Das Kino der Frauen: Vergessene Heldinnen der Lichtspielhäuser
ORF/Good Media Solutions/Mario Hötschl
Im Bild: Reenactment zu "Das Kino der Frauen: Vergessene Heldinnen der Lichtspielhäuser".
'Zum Weltfrauentag am 8. März'

Menschen & Mächte

Das Kino der Frauen: Vergessene Heldinnen der Lichtspielhäuser

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Die Dokumentation holt die vergessenen Heldinnen der Lichtspielhäuser vor den Vorhang, ohne die Kino in Österreich nicht denkbar gewesen wäre. Dass das Kino, anders als das Theater beinahe ausschließlich in Frauenhand war, wurde lange vergessen und übersehen.

Als man zur Jahrhundertwende um 1900 nicht wusste, ob sich das neue Medium Kino durchsetzen würde, waren es sehr oft Frauen, die sich der prekären Form des Vorführens gewidmet haben und auch die ersten mobilen Kinos etwa in Wien betrieben. Die erste öffentliche Aufführung von kinematografischen Bildern fand in Wien im März 1896, Ecke Krugerstraße/Kärntner Straße statt. Vorführpionierinnen wie Sophie Nehez arbeiteten in der Frühzeit des Kinos mit tatsächlich brandgefährlichem Material, befanden sich Filme doch auf Nitro-Rollen und mussten mit einer aufwendigen Zweihand-Bedienung vor das Licht der Kamera gebracht werden.

Kinos in Frauenhand

Als sich das Kino dann in festen Gebäuden durchzusetzen begann, waren es sehr oft Frauen, die diese Kinos betrieben. 1938 befanden sich von den rund 200 Kinos in Wien rund die Hälfte in Frauenhand, wie die Recherche von Regisseurin Heidi Neuburger erzählt. Frauen wurden auch das Opfer von Enteignung durch die Nationalsozialisten.

Kinopionierin Louise Komm-Fleck auf Leinwand
ORF/Good Media Solutions/Filmarchiv Austria/David Pichler
Kinopionierin Louise Komm-Fleck auf der Leinwand

Doch auch beim Wiederaufbau und der Zurückholung von Kinos nach 1945 sind es wieder die Frauen, die das Geschäft mit dem neuen Medium des Träumens vorantreiben. Nicht nur in Wien, auch auf dem Land entstehen Kinos, die von Frauen betrieben und lange Zeit erhalten werden. Mella Waldstein im niederösterreichischen Drosendorf kann als so eine Pionierin fern der Stadt gesehen werden.

Heldinnen der Lichtspielhäuser

Bis in die Gegenwart hinein, sind es Frauen, die etablierte Programmkinos betreiben. Die Dokumentation holt die oft übersehenen Heldinnen der Lichtspielhäuser und des Vorführens vor die Kamera, zeigt aber auch anhand von Karrieren von Käthe Kratz, wie lange es brauchte, bis Frauen auf allen Ebenen des Kinos ihre Handschrift hinterlassen konnten.

Käthe Kratz sitzt in einem Kinosaal zwischen roten Polstersitzen und spricht gestikulierend, während im Hintergrund die leeren Reihen des Zuschauerraums zu sehen sind.
ORF
Käthe Kratz ist eine der feministischen Vorkämpferinnen der österreichischen Filmszene

Dass sich der Begriff des „Patschen“- oder „Schlapfenkinos“ durchsetzte, hat, wie die Doku auch zeigt, weniger mit dem Fernsehen zu tun. Es ist der Tatsache geschuldet, dass Kinos früher in einer Stadt wie Wien ums Eck waren – und man in den Hauspatschen ins Lichtspieltheater gehen konnte.

Regie

Heidi Neuburger

Redaktion

Gerald Heidegger