Wann. Ein Versuch über die Zeit

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Keiner hat Zeit. Aber was ist Zeit? Wenn wir warten, gähnt die Zeit, wenn wir glücklich sind, rast sie davon.

Und der Blick auf die Uhr hilft auch nicht weiter: Kein Zeitmesser der Welt zeigt an, wie wir Zeit subjektiv wahrnehmen. Was ist Zeit? Eine Dimension? Eine Illusion? Physikalisch gesehen ist eine Sekunde: 9.192.631.770 Schwingungen eines Cäsium Atoms. Nur, was klärt das? Wie lange dauert ein Augenblick und wieso fühlen wir Zeit, obwohl wir kein Sinnesorgan dafür haben?

Wassertropfen
ORF/BR/Daniel Nimmervoll

Die Zeit ist ein Rätsel. Die einen sagen: Zeit ist das, was die Uhr anzeigt. Die anderen sagen: Zeit ist das, was du hast, wenn du die Uhr wegwirfst. Der Film von Angelika Kellhammer umkreist das große Rätsel der Menschheit aus verschiedensten Perspektiven, fragt nach bei Physik, Kunst, Soziologie und Gehirnforschung.

Meditation
ORF/BR/Tom Wittmann

„Alles Unglück der Menschen kommt daher, dass er nicht vermag, ruhig in einem Zimmer zu sitzen“, sagte schon der Philosoph Blaise Pascal vor Jahrhunderten. Die Zeit - diese unsichtbare Macht, aus der wir kommen, in der wir vergehen und innerhalb derer man zu errechnen versucht, was denn nun der physikalische Anfang von Zeit tatsächlich war. „Die Physiker hassen die Zeit“, meint der Physiker und Astronom Harald Lesch, denn während wir Zeiträume messen, werden wir immer älter.

Menschen auf Brücke in Venedig
ORF/BR/Michael Wesely

Wir werden von der Uhr beherrscht, dem Instrument einer globalen Hyperzeit. Sie taktet unser Leben bis in den hintersten Winkel der Privatheit. „Zeit ist Geld“ ist inzwischen ein zutiefst schuldig machendes Lebensgefühl, findet der Soziologe Hartmut Rosa: wer einfach nur rumsitzt, der verschwendet sie und muss befürchten, verloren zu gehen im Wettbewerb.

Wecker
ORF/BR/Tom Wittmann

Also, was ist Zeit? Eine Dimension, eine Illusion? Sie herrscht immer über uns, nur in der Kunst hat der Mensch die Oberhand über sie: kann in ihr reisen, kann sie anhalten, beschleunigen und vergessen machen. Für die Dirigentin Joana Mallwitz erzeugt die Musik ihr eigenes Zeit-Tempo: sie spiegelt, dehnt und beugt die Zeit.

Joana Mallwitz dirigiert
ORF/BR/Paul-Georg Busse
Joana Mallwitz

Wir leben in vom Gehirn erzeugten 2-3 Sekunden Augenblicken, in den 43 Minuten der Dokumentation vergehen also ungefähr 860 Jetztmomente, die sofort wieder vorbei sind. Unaufhaltsam fließt sie ab, die Zeit, ist flüchtig und gefräßig. Und solange wir in ihr sind, suchen wir den Notausgang aus ihr: suchen nach der großen Gegenspielerin von Zeit: der Ewigkeit. Denn wenn wir beten, meditieren, uns konzentrieren, kurz: wenn wir uns selbst und die Zeit vergessen, dann legt die Ewigkeit ihren Arm um uns. Und die Zeit steht still. Unerklärlich und rätselhaft.

Regie
Angelika Kellhammer

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kulturMontag