WeltWeit
Gott 2.0. Was wollen wir glauben?
Kriege toben, Krisen überschlagen sich – eigentlich sollte man annehmen, dass die Menschen wieder vermehrt Trost und Halt in der Religion suchen. Doch vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Der renommierte Religionssoziologe Detlef Pollack spricht von einem „dramatischen, historisch beispiellosen Bedeutungsrückgang“ und zwar weltweit. Der Säkularisierungsprozess ist dabei kein Phänomen der westlichen Welt, sondern tritt auch in Ländern auf, die bislang als religiöse Hochburgen galten. Die WeltWeit-Reporter haben sich angeschaut, ob Gott wirklich ausgedient hat und ob der neue Trend in punkto Glauben nur noch „ich bin nicht religiös, aber spirituell“ heißt.
In Thailand boomt der sogenannte Kloster-Tourismus. Vor allem für Menschen, die der modernen Leistungsgesellschaft entfliehen wollen und mehr Spiritualität suchen, haben buddhistische Tempel eine große Anziehungskraft. Patrick A. Hafner ist in die Welt der Mönche eingetaucht und begleitet Ashley Morton, der Ehefrau und Tochter in England gelassen hat, um sich seinen Traum vom Klosterleben zu erfüllen. Kein Handy, kein Alkohol und keine anderen irdischen Freuden, erst durch das Leid findet man zum Glück. „Es ist eine große Herausforderung, doch es lohnt sich, sich ihr zu stellen“, sagt Ashley.
Jeder fünfte Christ weltweit lebt mittlerweile in Afrika. Über 700 Millionen Gläubige sind es verteilt über den ganzen Kontinent. Und seit einiger Zeit gewinnen evangelikale Kirchen immer mehr an Bedeutung. Paul Huemer besucht in Ruanda eine Messe der „Holy Trinity Church“. Ihre Prediger werden in den USA ausgebildet, die Gemeinde finanziell unterstützt. Bibelschulen und Mediennetzwerke werden errichtet. Doch das alles ist kein Akt christlicher Nächstenliebe, sondern Teil einer Strategie mit dem Ziel, Politik und Gesellschaft im Land nach dem Weltbild der radikal-konservativen US-Kirchen zu formen. Für viele Menschen bedeutet ihr wachsender Einfluss inzwischen vor allem eines: Ausgrenzung.
Spanien ist traditionell ein tief katholisches Land, doch auch hier geht die Hälfte der Bevölkerung nur noch zu besonderen Anlässen in die Kirche. Der Glaube scheint zum gesellschaftlichen Ritual zu verkommen. Leuchtendes Gegenbeispiel ist die junge katholische Glaubensbewegung „Hakuna“. Der Name ist vom Suaheli-Begriff „Hakuna Matata“ inspiriert und bedeutet so viel wie „keine Sorgen“. Die Idee dahinter: Glaube, Gemeinschaft und gelebte Spiritualität zu verbinden. Josef Manola hat einen Tag bei den jungen Leuten im „El Estudio“, der Zentrale der Bewegung, in der Nähe von Madrid verbracht. Neben dem persönlichen Erleben gibt es viel Präsenz auf Social Media Plattformen und riesige Konzerte der „Hakuna Group Music“. Kritiker sprechen deshalb gerne von einem „Event-Glauben“.