
Weltkarriere einer Lüge - Die Protokolle der Weisen von Zion
Adolf Hitler zitierte sie in „Mein Kampf“, zeitgenössischen russischen Propagandisten dienen sie ebenso als Steilvorlage für die Verschwörungserzählungen einer jüdischen Weltherrschaft wie der Hamas, den palästinensischen Mördern vom 7. Oktober: die sogenannten Protokolle der Weisen von Zion. Es ist dies eine krude Lügengeschichte in Form einer erfundenen Selbstbezichtigung einer freimaurerisch-jüdischen Geheimversammlung, in der dessen Elite detailliert erläutert, wie sie nach der Weltherrschaft greifen will.

Obwohl bereits vor über 100 Jahren als Fälschung entlarvt, befeuern die darin verbreiteten Narrative noch heute Hass, Hetze und Gewalt. In Social Media erzielen sie enorme Reichweiten mit ihrem Raunen über geheime Mächte, über Strippenzieher, die eiskalt nach globaler Macht gieren, über Marionetten und unwissende Lämmer.

Regisseur Felix Moeller geht in seiner Dokumentation der Frage nach, wie sich diese obskure Schrift bis heute über die ganze Welt verbreiten kann und zeigt, wie sie aus dem zaristischen Russland herrührend, zum wesentlichen Bestandteil des modernen Antisemitismus wurde. Der ORF zeigt die Doku anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, der am 27. Jänner stattfindet.

Die Protokolle werden im Gründungsdokument der Terrororganisation Hamas ebenso propagiert wie von Rechtsextremisten oder White Supremacy Communities weltweit. Rechtspopulistische Parteien nutzen sie, um das Feindbild geheimer jüdischer Mächte und korrupter Eliten mit ihren internationalen Konferenzen zu konstruieren. Antisemitische Zerrbilder rund um die Hauptmotive der Protokolle sind auf sublime Weise Teil des kulturellen Mainstream geworden.

Auch die russische Propagandastrategie rund um den Ukraine-Krieg setzt den Verschwörungsmythos ein: „Globalistische“ westliche Eliten stünden hinter dem jüdischen Präsidenten Selenskyj. Die Zion-Protokolle beeinflussten Adolf Hitler in seinem Buch „Mein Kampf“ und werden von Experten mitverantwortlich gemacht für das mörderische ideologische Programm der Nazis. Manche Historiker gehen sogar so weit zu sagen: Ohne die Protokolle als „Vollmacht für den Völkermord“ hätte es den Holocaust so nicht gegeben.

Die Verschwörungsmythen der Protokolle treiben bis heute Attentäter an, wie jene der Anschläge auf die Synagogen von Halle und Pittsburgh. Nach einem kurzen historischen Rückblick auf die ungeklärten Umstände der Entstehung richtet sich der Fokus auf die ungebrochene Anziehungskraft der Protokolle bis heute. Als vermeintlich „jüdischer Masterplan“ scheinen sie wie geschaffen für ein Zeitalter, in dem Verschwörungsnarrative Teil der Alltags- und Popkultur sind.