon 1964 erhält sie mit dem Georg Büchner-Preis die renommierteste literarische Auszeichnung im deutschsprachigen Raum.

Die Ehrung im eigenen Land erfolgt dafür beschämend spät: erst 1968 wird ihr der Große Österreichische Staatspreis verliehen. Ihre letzten, geheimnisumwitterten Lebensjahre verbringt sie hauptsächlich in Rom, wo sie auch mit Max Frisch zusammenlebt. Die Beziehung ist durch beider Süchte belastet: sie ist Medikamente-abhängig, er bezeichnet sich selbst als Trinker. Am 17. Oktober stirbt Bachmann nach einem fatalen Brandunfall in einem römischen Krankenhaus.

Regisseurin Barbara Frank bringt Licht in das bis heute nicht restlos geklärte Rätsel um ihren Tod. Und sie wirft einen Blick auf das literarische Nachleben der großen Dichterin.

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Regie

Barbara Frank