
Am Schauplatz
An der Grenze
Eine Reportage über das oft schwierige Zusammenleben in den Grenzregionen entlang des ehemaligen eisernen Vorhangs.
Über 800 Kilometer war der „Eiserne Vorhang“ einst lang, der Österreich vom damaligen Ostblock trennte. Vor rund vier Jahrzehnten fiel der Stacheldraht, vor rund 20 Jahren sind dann die Grenzkontrollen zu Ungarn und der ehemaligen Tschecholowakei gefallen. Wie haben sich diese Grenzregionen entwickelt?

Bei Kleinhaugsdorf etwa, hinter der österreichischen Grenze in Tschechien, wurde nach dem Fall des Eisernen Vorhanges die Exkalibur-City gegründet, wo billig zollfreie Waren verkauft worden ist. Mit dem EU-Beitritt Tschechiens war es damit vorbei. Und doch fahren Leute immer wieder gerne hin.
Der Wegfall der Grenzen hat auch das Zusammenleben der Menschen in den Grenzregionen verändert. Den kleinen Grenzübergang im burgenländischen Schattendorf etwa haben laut Bürgermeister täglich 1000 Autos aus dem Raum Sopron gequert, der Verkehr habe die Sicherheit der kleinen Gemeine gefährdet. Über Jahre gab es juristische Streitigkeiten mit ungarischen Grenzgemeinden, nun wurde dem Verkehr mit einer ungewöhnlichen Lösung Einhalt geboten.

Die Bevölkerung von Kittsee, nur wenige Autominuten von Bratislava, entfernt, hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten fast verdoppelt. Slowaken, die sich Grund und Boden im Raum der slowakischen Hauptstadt nicht leisten konnten, sind ins deutlich billigere Kittsee ausgewichen. Heute wohnen dort mehr Slowaken als Österreicher – was nicht nur infrastrukturelle Herausforderungen gebracht hat.
Am Schauplatz-Reporterin Ulla Kramar-Schmid hat sich umgehört und umgesehen - in Kleinhaugsdorf, Schattendorf und Kittsee.