Boykott oder Unterstützung
Die Lage vor dem Eurovision Song Contest ist in diesem Jahr angespannter denn je. Die Konflikte und der Krieg zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten belasten die Weltpolitik. Dass Israel nach einer Abstimmung der in der EBU vertretenen Ländern dennoch am ESC teilnehmen wird, sorgt für Spannungen und hat auch bereits in den vergangenen Jahren die Meinungen gespalten.

Mehr als 1100 Musikerinnen und Musiker fordern den Ausschluss Israels vom Eurovision Song Contest in Wien. Mit ihrer Kampagne „No Music For Genocide“ werfen Rogers Waters, Peter Gabriel oder die britische Band Massive Attack dem Land Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Konkreter Auslöser dafür ist der israelische Militäreinsatz im Gazastreifen als Reaktion auf den Angriff der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023.

Auf der anderen Seite zeigt sich die internationale Initiative „Creative Community for Peace“, zu deren Unterstützer:innen Stars wie Helen Mirren oder Boy George zählen in einem offenen Brief „geschockt und enttäuscht“ über den Boykott. Denn „Israel habe doch den Krieg nicht beginnen wollen. Außerdem habe das Land eine lange Geschichte mit vielfältigen ESC-Teilnehmern, einschließlich Palästinensern, Äthiopiern und Mitgliedern der LGBTQA+-Community“.

Selbst ehemalige ESC-Teilnehmer reagieren zwiespältig. Während der dreifache irische ESC-Gewinner Johnny Logan die Entscheidung seines Landes unterstützt, heuer nicht am Wettbewerb teilzunehmen, lehnt die einstige deutsche ESC-Vertreterin Nicole den Boykott ab.

Eine komplexe Debatte, die auch schon zahlreiche Demonstrationen in Wien auf den Plan gerufen hat. Wo liegt die feine Trennlinie zwischen Israelkritik und Antisemitismus? Wo jene zwischen links und rechts?

Der österreichische Schriftsteller Richard Schuberth hat in seinem neuen Buch „Vom Antisemitismus, der keiner sein will“ den identitätspolitischen Diskurs beleuchtet.
TV-Beitrag: Sophie Weilandt