
Universum History
Krieger aus dem Norden - Die Normannen (3) - Richard Löwenherz
Er gilt als Inbegriff des mittelalterlichen Ritters: furchtlos, kampferprobt und charismatisch. Richard Löwenherz besteigt im Jahr 1189 als Nachfahre von Rollo dem Wikinger und Wilhelm dem Eroberer den englischen Thron. Der Normanne steht damit an der Spitze eines großen Reichs. Doch seine Macht und seine umfangreichen Besitzungen rufen auch Feinde auf den Plan – allen voran den französischen König. Er hat es auf das wohlhabende Herzogtum Normandie, Stammland der Normannen, abgesehen. Der dritte und letzte Teil des „Universum History“-Dreiteilers „Krieger aus dem Norden – die Normannen“ von Juliette Desbois widmet sich am Freitag, dem 29. Mai, um 23.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON Richard Löwenherz und dem Niedergang der normannischen Dynastie.

Machtkampf mit Frankreich und der Anfang vom Ende
Als Richard I. in London gekrönt wird, verkörpert er für viele Zeitgenossen das Idealbild eines Herrschers: hochgewachsen, militärisch erfahren, durchsetzungsstark. Zugleich ist er als Herzog der Normandie ein Vasall des französischen Königs – eine spannungsgeladene Konstellation. Der französiche Herrscher Philipp II. ist entschlossen, die königliche Autorität in Frankreich zu stärken. In Richard sieht er einen Rivalen. Im Zentrum des Konflikts steht die wirtschaftlich starke und strategisch wichtige Normandie. Zunächst zwingt ein Kreuzzug die beiden Könige zur Zusammenarbeit, doch auf der Rückreise gerät Richard in Gefangenschaft – und in seiner Heimat beginnt das Ringen um Territorien und Loyalitäten. Dem französischen König gelingt es mit Unterstützung von Richards Bruder Johann Ohneland, zentrale Festungen in der Normandie zu erobern. Nach seiner Freilassung aus der Gefangenschaft auf Burg Dürnstein bei Krems kämpft Richard entschlossen um die Normandie. Erst sein früher Tod im Jahr 1199 verändert die Lage grundlegend. Sein Bruder Johann übernimmt die Herrschaft – ein Wendepunkt in der Geschichte des anglonormannischen Reiches.

Festungen als Schlüssel zur Herrschaft
Die Dokumentation zeichnet ein facettenreiches Bild des späten 12. Jahrhunderts und lässt renommierte Historikerinnen und Historiker die Ereignisse sowie die verschiedenen Akteure einordnen. So werden etwa Philipps Beweggründe analysiert, der als begabter Verwalter sein Reich zentralisieren wollte, wie Historiker Levi Roach erläutert. Auch die große Bedeutung von Festungsanlagen wie der Burg Gisors wird beleuchtet. Als zentrales Element der Kriegsführung sind die Festungen entscheidend, um Gebiete zu kontrollieren. Das gilt auch entlang der Grenze zwischen Normandie und der französischen Krondomäne.

Schauplätze, Macht und Mythos
Detailreiche Rekonstruktionen machen die Ereignisse besser verständlich, digitale Animationen lassen die großen Festungsanlagen wiederauferstehen. Die filmische Erzählung führt die Zuseherinnen und Zuseher an jene Schauplätze, an denen sich das Ringen um Macht und Einfluss schließlich entscheidet. Sie zeigt, wie eng im Hochmittelalter persönliche Schicksale und europäische Machtpolitik miteinander verwoben sind, wenn der französische König endgültig die Macht in der Normandie an sich reißt. Mythos und Realität der normannischen Dynastie und ihrer Herrscher wirken dort bis heute nach.