'Zum 40. Jahrestag der Ausrufung des Kriegsrechts in Polen'

Universum History

Solidarnosc - Umbruch im Osten

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Solidarność: Umbruch des kommunistischen Regimes im Osten

Am 13. Dezember 1981 rollen Panzer durch ganz Polen, 80.000 Soldaten marschieren durch die Städte. General Wojciech Jaruzelski hat das Kriegsrecht verhängt. Es ist der dramatische Höhepunkt einer Entwicklung, die im August 1980 auf der Lenin-Werft in Danzig beginnt und zur Gründung der Solidarność führt, der ersten freien Gewerkschaft in einem sozialistischen Land in Osteuropa. Anlässlich des 40. Jahrestags der Ausrufung des Kriegsrechts in Polen zeigt die „Universum History“-Dokumentation „Solidarność – Umbruch im Osten“ von Barbara Necek (ORF-Bearbeitung: Sabine Aßmann) am Freitag, dem 10. Dezember, um 22.35 Uhr in ORF 2 die bewegenden Ereignisse rund um die Solidarność, die letztlich den Umbruch der kommunistischen Regimes im Osten samt Berliner Mauerfall einleiteten.

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Im Bild: Die heutige "Werft Danzig AG", früher die Lenin-Werft in Danzig.

Der Schiffbau als Symbol des sozialistischen Triumphs

Die Lenin-Werft in Danzig an der polnischen Ostseeküste: Seit 1946 werden hier Schiffe gebaut, die Werft gilt als Symbol des sozialistischen Triumphs. Doch die Lebensbedingungen der Arbeiter und Arbeiterinnen sind alles andere als triumphal. Sie schuften in Zwölf-Stunden-Schichten, zugleich sind die Geschäfte leer. Die offiziellen Gewerkschaften tun wenig für ihre Mitglieder. Im Sommer 1980 schließlich bringen steigende Lebensmittelpreise und die Entlassung von Kranführerin Anna Walentynowicz, einer unbequemen Aktivistin, das Fass zum Überlaufen. Einige Monate zuvor war dem Elektriker Lech Wałęsa Gleiches widerfahren. Am 15. August legen die Menschen auf der Werft ihre Arbeit nieder. Man fordert die Wiedereinstellung der beiden. Lech Wałęsa wird zum Wortführer der Streikenden.

Schlechte Lebensbedingungen eine Ende setzen

Bald schließen sich dem Streik auf der Werft weitere Staatsunternehmen an. Denn überall im Land haben die Menschen die schlechten Lebensbedingungen satt. In Danzig ist man unterdessen bereit einzulenken und Wałęsa und Walentynowicz wiedereinzustellen. Das Ende des Streiks auf der Werft scheint nahe. Doch die Streikenden aus den anderen Betrieben bitten die Werftarbeiter um ihre Unterstützung. Dies ist der Beginn des „Solidaritätsstreiks“, der entscheidende Moment für die Protestbewegung, die bald ganz Polen ergreifen wird. Der Name Solidarność – Solidarität – wird zur Parole des Sommers. Auch die intellektuellen Dissidenten aus Warschau schließen sich der Bewegung an. Gemeinsam erarbeitet man eine Reihe von Forderungen an die polnische Regierung, darunter etwa das Recht, freie und unabhängige Gewerkschaften zu bilden und die Achtung der Rede- und Pressefreiheit.

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Im Bild: Henryka Krzywonos (führendes Mitglied der polnischen Gewerkschaft Solidarność).

Eine Drohung für das kommunistische System

Die dramatischen Bilder aus Danzig gehen um die Welt. Bei den Verhandlungen geht es um weit mehr als die Gründung einer einfachen Gewerkschaft. Die Streiks in Polen bedrohen das gesamte kommunistische System unter Führung der Sowjetunion. Als am 31. August 1980 Lech Wałęsa das „Danziger Abkommen“ mit der polnischen Führung unterzeichnet, scheint sich dennoch alles zum Guten zu wenden. Die Solidarność wird offiziell registriert, innerhalb von drei Monaten treten zehn Millionen Polinnen und Polen der Gewerkschaft bei. Doch im Geheimen wird längst an einer anderen Lösung gearbeitet. Der polnische General Wojciech Jaruzelski, im Februar 1981 zum Ministerpräsidenten ernannt, bereitet im Stillen einen Staatsstreich vor. Am 13. Dezember 1981 wendet sich der General in einer Fernsehansprache an die Nation und verkündet die Verhängung des Kriegsrechts. Die Solidarność wird aufgelöst und verboten, 15.000 Aktivistinnen und Aktivisten werden festgenommen, Lech Wałęsa wird unter Hausarrest gestellt.

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Im Bild: Tadeusz Fiszbach (ehemaliger polnischer Politiker).

Erinnerungung aus der Sicht damaliger Zeitgenossen

Die nun folgenden Jahre gestalten sich schwierig, doch die Gewerkschaftsbewegung überlebt im Geheimen. Und die Entwicklungen in der Sowjetunion kommen den Aktivistinnen und Aktivisten schließlich zur Hilfe: In Moskau wird Michail Gorbatschow 1985 zum Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei ernannt. Seine „Perestroika“ genannte Reformpolitik wird große Auswirkungen auf den gesamten Ostblock haben. Das Tauwetter kommt der polnischen Gewerkschaftsbewegung zugute. Sie kehrt aus der Illegalität zurück. 1989 folgen schließlich die ersten semi-freien Wahlen. Polen wird letztlich dank Solidarność zum Vorreiter, die übrigen kommunistischen Diktaturen fallen wenig später. Die Dokumentation erzählt die Geschichte der Solidarność-Bewegung anhand der Erinnerungen von Menschen, die die damaligen Ereignisse maßgeblich mitgestaltet haben. Die vielen Bilder und Tondokumente aus jener Zeit lassen die große Wucht und leidenschaftliche Überzeugung spürbar werden, mit der die Aktivistinnen und Aktivisten der Gewerkschaftsbewegung einst die Menschen in ganz Polen begeisterten und das Ende des Kalten Krieges einleiteten.

Gestaltung

Barbara Necek