Universum History

Luis Trenker - Ein Mann und seine Legenden

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Ein knorriger Naturbursch mit Filzhut: So ist der 1990 verstorbene Luis Trenker bis heute in Erinnerung geblieben.

Er galt als Pionier des Bergfilms, feierte als Schauspieler, Autor, Regisseur und TV-Moderator über Jahrzehnte große Erfolge. Wenn es um seine Karriere ging, hatte Trenker keine Berührungsängste mit den Diktatoren seiner Zeit, weder mit Adolf Hitler noch mit Benito Mussolini. Die „Universum History“-Dokumentation „Luis Trenker – Ein Mann und seine Legenden“ zeichnet ein ungeschöntes Bild des Südtirolers. Regisseurin Karin Duregger, selbst Südtirolerin, versucht in der Koproduktion von ORF, BR, epo-film und BMBF, gefördert von BLS, Motive und historische Hintergründe von Trenkers Karriere offenzulegen.

ORF/Epo Film
Im Bild: Dolomiten in Südtirol.

In der Gunst der Diktatoren

Nach dem Zweiten Weltkrieg startete Luis Trenker jene Karriere, die seine bis heute andauernde Bekanntheit begründet: Im Fernsehen gab er – launig, unterhaltsam und unkritisch – Anekdoten aus seinem facettenreichen Leben zum Besten. Das Publikum eroberte er dabei im Sturm. In den ab 1959 vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlten Sendungen „Luis Trenker erzählt“ und „Luis Trenker – Alles gut gegangen“ konzentrierte sich Trenker in erster Linie auf die positiven Erinnerungen seines Lebens. Von der „finsteren Zeit“, wie er die Gräuel Nazi-Deutschlands nannte, sprach er seltener. Damit die „Leit schlofen kennen“, so Trenkers Erklärung. Die Dokumentation zeigt, mit welchem Ehrgeiz Luis Trenker Zeit seines langen Lebens an seinem persönlichen Fortkommen gearbeitet hat. Ohne viel Skrupel gegenüber seinen Auftraggebern und stets bemüht, an seinem Bild für die Nachwelt zu arbeiten. Biografische Details wie die Scheidung seiner Eltern sparte er gerne aus, den stattlichen Hof seiner Großeltern gab er als sein Geburtshaus aus.

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Im Bild: Luis Trenker und Leni Riefenstahl, Geliebte und Konkurrenten.

Darstellung der NS-Ideologien

Luis Trenker wollte stets hoch hinaus. Seine ersten Bergfilm-Erfolge feierte er als Schauspieler, später reüssierte er zusätzlich als Regisseur und Drehbuchautor, etwa mit Filmen wie „Berge in Flammen“ (1931) oder „Der Rebell“ (1932). Er verklärte dabei oft behandelte Themen wie „Heimat“, „Natur“ oder „Krieg“. Gerne verfilmte Trenker historische Stoffe, bei „Der Rebell“ den Kampf der Tiroler gegen Bayern sowie Frankreich und Napoleon im 19. Jahrhundert. Inhaltlich orientierte er sich an jener „Blut und Boden“-Ideologie, die auch im Gesellschaftsbild der späteren NS-Ideologie eine große Rolle spielte. „Bei Trenker geht es um ein ganz bestimmtes Männlichkeitsideal, um Gehorsam und Treue, um diese Naturburschen, die das Idealbild der Nationalsozialisten vertreten haben. Als die Nazis an die Macht kommen, fällt Luis Trenker natürlich perfekt in diese Propagandamaschinerie hinein“, sagt Eva Pfanzelter, Zeithistorikerin an der Universität Innsbruck. Schon im Jahr 1932 zeigten sich Adolf Hitler und Joseph Goebbels von Luis Trenkers Wirken begeistert, für Goebbels ist „Der Rebell“ eine Parabel über das „Joch von Versailles“, also die – in den Augen der späteren Nazi-Schergen – ungerechten Grenzziehungen im Europa nach dem Ersten Weltkrieg. Luis Trenker macht daneben Filme für die Faschisten in Rom („Condottieri“, 1937), was ihn wiederum bei den Nazis in Berlin, aber vor allem in Südtirol selbst in Ungnade fallen lässt. Da nutzt es auch wenig, dass Trenker später NSDAP-Mitglied wird und sich – nach einigem Hin und Her – bei der Südtiroler Option für Nazi-Deutschland und Hitler entscheidet.

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Im Bild: Trenker-Villa in Bozen, in den 20er Jahren von Trenker gekauft als Zweitwohnsitz, ab 1945 hat er permanent dort gewohnt; heute im Privatbesitz der Bozner Kaufmannsfamilie Podini.

Regimegegner oder doch ideologischer Täter?

„Luis Trenker – Ein Mann und seine Legenden“ beleuchtet wichtige Dokumente, etwa Trenkers Briefe an Adolf Hitler oder das NS-Propagandaministerium. „Er war ein Nazi, keine Frage, er war Mitglied der NSDAP. Die Frage ist aber auch, ob er ein Täter war, ein ideologischer Täter“, sagt Zeithistorikerin Pfanzelter. Der Film zeigt zudem, in welch schwieriger Situation Trenker als Südtiroler in dieser Zeit voller Umbrüche zurechtkommen musste. So wurden die Südtiroler als deutsche Sprachgruppe im Italien der Zwischenkriegszeit auf sämtlichen Ebenen benachteiligt, Gesetze und Verordnungen sorgten für eine Italienisierung sämtlicher Lebensbereiche. Deutsch wurde als Unterrichtssprache verboten, deutsche Zeitungen zensiert.

Der rote Faden in der Biografie Luis Trenkers ist seine Ambivalenz im Umgang mit den Mächtigen seiner Zeit. Eine mögliche Erklärung dafür ist sein Streben nach Erfolg und Anerkennung. Das zeigen die Aussagen jener Experten und Expertinnen, die Regisseurin Karin Duregger für ihren Film vor die Kamera gebeten hat: etwa den US-amerikanischen Filmhistoriker Kamaal Haque, die Innsbrucker Zeithistorikerin Eva Pfanzelter, den Trenker-Biografen Stefan König oder Trenkers einstigen Agenten Hans-Jürgen Panitz. Die Dokumentation „Luis Trenker – Ein Mann und seine Legenden“ reflektiert den ungebrochenen Mythos und legt ein differenziertes Bild von Luis Trenker frei.

Gestaltung

Karin Duregger