
True Stories: Die Benno Blum - Bande - Schmuggel und Spionage im besetzten Wien
Die mitunter chaotische Nachkriegszeit in Wien ist ein idealer Nährboden für neue kriminelle Strukturen. Typen wie Benno Blum wissen die mangelnde Durchsetzungskraft der Behörden und die allgemeine Unsicherheit für sich zu nutzen. Das Monopol des Zigarettenschmuggels bringt ihn und seine Bande – mithilfe der sowjetischen Besatzungsmacht – ganz nach oben. Die Gegenleistung: spektakuläre Entführungen von Kollaborateuren.

Als jüdischer Rumäne überlebt Benno Blum den Zweiten Weltkrieg und kommt im Jahr 1947 nach Wien. In der Stadt, die im Chaos der Besatzungszeit zwischen Schwarzmarkt, Armut und politischem Machtpoker taumelt, steigt er in kürzester Zeit zu einer zentralen Figur im Zigarettenschmuggel auf. Möglich wird das durch ein riskantes Arrangement mit den Sowjets: Im Austausch für freie Passagen über streng kontrollierte Grenzen verpflichtet sich Blum zu einem perfiden Geschäft – Menschenraub als Gegenleistung für freie Fahrt über die Grenze. Zeitungsartikel machen ihn zum Inbegriff der Skrupellosigkeit, Bücher und Erzählungen zeichnen das Bild eines Mannes ohne Moral, eines skrupellosen Mörders. Doch war er so kaltblütig, wie es viele behaupten? Akribische Recherchen in den Archiven des amerikanischen Geheimdienstes führen zu überraschenden Enthüllungen. Denn dort zeigt sich: Blum war nicht nur Unterweltler, sondern auch ein Konstrukt – eine Figur, die von Geheimdiensten erschaffen und verwendet wurde, um die eigenen Taten zu verschleiern.

Besonders eindrucksvoll wird die Geschichte, als seine beiden Kinder – in Israel ansässig – nach Wien reisen, um dem Schicksal ihres Vaters nachzugehen. Sie bringen nicht nur Erinnerungen mit, sondern auch Informationen, die bisher niemand kannte: mündliche Überlieferungen, die ersten bekannten Fotos von Benno Blum und ein Interview mit Blums mittlerweile verstorbener Frau. Mit jedem Detail entsteht ein neues, widersprüchliches Bild – und die Grenzen zwischen Täter, Opfer und Spielball geopolitischer Interessen verschwimmen. Und je tiefer die von Holyscreen Media für den ORF produzierte „True Stories“-Ausgabe „Die Benno-Blum-Bande – Schmuggel und Spionage im besetzten Wien“ von Monika Lucia Müller in die Geschichte eintaucht, desto deutlicher zeigt sich, dass die Methoden der Geheimdienste oft noch skrupelloser und desaströser wirken als die Machenschaften eines Unterweltbosses.