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Goldrausch. Wer zahlt den Preis für den Boom?
Wer seiner Liebsten zum Valentinstag heuer ein Goldkettchen oder einen Ring schenken möchte, muss ganz schön tief in die Tasche greifen. Auch wenn gerade von einem historischen Absturz bei Edelmetallen gesprochen wird, so hat der Goldpreis in den vergangenen Jahren einen Rekordhöhenflug hingelegt: innerhalb von 12 Monaten hat Gold knapp 65 Prozent zugelegt, der Preis pro Unze ist auf ein Allzeithoch von fast 5.600 Dollar geklettert. Politische Instabilität, Inflationssorgen und geopolitische Spannungen bereiten den Boden dafür, dass die Nachfrage steigt. Die WeltWeit-Reporter:innen haben sich angesehen, was der neue Goldrausch mit den Menschen in den unterschiedlichen Regionen der Erde macht.
Auf den Philippinen begleitet Isabella Purkart den 42-jährigen Familienvater Zaldy, der seit über fünfzehn Jahren unter extrem gefährlichen Bedingungen Gold schürft: in einem Schlammloch taucht er nach feinen Goldpartikeln und wird dabei nur über einen alten Kompressor mit Luft versorgt. Jeder Tauchgang ist ein großes Risiko, das er eingeht, um seine Familie zu ernähren. Der aktuell hohe Goldpreis treibt auch Zaldy und seine Kollegen an noch härter zu arbeiten, denn meist verdienen sie trotzdem nicht mehr als ein paar Euro am Tag.

Die Schweiz ist seit Jahrzehnten eine Drehscheibe im internationalen Goldhandel. Auch „dreckiges“ Gold, sogenanntes Blut- und Raubgold, wurde hier zu Barren verarbeitet. Vier der größten Raffinerien der Welt befinden sich im Land und gehen - geschützt hinter Kameras und Stacheldraht - diskret ihren Geschäften nach. Ein kürzlich beschlossenes Zollgesetz verlangt nun, dass die Raffinerien ihre Lieferketten bis zum Ursprung zurückverfolgen. Marion Flatz-Mäser taucht ein in die Welt der großen Goldhändler. Eine Welt, in der es Menschen gibt, die sich um viele Millionen Franken mit Gold eindecken, um sich damit auch in unsicheren Zeiten, Sicherheit zu erkaufen.

„Sie werden entweder Söhne aus ärmeren Familien oder ältere Männer heiraten müssen“, sagt der Vater von fünf Töchtern. In Indien wird die Mitgift in Form von Gold und teurem Brautschmuck verlangt. Beim aktuellen Preis können sich das immer weniger Brautväter leisten. Patrick A. Hafner trifft eine Familie mit fünf Töchtern, von denen drei in nächster Zeit verheiratet werden sollen. Das stellt sie vor eine große Herausforderung. Indiens Goldhändler haben auf das Rekordhoch beim Goldpreis reagiert und bieten Familien einen Ausweg: weniger Karat und statt Voll-Gold wird vergoldeter Schmuck angeboten. So lässt sich wenigstens der Schein von Glanz und Glamour wahren. Doch das birgt eine große Gefahr, denn traditionell ist der Brautschmuck zur finanziellen Absicherung der Frau gedacht, die nach ihrer Hochzeit auf das Wohlwollen der Familie ihres Ehemannes angewiesen ist.
