Zwei Seeotter liegen am Wasser zwischen Kelp-Blättern.
ORF/Längengrad Filmproduktion/Claudia Schmitt
Schutzmaßnamen sorgten dafür, dass es heute wieder etwa 3000 Seeotter in Kalifornien gibt. Sie sind eine Schlüsselart für die bedrohten Kelpwälder.

Universum

Seeotter - Kaliforniens kleine Helden

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Wir kennen sie als entspannte Meeresbewohner, geschickte Unterwasserjäger und die Weibchen als liebevolle Mütter: Kaliforniens Seeotter sind wahre Sympathieträger. Dass die Tiere jedoch zur großen Hoffnung für eines der wichtigsten Ökosysteme der Erde geworden sind und damit sogar einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, ist weit weniger bekannt.

Die neue Universum-Dokumentation „Seeotter – Kaliforniens kleine Helden“ von Claudia Schmitt und Hendrik S. Schmitt erzählt am Dienstag, dem 27. Jänner 2026, um 20.15 Uhr von diesen „pelzigen Klimakämpfern“, die mit ihrem Appetit auf Seeigel ganze Unterwasserdschungel retten können. Der Film zeigt, wie eng ihr Schicksal mit jenem der Kelpwälder im Ozean verknüpft ist.

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Lebensraum unter Druck

Vor der Küstenstadt Monterey in Kalifornien treiben ausgedehnte Wälder aus Riesentang im kalten, nährstoffreichen Pazifikwasser. Zwischen den langen Algenbändern finden zahlreiche Meerestiere Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten. Zugleich dienen die Kelpwälder als natürlicher Küstenschutz und wichtiger Kohlenstoffspeicher.

Ein dichter Unterwasserwald aus langen, braunen Algenbändern, die säulenförmig angeordnet sind und bis zur türkisen Wasseroberfläche reichen.
ORF/Längengrad Filmproduktion/Hendrik Schmitt
Riesentang ist eine bis zu 45 Meter hohe Alge, sie wächst als artenreicher Kelpwald an Kaliforniens Küste

In den vergangenen Jahren jedoch wurde dieses Ökosystem spürbar geschwächt: marine Hitzewellen, eine bislang ungeklärte Seestern-Krankheit und die dadurch begünstigte Vermehrung von Purpurseeigeln haben vielerorts dazu geführt, dass die Tangbestände ausdünnen oder völlig absterben.

Gruppen von lila Seeigeln besiedeln Felsen am Meeresgrund.
ORF/Längengrad Filmproduktion/Hendrik Schmitt
Purpurseeigel fressen Kelp und anderen Seetang. Dort wo sie keine natürlichen Feinde wie beispielsweise Seeotter haben, zerstören sie die Kelpwälder.

In diesem Umfeld zeigt sich die Schlüsselrolle und besondere Bedeutung der Seeotter:

Die Meeressäuger zählen zu den wenigen natürlichen Feinden der Seeigel. Durch ihren enormen Hunger können sie deren Ausbreitung bremsen und so die Stabilität der Unterwasserwelt beeinflussen.

„Es hat uns beeindruckt und schockiert, wie schnell ein riesiges Ökosystem wie das der Kelpwälder kollabieren kann“, sagen die Filmemacher Claudia Schmitt und Hendrik S. Schmitt, die immer wieder in der Region arbeiten. „Innerhalb weniger Jahre sind die Tangwälder fast vollständig verschwunden. Wir haben miterlebt, wie verletzlich selbst große Naturkreisläufe sind. Wenn nur ein Element fehlt, gerät das gesamte Gefüge ins Wanken, wie in einem Kartenhaus.“

Seeotter schützen rettet Kelpwälder

Zugleich zeigen Beobachtungen vor Ort, dass es auch Grund zur Hoffnung gibt. „Dort, wo die vom Aussterben bedrohten Seeotter dank gezielter Schutzmaßnahmen zurückkehren konnten, erweisen sich die Kelpwälder als deutlich widerstandsfähiger. Ein eindrücklicher Beleg dafür, welche Bedeutung Artenschutz für das Bestehen ganzer Lebensräume hat,“ so das Regie-Duo.

Mit spektakulären Über- und Unterwasseraufnahmen begleitet der Film das Familienleben der Seeotter und anderer tierischer Bewohner des Kelpwaldes, folgt BiologInnen und NaturschützerInnen bei ihren Tauchgängen, dokumentiert Veränderungen im marinen Ökosystem und zeigt, wie in geschädigten Gebieten fieberhaft an Lösungen gearbeitet wird, den Kelpwald zu regenerieren.

Die Naturfilmer legen ihren Fokus aber auch auf die Arbeit des renommierten Monterey Bay Aquariums, wo verwaiste Seeotterjunge aufgepäppelt, von erfahrenen „Pflegemüttern“ an ein Leben im Meer herangeführt und schließlich erfolgreich ausgewildert werden.

Ein Otterjunges liegt auf einem Weibchen, das auf dem Rücken im Wasser treibt. Künstlicher Kelp in grün befindet sich neben den beiden auf einer Plattform.
ORF/Längengrad Filmproduktion/Monterey Bay Aquarium
Im Monterey Bay Aquarium nehmen Seeotter-Adoptivmütter verwaiste Otterwelpen an und ziehen sie auf, bis die Jungen wieder ausgewildert werden können

So waren es für die zwei Kameraleute nicht nur wissenschaftlich spannende, sondern auch sehr persönliche Momente: „Seeotter sind einfach unglaublich charismatische Tiere. Ihnen beim Dreh so nah zu kommen, sie beim Ausruhen oder Säugen ihrer Babys zu beobachten und Einblicke in ihr Sozialverhalten zu bekommen, waren ganz besondere Erlebnisse für uns. Zu wissen, dass diese bezaubernden Tiere bedroht sind und gleichzeitig so wichtig für das Überleben der Kelpwälder, lässt uns ihre Begegnung noch mehr schätzen.“

Die Universum-Dokumentation richtet den Blick schließlich über Kalifornien hinaus. „Wir setzen uns seit vielen Jahren für den Schutz des Ozeans ein“, betonen die Filmemacher. „Dieses Projekt zeigt, wie verletzlich das Leben im Meer ist. Aber auch, was möglich ist, wenn Menschen konsequent für den Schutz der Natur arbeiten. Es ist immer einfacher, etwas zu bewahren, als es zurückzuholen, wenn es einmal verloren ist.“

Seeotter und Kelpwälder stehen sinnbildlich für das, was weltweit auf dem Spiel steht: „Die Meere als zentrales Lebenserhaltungssystem unseres Planeten,“ betont Regisseurin und Unterwasserkamerafrau Claudia Schmitt.

„Seeotter – Kaliforniens kleine Helden“ ist eine Produktion der Längengrad Filmproduktion in Koproduktion mit ARTE und ORF, in Zusammenarbeit mit ORF-Enterprise.