Porträt des älteren Hermann Gmeiner im Freien
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09 - Hermann Gmeiner

Menschen & Mächte

Hermann Gmeiner und die SOS-Kinderdorf-Idee: Wie ein Retter zum Täter wurde

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Jahrzehntelang war Hermann Gmeiner eine „Lichtgestalt“ der Zweiten Republik. Gmeiners SOS-Kinderdörfer wurden als „Inseln der Liebe“ gefeiert. Als „Retter der verlassenen Kinder“ wurde Gmeiner mehr als hundert Mal für den Friedens-Nobelpreis vorgeschlagen. Heute erschüttern immer mehr Berichte über historische und aktuelle Missbrauchsfälle – in SOS-Kinderdörfern, auch durch Hermann Gmeiner selbst – die Öffentlichkeit. Die „Menschen & Mächte“-Neuproduktion „Hermann Gmeiner und die SOS-Kinderdorf-Idee: Wie ein Retter zum Täter wurde“ von Robert Gokl analysiert die Anfänge der in mehr als 130 Ländern tätigen Kinderhilfsorganisation und die Biografie ihres Gründers Hermann Gmeiner.

„Mein Elternhaus bedeutete für mich immer Schutz und Geborgenheit.“ Hermann Gmeiner beschrieb seine Kindheit immer wieder als eine Zeit der Liebe und der Geborgenheit, trotz des frühen Tods seiner Mutter. Die Wirklichkeit sah anders aus, harte Arbeit und Armut bestimmten den Alltag. „Diese Kindheit hat eine große Leere in seinem Inneren hinterlassen, die zu füllen er nie imstande gewesen ist“, so Historiker Horst Schreiber.

Bild von
Schwarz-Weiß-Foto: Mitgründerinnen von SOS Kinderdorf sitzen lachend mit Hermann Gmeiner an einem Tisch.
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Mitgründerinnen von SOS Kinderdorf mit Hermann Gmeiner
Schwarz-Weiß-Foto der Mitgründerin von SOS Kinderdorf vor einer gemusterten Wand
ORF/SOS Kinderdorf
Mitgründerin von SOS Kinderdorf
Schwarz-Weiß-Foto von Hermann Gmeiner, der mit drei weiteren Menschen in einem urigen Innenraum in Innsbruck 1949 sitzt.
ORF/SOS Kinderdorf
Hermann Gmeiner in Innsbruck 1949
Schwarz-Weiß-Foto von Hermann Gmeiner im Ferienlager in Caldonazzo sitzt inmitten einer Gruppe von Kindern
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08 - Hermann Gmeiner im Ferienlager in Caldonazzo
Nahaufnahme von dem Historiker Horst Schreiber beim Interview
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Horst Schreiber, Historiker
Das Hermann-Gmeiner-Geburtshaus, ein traditionelles Holzhaus mit gelben Fensterläden in Alberschwende
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Hermann-Gmeiner-Geburtshaus in Alberschwende
Schwarz-Weiß-Foto von Hermann Gmeiners Eltern
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Hermann Gmeiners Eltern
Schwarz-Weiß-Porträtfoto von Wolfgang Weiss. Er erlebte eine schöne Kindheit ohne Missbrauch im SOS Kinderdorf Altmünster.
ORF/Wolfgang Weiss
Wolfgang Weiss erlebte eine schöne Kindheit ohne Missbrauch im SOS Kinderdorf Altmünster.
Schwarz-Weiß-Porträtfoto von Hermann Gmeiner in der Wehrmacht
ORF/SOS Kinderdorf
Hermann Gmeiner in der Wehrmacht
Ein Straßenschild mit der Aufschrift „Hermann Gmeiner Str.“ in Imst
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Hermann-Gmeiner-Straße in Imst
Eine Büste von Hermann Gmeiner steht auf einem Sockel vor einer hügeligen Landschaft.
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Hermann-Gmeiner-Denkmal in Alberschwende

Als Präsident von SOS Kinderdorf arbeitete Gmeiner rastlos daran, die SOS-Kinderdorf-Idee zuerst in Österreich und dann in fast allen Ländern der Welt zu verbreiten. Irmgard Gries, Leiterin der SOS-Kinderdorf-Reformkommission: „Hermann Gmeiner hat Großes geschaffen und vielen Kindern eine Heimat gegeben. Und er hat gleichzeitig Kinder missbraucht, Buben im Alter zwischen sechs und zwanzig Jahren.“ Hedwig Wölfl, Mitglied der SOS-Kinderdorf-Reformkommission: „Wie Weinstein, Epstein, Teichtmeister, Mühl, Paal oder aus dem kirchlichen Bereich Hermann Groer, Abbé Pierre war auch Hermann Gmeiner ein mächtiger und berühmter Mann, dessen Opfern lange nicht geglaubt wurde.“

Jahrzehntelang war Hermann Gmeiner nach außen das Gesicht von SOS Kinderdorf, seine Medienauftritte unverzichtbar für das außergewöhnlich erfolgreiche Spendenmarketing der Organisation. Innerhalb von SOS Kinderdorf war er patriarchaler „Alleinherrscher“. Für Horst Schreiber ist klar: „Da gab es eine Struktur des systematischen Vertuschens.“ Auch nach seinem Tod blieb Gmeiner bis 2025 die verklärte und unbestrittene Gründerfigur von SOS Kinderdorf.

Heute steht nicht nur SOS Kinderdorf vor der Frage: Wie gehen wir mit einem Täter um, der nach heutigen Erkenntnissen verabscheuungswürdige Verbrechen begangen hat, aber auch einen wesentlichen Beitrag geleistet hat, dass vielen Tausenden Kindern geholfen werden konnte? Hedwig Wölfl: „Was im letzten Jahr bekannt wurde an Skandalen, das rüttelt auf. Eine Organisation, die so im Licht der Öffentlichkeit steht, hat einen besonderen Auftrag, sich zu reformieren und genau hinzuschauen, wo es Verbesserungen braucht.“

Gestaltung

Robert Gokl