
Richard Strauss - Ariadne auf Naxos
Sie ist verlassen, erstarrt im Schmerz und sehnt sich nach dem Tod – bis ihr in Bacchus ein Fremder begegnet, der alles verändert: Ariadne. Doch diese „Ariadne auf Naxos“ spielt nicht in der mythologischen Antike und auch nicht im Wiener Palais des Prologs, sondern auf dem Mars. Regisseur Ersan Mondtag macht Richard Strauss’ und Hugo von Hofmannsthals Oper bei den Salzburger Festspielen 2026 zum extraterrestrischen Gedankenexperiment über Kunst, Einsamkeit und die Suche nach einem anderen Leben.

Denn der unsichtbare Hausherr, der eine ernste Oper und ein heiteres Singspiel für denselben Abend bestellt, ist hier nicht bloß der reichste Mann von Wien, sondern der reichste Mann der Welt. Seine Laune setzt die Kunstwelt unter Druck: Tragödie und Komödie, Anspruch und Unterhaltung sollen gleichzeitig stattfinden.

Für den jungen Komponisten (Kate Lindsey), der um die Integrität seines Werks kämpft, ist das ein Affront. Auch die Primadonna und Ariadne (Christina Nilsson) sieht ihre große Szene bedroht. Unbeeindruckt bleibt Zerbinetta (Ziyi Dai): Gemeinsam mit ihrer wandlungsfähigen Komödiantentruppe setzt sie der Todessehnsucht Ariadnes Witz, Lebenslust und die Erfahrung entgegen, dass kein Schmerz für immer währt.

In einer kargen, surrealen Marslandschaft treffen schließlich Ariadne und Bacchus (Eric Cutler) aufeinander. Was zunächst wie die Begegnung mit einem weiteren Verfolger erscheint, wird zur Verwandlung: Aus Verlassenheit entsteht neue Hoffnung, aus dem fremden Gott ein Versprechen auf eine andere Welt.
Regie, Bühne und Kostüme stammen von Ersan Mondtag, der die Gegensätze von Einsamkeit und Ausgelassenheit, künstlicher Zukunftswelt und menschlichen Urgefühlen in prägnante Bilder fasst. Am Pult der Wiener Philharmoniker steht Manfred Honeck. Er zeichnet Strauss’ schillernde Partitur in all ihren Kontrasten nach – von kammermusikalischer Transparenz und ironischem Spiel bis zur großen, ekstatischen Klangentfaltung.
Für die Bildregie der TV-Übertragung zeichnet Leopold Knötzl verantwortlich, durch den Opernabend führt Teresa Vogl.