Menschen & Mächte

Österreich, Italien und das Meer - Sehnsucht Adria

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In den 1970ern gab es neue Erfahrungen für alle, die aus Österreich erstmals an die Strände der oberen Adria reiste. Man lernte den Geschmack einer Pizza kennen und den Effekt von Olivenöl. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung war die Reise ans Meer zur großen Sehnsucht für den Sommer geworden. Und bald erklärte man die italienische obere Adria zu seiner neuen Heimat. Vergessen und übersehen wurde dabei gerne, dass ein Urlaub in Italien alles andere als eine Selbstverständlichkeit war: Dort, wo man jetzt am Strand lag, hatten Ende des Ersten Weltkriegs blutige Schlachten zwischen Österreich und Italien stattgefunden. Und auch nach 1945 standen die Zeichen eigentlich nicht auf einer Annäherung zwischen Rom und Wien.

Die Frage der Autonomie Südtirols entzweite die beiden Länder in den 1960ern massiv. Erst mit dem Zweiten Autonomie Paket im Streit um Südtirol war der Weg frei für ein neues Verhältnis zwischen Italienern und Österreich. Und während die Österreicher mehr Geld zum Reisen hatten, wollten die Italiener, angetrieben durch Devisen aus dem Norden, ihre kleinen Strandort groß erweitern. Herausgekommen ist ein Urlaubsmodell, das mittlerweile zwischen Generationen weitergegeben wurde. Die Zone zwischen Grado und Jesolo ist mittlerweile deutlich mehr als der einst beschworene "Hausmeisterstrand". Die Schauspielerin Julia Cencig hat sich diese Gegend mit ihren Kindern spät erobert. Obwohl ihre Familie eine lange Geschichte des österreich-italienischen Verhältnisses erzählt. Von der Zeit des Faschismus über den Zweiten Weltkrieg hinweg. Über Ausweisung und Wiederannäherung.