
True Stories: Tod am Fluss - Der Fall Denisa Šoltísová
Jänner 2008, Regau in Oberösterreich: In einem Fluss wird die Leiche der 29-jährigen slowakischen Pflegerin Denisa Soltísová gefunden. Zehn Tage zuvor war sie verschwunden. Zuletzt wurde sie in einer Winternacht bei Minusgraden barfuß und nur leicht bekleidet in der Nähe von ihrem Arbeitsplatz – dem Haus eines pensionierten Arztes – gesehen. Ihre Familie glaubt bis heute, dass sie ermordet wurde. Widersprüche, Geheimniskrämerei, schlampige Ermittlungen – ein Fall, der bis heute viele Fragen aufwirft. Die von Metafilm für den ORF produzierte Doku „Tod am Fluss – Der Fall Denisa Šoltísová“ von Biljana Petrović – zu sehen am Donnerstag, dem 17. September 2026, um 20.15 Uhr in ORF 1 und auf ORF ON – ist eine packende „True Story“ über widersprüchliche Gutachten, offene Fragen im Kontext eines brisanten gesellschaftlichen Themas und den langen Kampf einer Familie um Wahrheit und Gewissheit.

Ein Todesfall, widersprüchliche Gutachten
Bereits wenige Stunden nach dem Fund der Leiche wird Denisa Šoltísovás Tod in Österreich als Suizid durch Ertrinken eingestuft – ohne Obduktion. Andere gerichtsmedizinische Bewertungen kommen zu abweichenden Schlüssen – ein Konflikt der Expertisen, der den Fall bis heute prägt. Für die österreichischen Behörden ist der Fall rasch abgeschlossen, doch Denisa Soltísovás Familie, die in der Slowakei lebt, zweifelt an der Theorie eines Suizids.

Familie sucht nach Antworten
Nach der Überstellung des Leichnams in die Slowakei veranlassen Denisas Eltern eine Obduktion. Dabei werden Blutergüsse an Unterarmen und Oberschenkeln sowie fragwürdige Medikamente im Körper der jungen Frau festgestellt. Die Befunde führen zu unterschiedlichen Interpretationen: Während ein Teil der Gutachten einen Suizid für wahrscheinlich hält, sehen andere Expertinnen und Experten Hinweise auf eine mögliche Beteiligung Dritter. Außerdem soll Denisa laut Aussagen der Eltern sowie von Zeuginnen und Zeugen in den Tagen vor ihrem Verschwinden zunehmend verwirrt und geschwächt gewirkt haben – obwohl sie psychisch und physisch kerngesund gewesen sei. Auch den österreichischen Journalisten Martin Leidenfrost, der zu der Zeit in der Slowakei lebt, lässt Denisa Šoltísovás Schicksal nicht los. Er macht es sich zur Aufgabe, Denisas Familie bei der Suche nach einem möglichen Täter zu unterstützen und der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Auch er stößt auf Widersprüche, Geheimniskrämerei und Schlampereien in den Ermittlungen.

Spurensuche zwischen Österreich und der Slowakei
Die Dokumentation zeichnet das tragische Schicksal einer jungen Frau nach, die voller Zukunftspläne nach Österreich kam und als 24-Stunden-Pflegekraft ihren Lebensunterhalt verdiente. Ihre Geschichte erzählt von der zumeist unsichtbaren Lebensrealität tausender osteuropäischer Pflegekräfte, die seit der EU-Osterweiterung die Betreuung alter Menschen in Österreich sichern – isoliert und fern ihrer Heimat. Die Spurensuche führt von Oberösterreich bis in die Slowakei. Journalistinnen und Journalisten, Gerichtsmediziner, Juristen und Angehörige sprechen über die widersprüchlichen Gutachten, mögliche Ermittlungsfehler und die Frage, ob Herkunft und sozialer Status Einfluss auf die Wahrnehmung und Aufklärung des Falls hatten. 2011 stellte die Staatsanwaltschaft Wels die Ermittlungen ein. Denisas Fall ist jedoch nicht verjährt. Sollten neue Spuren auftauchen, könnten die Ermittlungen wieder aufgenommen werden. Fast zwei Jahrzehnte später hofft Denisas Mutter noch immer auf Gewissheit – und darauf, dass jemand den entscheidenden Hinweis gibt.
Regie: Biljana Petrovic
Produktion: Metafilm