
True Stories: Schüsse im Keller - Das Attentat auf Leopold Wagner
1987 wird Kärntens mächtiger Landeschef Leopold Wagner bei einem Klassentreffen von seinem ehemaligen Schulkollegen Franz Rieser schwer verletzt. Während des geselligen Beisammensitzens steht Wagner auf, um auf die Toilette zu gehen. Rieser folgt ihm – und schießt ihm bei einem Gerangel in den Bauch. Wagner überlebt schwer verletzt. Der Angreifer, der sich angeblich bei einer Postenbesetzung übergangen gefühlt hatte, wird wegen Mordversuchs angeklagt – doch die Geschworenen sprechen ihn von diesem Vorwurf frei. Für Klagenfurts Berufsrichter ein Fehlurteil, sie heben es auf. Später wird der Prozess in Innsbruck neu aufgerollt, wieder wird der Attentäter vom Vorwurf des Mordversuchs freigesprochen. Leopold Wagner tritt kurze Zeit später schwer gezeichnet zurück. Das Attentat, die Prozesse und Urteile sorgen weit über Kärnten hinaus für Aufsehen.

Attentat wird zum Politikum
Die von Metafilm für den ORF produzierte Dokumentation „Schüsse im Keller – Das Attentat auf Leopold Wagner“ von Stefan Gavac ist eine zutiefst österreichische „True Story“, die von Macht, Kränkung und Freunderlwirtschaft erzählt und zeigt, wie nahe Aufstieg und Fall beieinander liegen. Das Attentat und die darauffolgenden Gerichtsprozesse geben Einblick in die politischen Verhältnisse Kärntens in den 1980er Jahren. In ein System, in dem Politik und Parteizugehörigkeit – wie übrigens in vielen Bundesländern Österreichs – weit in den Alltag der Menschen reichen.

Zwischen persönlicher Kränkung und politischer Macht
Franz Rieser ist Hauptschullehrer in Ferlach, einer Stadt im Süden Kärntens. Alle seine Bemühungen, beruflich aufzusteigen und Direktor zu werden, bleiben aber erfolglos. Rieser ist parteilos, sein ehemaliger Schulkollege Leopold Wagner bereits zum Landeshauptmann und mächtigen SPÖ-Chef in Kärnten aufgestiegen. Im Zuge eines Klassentreffens will Rieser Wagner mit einer geladenen Waffe zur Rede stellen. Bei einem Gerangel fallen zwei Schüsse, Wagner wird schwer verletzt. Attentat, Prozess und die Urteile führen paradoxerweise auch dazu, dass plötzlich das Opfer und das politische System, für das es steht, zum Thema werden. Während der Verhandlung – und auch in der Bevölkerung.

„True Stories“ rekonstruiert den Fall mit Wagners Sohn Leopold Wagner junior, dem damaligen ORF-Journalisten Willy Mitsche, Pressefotograf Gert Eggenberger, der unmittelbar nach den Schüssen vor Ort war, sowie dem Historiker und ehemaligen Chefredakteur der Neuen Kärntner Tageszeitung Hellwig Valentin. Psychiaterin Sigrun Roßmanith und Friedrich Forsthuber, Präsident des Wiener Landesgerichts, beleuchten die psychologischen und juristischen Aspekte des Falls.
Ein österreichischer Politkrimi über Macht und Ohnmacht, Parteibuchwirtschaft und persönliche Verbitterung.
Buch & Regie: Stefan Gavac
Produktion: Metafilm
Regie
Stefan Gavac