True Stories: Wiens Unterwelt - Strizzis, Sex und schnelles Geld
ORF/HolyScreen Media
Im Bild: Collage: Michael Bukowsky, Heinz Karrer.

True Stories: Wiens Unterwelt - Strizzis, Sex und schnelles Geld

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Eine blutige Fehde erschüttert 1968 Wiens Unterwelt – „True Stories“ zeigt das Milieu von zwielichtigen Geschäften, Machtspielen und der „Wilden Wanda“ in all seiner Härte.

Was am Abend des 9. Mai 1968 im Wiener Café Kolonitz genau passiert ist, wird man wohl nie erfahren. Fest steht nur, die tödlichen Schüsse, die an diesem Abend fallen, beenden die große Dominanz zweier rivalisierender Unterweltbosse Wiens: Jene von Josef Angerler, „dem Gschwinden“, und von Josef „Notwehr“-Krista. Die einst Verbündeten stehen einander in einem blutigen Showdown gegenüber. Beide Verbrecher stehen für eine Zeit im Nachkriegswien, in der nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die zwielichtigen Geschäfte in der Unterwelt florieren. Haupteinnahmequelle der Wiener Ganoven jener Zeit ist das legendäre Stoßspiel. Bei diesem Kartenspiel kann man in einer Nacht ein Vermögen gewinnen – oder auch seine Existenz verlieren. In dunklen Hinterzimmern werden mit dem illegalen Glücksspiel besonders gern Geschäftsleute ausgenommen.

True Stories: Wiens Unterwelt - Strizzis, Sex und schnelles Geld
ORF/HolyScreen Media
Ferdinand Seebacher im Studio - an der Wand Skizzen von Josef Krista und Josef Angerler.

Außerdem ist in den 1960er Jahren vor allem die Prostitution eine lukrative Einnahmequelle der Unterwelt. Frauen sind in diesem Umfeld vor allem eines: Ware und Handelsobjekt. Die Zuhälter – oder wie man in Wien verharmlosend sagt, die „Strizzis“ – kaufen sich teure Uhren oder verspielen das Geld beim Kartenspielen. Es gibt allerdings eine Frau, die unter all den Männern ihren Platz behauptet: Wanda Kuchwalek alias die „Wilde Wanda“. Meist in schwarzem Herrenanzug und weißem Hemd gekleidet, wird die Zuhälterin eine Größe der Unterwelt. Unter anderem hat sich die Wiener Band „Wanda”“ nach ihr benannt. Wenn Freier nicht zahlen wollen oder eines von Wandas Mädchen aufbegehrt, kann es schnell ungemütlich werden: „Sie hat eine Stahlrute gehabt – was ihr Markenzeichen war – und sie ist insofern über Leichen gegangen, weil sie das Gesicht ihrer Mädchen mit einer Rasierklinge teilweise verunstaltet hat“, so Historikerin Brigitte Timmermann.

True Stories: Wiens Unterwelt - Strizzis, Sex und schnelles Geld
ORF/HolyScreen Media/Illustratorin: Miki Okamura
Illustration: Die beiden Josefs (Josef Angerler, der „Gschwinde“, li. und Josef Krista, „Notwehr-Krista“ re.) und Wilde Wanda (Wanda Kuchwalek, Mitte).

Die von HolyScreen Media für den ORF produzierte „True Stories“-Folge „Wiens Unterwelt – Strizzis, Sex und schnelles Geld“ ist eine Doku von Sandra Rak und Simon Schennach über ein Wiener Milieu, das gekennzeichnet ist von Gewalt, Prunk und Protzerei – und der brutalen Ausbeutung von Frauen.