Universum History

Der Aufstieg der Habsburger - Schlacht am Marchfeld

Werbung

Am 26. August 1278 standen einander am Marchfeld zwei Dynastien gegenüber.

Es war die Schlacht, die über die Zukunft Europas entschied: Am 26. August 1278 standen einander am Marchfeld zwei Dynastien gegenüber. Auf der einen Seite der römisch-deutsche König Rudolf I. aus dem Hause Habsburg, auf der anderen Ottokar II. aus der böhmischen Přemysliden-Dynastie. Der Sieg Rudolfs über Ottokar legte den Grundstein für den beispiellosen Aufstieg des Habsburgerreichs, das mehr als sechs Jahrhunderte eine maßgebende Rolle in Europa spielen sollte. Die neue „Universum History“-Dokumentation „Der Aufstieg der Habsburger – Schlacht am Marchfeld“ von Fritz Kalteis folgt am Donnerstag, dem 6. Jänner, um 22.20 Uhr in ORF 2 den Spuren der beiden Widersacher Ottokar und Rudolf (dargestellt von Max Moor) an Originalschauplätze und analysiert den Tag der Entscheidungsschlacht. Gleichzeitig sucht Archäologe Wolfgang Neubauer vom Ludwig-Boltzmann-Institut Wien nach verborgenen Zeugen der Schlacht im Erdreich des Marchfelds. Der Film entstand als Koproduktion von Interspot Film, ORF, CT, ZDF-ARTE, gefördert von Fernsehfonds Austria, Land Niederösterreich und VAM.

©Interspot Film/Fotograf: Ferdinand Steininger
Im Bild: Wolfgang Neubauer (Archäologe) im Museum Schloss Jedenspeigen, Österreich

Eine unerforschte Schlacht

„Schlachtfeldarchäologie ist eine schwierige Sache“, sagt der renommierte Archäologe Wolfgang Neubauer vom Ludwig-Boltzmann-Institut. „Denn Schlachtfelder sind meist riesig. Nach einer Schlacht werden die Toten schnell geplündert und irgendwo verscharrt. Die Chance, irgendwas zu finden, ist sehr klein.“ Diese Einschätzung trifft auf das Schlachtfeld, auf dem sich Rudolf I. und Ottokar II. gegenüberstanden, in besonderem Maße zu. Auf jenes Schlachtfeld, das sich zwischen den Orten Dürnkrut und Jedenspeigen im Osten Niederösterreichs erstreckt. Nur ein einziger Gedenkstein erinnert heute an eine der wohl bedeutendsten Schlachten in der österreichischen Geschichte: die Schlacht am Marchfeld zwischen Rudolf von Habsburg und dem böhmischen König Ottokar II. Premysl. Obwohl eine der größten und blutigsten Ritterschlachten des Mittelalters, ist sie doch bis heute so gut wie unerforscht. Das will das Forscherteam rund um Wolfgang Neubauer nun ändern. Er möchte dem Boden des Marchfelds mit High-Tech-Messungen Antworten auf die vielen offenen Fragen rund um die Schlacht abringen. Allen voran: Wo liegen die 12.000 Toten, die bis heute unentdeckt sind?

ORF/Interspot Film/Česká televize/Klara Cvrčková
Im Bild: Max Moor (Rudolf I.).

Der ,,Kompromisskandidat" Rudolf von Habsburg

„Jeder kennt Grillparzers Stück ‚König Ottokars Glück und Ende‘“, sagt Regisseur Fritz Kalteis. Wir wollten die wahre Geschichte dahinter erzählen“. Diese Geschichte zeigt der Film mittels hochwertiger Spielszenen – eine dramatische Geschichte vom epischen Ringen zweier Männer um die Macht in der Mitte Europas. Experten und Expertinnen wie die Historikerin Annette Kehnel (Universität Mannheim) erschüttern in Fritz Kalteis’ Film altbekannte Klischees: Etwa, dass der „arme Graf“ Rudolf von Habsburg als neuer Deutscher König kaum mehr als ein Kompromisskandidat war, gewählt nur, um einen übermächtigen König Ottokar zu verhindern. „Rudolf war klug, pragmatisch und strategisch geschickt. Auf der anderen Seite aber auch unglaublich skrupellos“, sagt Kehnel. Ottokar, der bei Grillparzer denkbar schlecht wegkommt, wird dagegen auch als Herrscher gewürdigt, der schon früh die Vision eines mitteleuropäischen Reiches hatte. Verwirklicht wurde diese Vision aber erst später durch die Nachkommen Rudolfs von Habsburg – in der Donaumonarchie.

ORF/Interspot Film/Česká televize/Klara Cvrčková
Im Bild: Johannes Seilern (Otto II. von Haslau), Alice Prosser (Walpurgis).

Hochwertige Reenactments mit prominenter Besetzung

„Ein Schweizer, der in Österreich durchstartet und in Deutschland Karriere macht – da habe ich mich gleich angesprochen gefühlt“, sagt Schauspieler Max Moor. Er, gebürtiger Schweizer wie Rudolf von Habsburg, ist in den 1980er Jahren – noch unter dem Namen Dieter Moor – zu einem der bekanntesten Moderatoren Österreichs („Kunststücke“) geworden, bevor er nach Deutschland ging und dort durchstartete („Titel, Thesen, Temperamente“). Jetzt kehrt er als Darsteller des Rudolf von Habsburg zu seinen Wurzeln zurück. An seiner Seite agieren u. a. Josefstadt-Schauspieler Johannes Seilern als alter Ritter Otto von Haslau und Schauspielerin Alice Prosser („Familiensache“) als Halbwaise Walpurgis. Gedreht wurden die aufwendigen Reenactments mit professionellen Schwertkämpfern und Reitern vor allem aus Tschechien, die üblicherweise für Netflix oder HBO vor der Kamera stehen.

Ein Ergebnis des Filmprojekts: Das Team um Archäologen Wolfgang Neubauer hat bei den High-Tech-Messungen nahe einer längst untergegangenen Kirche unweit des Schlachtfeldes zwei große Gruben gefunden, die wie Massengräber aussehen. „Würde man hier graben, könnte man vielleicht tatsächlich die Toten dieser Schlacht finden, die das Schicksal Europas verändert hat“, ist Wolfgang Neubauer für künftige Forschungen optimistisch.