Eine Braunbärin mit ihrem Jungen im hohen Gras. Das Bärenkind hat sich auf seine Hinterbeine gestellt.
ORF/dreiD.at filmproduktion/Luca Verducci/Paolo Forconi
Die Marsische Braunbärin Amarena mit einem ihrer Jungen

Universum

Die Abruzzenbärin - Das wilde Herz Italiens

Werbung Werbung schließen

Die Region der Abruzzen ist bekannt für ihre mächtigen Berge, ihre uralten Wälder und eines der seltensten Tiere Europas, den Marsischen Braunbären. Nur hier leben noch rund 80 Exemplare dieser isolierten Bärenpopulation.

Die UNIVERSUM-Dokumentation „Die Abruzzen-Bärin – Das wilde Herz Italiens“ erzählt die berührende Geschichte einer dieser Bärinnen. Über mehrere Jahre hinweg begleiteten die Filmemacher Luca Verducci und Paolo Forconi „Amarena“ und ihre Jungen. Das Ergebnis sind einzigartige Aufnahmen vom Verhalten der Tiere, wie sie bisher kaum zu sehen waren. Die Dokumentation ist eine Koproduktion von ORF und dreiD.at in Zusammenarbeit mit ORF Enterprise.

Tür an Tür mit einer Bärin

Anders als die meisten ihrer scheuen Artgenossen wagte sich Amarena immer wieder in die Nähe menschlicher Siedlungen. Die Bewohner der kleinen Gemeinde Villalago gaben ihr ihren Namen, nachdem sie regelmäßig in deren Gärten und Obstgärten auf Nahrungssuche gegangen war – immer auf der Suche nach den süßen Amarenakirschen. So entstand eine einzigartige und seltene Beziehung zwischen den Menschen im Dorf und der Bärin. Amarena wurde zum Symbol ihrer bedrohten Art.

Testen Sie Ihr „Universum“-Wissen und machen Sie mit auf ORF extra

Wie außergewöhnlich diese Bärin war, zeigte sich auch bei den Dreharbeiten. Der Zoologe Paolo Forconi und der Kameramann Luca Verducci beobachteten die Bärenfamilie über mehrere Jahre hinweg. „Die Geschichte von Amarena ist das Ergebnis eines sechsjährigen Filmprojekts – eine lange und herausfordernde Reise, die uns viel Geduld und Ausdauer abverlangt hat. Hinter diesem Film stehen unzählige Stunden der Recherche, Beobachtung und Dreharbeiten, viele Tage ohne verwertbare Aufnahmen, aber auch außergewöhnliche Verhaltensweisen, die zuvor noch nie gefilmt wurden“, erinnert sich Kameramann Luca Verducci.

Die Bärin Amarena überquert mit ihren vier Jungen eine Straße, die von Wald gesäumt ist. Im Hintergrund halten sich zahlreiche Schaulustige auf.
ORF/dreiD.at filmproduktion/Luca Verducci/Paolo Forconi

Für Aufsehen sorgte Amarena, als sie eines Tages mit gleich vier Bärenkindern durch das Dorf Villalago spazierte. Nicht alle Jungen stammten von ihr – zwei hatte sie adoptiert. Die Bewohner bewunderten ihr sanftes Wesen und ihre bemerkenswerte Fürsorge für ihren Nachwuchs. Und nicht nur sie: Immer mehr Menschen aus dem Umland kamen, um zu beobachten, wie Amarena ihren Jungen beibrachte, Straßen zu überqueren, Zäune zu überwinden und Kirschen zu pflücken. Sie lehrte sie alles, was sie brauchten, um unter den rauen Bedingungen der Abruzzen zu bestehen – bis sie groß genug waren, um eigene Wege zu gehen.

Zwei kleine Bärenjunge klettern dem Ast eines Kirschbaums.
ORF/dreiD.at filmproduktion/Luca Verducci/Paolo Forconi
Zwei Bärenjunge klettern auf einem Kirschbaum

Aber nicht nur die Marsischen Braunbären standen im Mittelpunkt der Filmarbeiten. Die Abruzzen sind auch ein wichtiges Rückzugsgebiet für den Apenninwolf. Doch auch diese Wölfe werden immer häufiger Opfer von Wilderei. Wie Wölfe und Bären miteinander interagieren und etwa um Beute konkurrieren, haben die Filmemacher in eindrucksvollen Bildern festgehalten. Der Wissenschaftler Paolo Forconi erzählt: „In den vergangenen zehn Jahren gelangen mir außergewöhnliche Aufnahmen, von denen ich nie zu träumen gewagt hätte: von Amarena mit ihren vier Jungen bis hin zu einem jungen Bären, der gemeinsam mit zwei Wölfen an einem Hirschkadaver fraß – nur wenige Meter von mir entfernt, in einer abgelegenen Bergregion.“

Die nachbarschaftliche Harmonie zerbricht

Nachdem ihre Kinder selbstständig geworden waren, kehrte Amarena mit zwei neuen Jungen nach Villalago zurück. Doch diesmal war vieles anders. Das Nahrungsangebot war geringer, und sie war gezwungen, unbekannte Gebiete aufzusuchen – Gebiete, in denen Bären nicht willkommen sind.

Dann passiert es. Es ist August. Eine warme Sommernacht. Amarena steigt über einen Gartenzaun und sucht nach Futter. Ein Schuss hallt durch die Nacht. Amarena ist tot. Ihre beiden Jungen sind nun Waisen und von diesem Moment an auf sich allein gestellt. Für Paolo Forconi war dieser Verlust besonders schmerzhaft: „Mein Wunsch war es immer, auch ein friedliches Zusammenleben zwischen Menschen und Marsischen Braunbären zu erleben. Doch leider sind wir davon noch weit entfernt.“

Amarenas Geschichte endet nicht mit ihrem Tod. Ihr Schicksal löste in Italien und weit darüber hinaus Bestürzung aus und rückte die fragile Welt der letzten Marsischen Bären ins Bewusstsein der Menschen. Es ist ein Aufruf, Wildtiere mit anderen Augen zu sehen und zu verstehen, dass Koexistenz bedeutet, den Lebensraum mit ihnen zu teilen und ihnen mit Respekt zu begegnen.

„Amarena und ihre vier Jungen stehen im Mittelpunkt einer bewegenden Geschichte voller Höhen und Tiefen. Wir haben uns bewusst für eine Erzählweise aus ihrer Perspektive entschieden, um dem Publikum einen möglichst unmittelbaren und emotionalen Zugang zu ihrem Leben zu ermöglichen.“ Das ist dem Team um Luca Verducci eindrucksvoll gelungen. „Die Abruzzen-Bärin – Das wilde Herz Italiens“ ist eine Geschichte von Liebe und Verlust, von Frieden und Konflikt – und letztlich von Hoffnung.