
zeit.geschichte
Che Guevara - Ikone des Widerstands
Es war ein heißer Julitag vor mehr als 70 Jahren auf dem karibischen Inselstaat Kuba und es sollte ein noch heißerer für das autoritäre Batista-Regime werden. An jenem Tag überfiel Fidel Castro mit seinen Revolutionsgarden eine Kaserne in Santiago de Kuba. Der Putschversuch scheiterte - doch gilt dieser Tag als Auftakt zum Sieg der „Bewegung des 26. Juli“ - und ist noch heute ein Feiertag auf Kuba. Kurz darauf wird sich der Bewegung ein Mann anschließen, der zu einer Legende werden sollte - Ernesto Che Guevara. 5 Jahrzehnte nach dem Tod dieser Ikone des Widerstands begibt sich die Dokumentation auf die Spurensuche, um einen Mythos zu dekonstruieren. Mit Zeitzeuginnen, bisher ungesehenen Dokumenten und wenig bekanntem Archivmaterial wird die Geschichte von einem Mann erzählt, der von seiner eigenen Legende gefangen war. Von seinen Fotos bis zu seinen Karikaturen: Che war immer selbst der Gestalter dahinter. Kino-Liebhaber, Schriftsteller, Fotograf - er inszenierte sein Leben kontinuierlich, um den Mythos zu erschaffen, der ihn überdauern würde. Indem er seine Familie, seine Arbeit oder seine Kämpfe ins Rampenlicht rückte, wurde er zu einer der führenden Figuren der Revolution weltweit. Er enthüllte sogar seine dunkleren Seiten. Vom Kampfanzug, über den zotteligen Bart, bis zur kubanischen Zigarre auf seinen Lippen, prägte er das Bild des edlen, wenn auch schmutzigen Guerilleros. Er ergriff das Image eines Brandstifters, der bereit war, die Welt in Flammen zu setzen.

Revolution in Kuba
Der Film setzt ein mit jenem historischen Ereignis, das auf immer mit ihm verknüpft ist: der kubanischen Revolution. Sie markiert den Beginn dieser bemerkenswerten Geschichte; der argentinische Arzt Ernesto Guevara wird als „Commandante“ in der Sierra Maestra, einem dicht bewachsenen Gebirgszug im Südosten der Insel, zum Kämpfer gegen Unterdrückung und Diktatur. Gemeinsam mit Fidel Castro und einer kleinen Truppe kubanischer Rebellen gelingt ihm das Unerwartete: Die Revolution in Kuba siegt und das autoritäre Regime des Diktators Fulgencio Batista stürzt. Die Guerilleros um Castro übernehmen die Macht – ab diesem Zeitpunkt rückt der Argentinier, den längst alle „Che“ nennen, allmählich in den Fokus der Öffentlichkeit; nicht nur in Kuba, auch international wird er bekannt. In der Doku erzählen Expertinnen und Experten – darunter der renommierte Guevara-Biograf Jon Lee Anderson – illustriert durch wenig bekanntes Archivmaterial die Hintergründe des weiteren Lebensweges von Ernesto Guevara. Dieser wird zum überzeugten Verfechter sozialistischer Werte. Seine Vision des „neuen Menschen“ sieht er als Antwort auf Imperialismus und Kolonialismus. Vor allem die Vereinigten Staaten und ihr Einfluss auf Mittel- und Südamerika werden für ihn zum Feindbild. Er träumt von einem weltweiten Kampf gegen die Unterdrückung, solidarisiert sich mit Unabhängigkeitsbewegungen auf fast allen Kontinenten. Die Revolution, so glaubt er, kann überall gewinnen.

Che Guevara nutzt die Medien für sich
Als kompromissloser Kämpfer wird Ernesto Guevara schon zu Lebzeiten zur Legende. Er selbst hat daran nicht unwesentlichen Anteil. Gemeinsam mit Fidel Castro macht er sich das noch neue Medium Fernsehen zu Nutze. Und so beleuchtet die Dokumentation etwa auch seine starke nationale wie internationale Medienpräsenz und spart dabei kritische Rezeptionen nicht aus: Che Guevara gerät beispielsweise als „Chefankläger“ in die Kritik, als viele Gerichtsverhandlungen gegen ehemalige Anhänger des Batista-Regimes mit der Todesstrafe enden. Man wirft den Revolutionären Willkür vor und beschuldigt sie, reine „Schauprozesse“ abzuhalten. Es ist nicht zuletzt der reiche Fundus an historischem Material, der die Dokumentation besonders sehenswert macht: Zahlreiche fotografische und filmische Originalaufnahmen zeigen Che Guevara in Aktion – etwa auf Reisen in sozialistische Bruderländer oder bei öffentlichen Auftritten, darunter seine bekannte Brandrede vor den Vereinten Nationen in New York. Eingeordnet und vertieft wird das Bild durch die Erläuterungen der verschiedenen Expertinnen und Experten. Sie leuchten den historischen Kontext aus und zeichnen Che Guevaras Bedeutung bis in die Gegenwart nach.
Regie: Tancrède Ramonet
Produktion: France 5, Temos Noir