
Am Schauplatz
Preisfrage Essen
Eine Reportage über Lebensmittel, die für viele zu teuer und für die Landwirtschaft zu billig sind.
Die Lebensmittelpreise sind 2025 in Österreich erneut gestiegen. Immer mehr Menschen sind auf Sozialmärkte angewiesen. Gleichzeitig geraten Produzentinnen und Produzenten zunehmend unter Druck. Für viele Konsumentinnen sind Lebensmittel kaum noch leistbar – für die heimische Landwirtschaft hingegen sind sie zu billig.

„Wenn ich daran denke, was Schokolade kostet, müsste man sich das Schokoladeessen eigentlich abgewöhnen“, sagt Jürgen Pomberger, Leiter des soogut Sozialmarktes in St. Pölten. Vor Weihnachten kostete eine Bonbonniere im regulären Handel bis zu 30 Euro. Im Sozialmarkt ist sie für wenige Euro zu haben. Die Waren stammen aus Spenden von Supermärkten, Bäckereien und landwirtschaftlichen Betrieben. Grundnahrungsmittel wie Öl oder Mehl müssen teilweise zugekauft werden. Der Andrang ist groß.
„Man kann sich ja fast nichts mehr leisten, wenn man einkaufen geht“, sagt Melitta, Köchin und kurz vor der Pension. Zu Hause studiert sie die Prospekte der großen Handelsketten genau. „Ich kaufe eigentlich nur Dinge, die in Aktion sind.“ Damit ist sie nicht allein: Der Anteil an Aktionsware ist in österreichischen Supermärkten besonders hoch. Während Konsumentinnen sparen, wächst bei vielen Bäuerinnen und Bauern die Existenzangst. Im Burgenland protestieren Anfang des Jahres mehr als 100 Traktoren gegen das Mercosur-Abkommen – aus Sorge vor zusätzlichen Billigimporten. Der Preisdruck sei schon jetzt enorm.

„Wir können uns nur über Qualität positionieren“, sagt der 24-jährige Jungbauer Sebastian Bauer. „Aber in der aktuellen Situation will der Kunde nichts für Qualität ausgeben. Und ich verstehe das auch.“ Als Quereinsteiger ist er eine Ausnahme in der Branche. Neun landwirtschaftliche Betriebe schließen in Österreich täglich. Für Landwirt Hannes Royer, Obmann des Vereins „Land schafft Leben“, ist klar: „Wenn es nur um den Preis geht, dann hat Essen keinen Wert.“
Am Schauplatz-Reporterin Nicole Kampl trifft Konsumentinnen und Landwirte und geht der Frage nach, wie sich die anhaltende Teuerung auf beide Seiten auswirkt.