Die Wiener Reichsbrücke bei Nacht
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Die Wiener Reichsbrücke
dokFilm

Weites Land

Wien

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Vier Jahre lang ist Regisseurin Jennifer Rezny auf ihrer mentalitätsgeschichtlichen Erkundungstour von Bundesland zu Bundesland gereist, um Klischees auf ihren Wahrheitsgehalt abzuklopfen, Widersprüchen nachzugehen, um den Menschen nachzuspüren und den Landschaften, die sie prägen. Schlusspunkt ihrer feuilletonistischen Landvermessung – vor dem großen Finale mit der Zusammenschau aller Bundesländer – ist Wien.

Besitzer schaut aus Würstelstandfenster
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Wüstelstandbesitzer Christian

Rund drei Millionen leben im Großraum der Metropole, ungefähr genauso viele Mythen ranken sich um die Bundeshauptstadt. Gibt es das vielzitierte Goldene Wienerherz wirklich oder handelt es sich vielmehr um eine Mördergrube? Sind die Wienerinnen und Wiener tatsächlich so Jenseitsverliebt und wie abgründig ist Wiener Gemütlichkeit? Wer in Wien nach Eindeutigkeit sucht, stößt unweigerlich auf Widerspruch – und genau darin liegt der Kern dieser Stadt. Nonchalance und Arroganz, Weltoffenheit und Kleinmut, Grant und Charme, Morbidität und Lebenslust, Humor und Melancholie. Diese Spannungen prägen die Stadt – vom Würstelstand bis ins Kaffeehaus, von den Schrebergärten bis zu den patinierten Fassaden der Gründerzeit, vom geerdeten Gemeindebau der Arbeiterbezirke bis zu barocker Pracht und weltläufiger Eleganz des Ersten Bezirks.

Bestatter Manuela, Johann und Bene
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Bestatter Manuela, Johann und Bene

Johann, seine Mutter Manuela und sein Schulfreund Bene verkörpern eine Seite Wiens, die wie kaum eine andere mit der Stadt verbunden wird: die Nähe zum Tod. Wie seine Mutter und einst sein mittlerweile verstorbener Vater, ist Johann Bestatter und die Vergänglichkeit sein täglicher Begleiter. Für Johann war der Beruf schon früh Berufung. Bereits als Kind sah er seine erste Leiche, als Teenager half er beim Ankleiden Verstorbener. Dass Wien eine besondere Beziehung zum Morbiden habe, darüber sind sich alle drei einig. „Warum das so ist – vielleicht wegen des lieben Augustin, der wieder aus der Pestgrube gestiegen ist.“ spekuliert Manuela. Eines steht fest: „Wer sich täglich mit dem Tod beschäftigt, braucht Humor.“

Claudia und Rudolf führen die Geschäfte der Traditionsschneiderei Knize
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Claudia und Rudolf, die Geschäftsführenden der Traditionsschneiderei Knize, suchen Stoffe aus

Als die gebürtige Deutsche Claudia Niedersüß an ihren Sehnsuchtsort Wien zog, erfüllte sich für sie ein Lebenstraum. Ihren Mann Rudolf lernte sie – geht es Wienerischer? – auf dem Opernball kennen. Gemeinsam repräsentieren sie das traditionsreiche, elegante Wien. Rudolf, Geschäftsführer der renommierten Herrenschneiderei Knize, und auch noch mit 90 täglich im Geschäft, kam einst als Lehrling aus Oberösterreich in die Hauptstadt und arbeitete sich bis an die Spitze des Unternehmens hoch. Ob Fleiß eine typisch Wiener Eigenschaft sei? Rudolf lacht. „Nein. Die Wiener gehen lieber gut essen und trinken. Sie sind sehr gemütlich.“

Erika Pluhar
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Erika Pluhar: „Wien ist meine Geliebte. Ich bin in dieser Stadt einfach drin – wie ein Fluch oder wie ein Buch."

Sie steht im Rang einer Wiener Institution: Erika Pluhar. Als Kind erlebte sie die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs, später fand sie im Floridsdorf der Nachkriegszeit, geprägt von einer antifaschistischen Lehrerin und vom kulturellen Aufbruch der Nachkriegszeit, ihre Heimat in einem sozialdemokratischen Wien, das sie bis heute mit großer Wärme in Erinnerung hat. Über ihre Stadt spricht sie mit Zärtlichkeit. „Wien ist meine Geliebte. Ich bin in dieser Stadt einfach drin – wie ein Fluch oder wie ein Buch. Leider oder Gott sei Dank.“ Halt gibt ihr im Alter die Wiener Sprache, das Wienerlied, die Heurigenkultur und die vertrauten Orte ihres Döblings, ihr altes mit Efeu bewachsenes Haus.

Dudel-Diva Agnet mit Musikern beim Heurigen
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Dudel-Diva Agnes bei einem Auftritt bei ihrem Stammheurigen in Döbling

Für Agnes Palmisano lässt sich die Wiener Seele am besten hören. Die Sängerin, die sogenannte „Dudel-Diva“, sieht in der traditionellen Gesangskunst vieles von dem vereint, was Wien ausmacht: „Das Luftige und Heitere, aber auch das Tiefgründige und Schwermütige. Diese Verbindung und das Aushalten von Gegensätzen: das ist das Dudeln - und das ist auch Wien.“ Obwohl sie die Tochter eines Kärntner Slowenen und einer Oberösterreicherin ist, versteht sie sich als Wienerin durch und durch. Ihre Beziehung zu Wien beschreibt sie als „freundlich, aber distanziert. Distanziert deshalb, weil ich es mir nicht mit meinem Wien verscherzen will“.

Christian gießt seinen geliebten Schrebergarten
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Christian in seinem geliebten Schrebergarten

Weiters in dieser Ausgabe von „Weites Land“: Christian, Kind aus dem Gemeindebau, heute Würstelstand-Betreiber, der konstatiert, dass sich die Stadt verändert hat: „Der Umgangston ist rauer geworden. Man wird schneller angepöbelt als früher.“  

Barbier Dagy und Kunde
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Barbier Dagy aus Brigittenau beim Arbeiten

Dagy ist Sohn so genannter Gastarbeiter aus der Türkei. Dass er erfolgreich seinen eigenen Barbershop führt, ist eine Geschichte von Chancen und Aufstieg. „Österreich ist ein wahnsinnig tolles Land mit vielen Möglichkeiten, ich bin stolz, auf das, was ich erreicht habe, und möchte für andere ein Vorbild sein.“

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