Wachgeküsst: die Villa Beer
ORF/Interspot/Villa Beer Foundation
Straßenansicht 1931
kulturMONTAG

Wachgeküsst: die Villa Beer

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Rudolf Klingohr erzählt in seinem Film von der akribischen Restaurierung des Hauses, von seiner wechselhaften, oft dramatischen Geschichte und seinen illustren Bewohnern.

Im Wiener Nobelbezirk Hietzing schlummerte die längste Zeit eine Villa im Dornröschenschlaf. Keine gewöhnliche Villa, eine Architekturikone: das Hauptwerk des Architekten und Designers Josef Frank in Kooperation mit seinem Partner Oskar Wlach – einzigartig in seiner Konstruktion, wegweisend in seinem Raumkonzept. Gebaut wurde die Villa in den Jahren 1929/30 für den jüdischen Fabrikanten Julius Beer. Jahrelang ist sie leer gestanden, nun wurde sie wachgeküsst. Am 8. März erfolgte die Eröffnung der Villa Beer als der Öffentlichkeit zugängliches Museum.

Wachgeküsst: die Villa Beer
ORF/Interspot (Interspot Film GmbH)
Villa Beer Wohnzimmer renoviert

Der Esssalon mit seinen riesigen Fenstern ist ebenerdig angeordnet und weist auf den Parkähnlichen Garten, die Wohnhalle mit ihrem verglasten Erker ist über eine kleine Treppe zu erreichen. Der Halbstock gleicht einer Bühne, von der aus die ehemalige Hausherrin ihre Gäste auf dem Klavier unterhalten konnte. Nichts in der Villa Beer ist, wie man es erwarten würde, nichts, wie es zeitgenössische Architekten planen würden – und doch ist alles stimmig und genau am richtigen Platz. Josef Frank hatte auf 650 Quadratmetern sein architektonisches Credo umgesetzt: „Ein gut angelegtes Haus gleicht jenen schönen, alten Städten, in denen sich selbst der Fremde sofort auskennt und, ohne danach zu fragen, Rathaus und Marktplatz findet.“

Wachgeküsst: die Villa Beer
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Außenansicht Villa Beer mit Bay-Fenster

Bauherren der Villa waren Julius Beer, Mitinhaber der Berson Kautschuk Gummisohlenfabrik, und seine Frau Margarete. Beide waren begeisterte Musikliebhaber, das Haus sollte denn auch genügend Platz für Soireen und Empfänge bieten. Die Architekten Frank und Wlach waren Inhaber der Firma „Haus & Garten“ – wie praktisch, dass da neben der Konstruktion auch die Gartengestaltung und das Interieur aus einer Hand kamen. So begeistert war das Architektenduo von dem Auftrag, dass es 1929 mit den Arbeiten begann, noch bevor eine Baubewilligung vorlag. Es folgte der behördliche Baustopp. An die nachgereichten Pläne hielten sich die beiden in vielen Details – nicht.

Wachgeküsst: die Villa Beer
ORF/Interspot (Interspot Film GmbH)
Wand Restaurationsarbeiten in der Villa Beer

Was letztlich entstand, ist ein Schlüsselwerk der Wiener Moderne, inspiriert von Adolf Loos und doch weit freier interpretiert. Das Ehepaar Beer hatte nur kurz Freude an der Villa – die Gummisohlenfabrik schlitterte in den Konkurs, 1932 wurde das Haus an eine Versicherungsgesellschaft verkauft. Die Beers mussten schließlich vor den Nazis in die USA fliehen.

Wachgeküsst: die Villa Beer
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Baustelle Villa Beer Innenbereich

Danach hatte das Haus illustre Mieterinnen und Mieter: Richard Tauber, Jan Kiepura und Martha Eggert, sowie ihr Sekretär Marcel Prawy bewohnten das Haus bis zu ihrer Vertreibung im Jahr 1938. 1941 erwarb der Textilunternehmer Harry Pöschmann zusammen mit seiner Frau Herta das Haus, deren Nachkommen es 2008 verkauften.

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Baustelle Villa Beer Außenbereich

Lange Jahre dämmerte die Villa im Dornröschenschlaf, bis es der Geschäftsmann Lothar Trierenberg erwarb, um sie wachzuküssen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Restaurierungsarbeiten wurden unter Leitung von Architekt Christian Prasser mit archäologischer Präzision durchgeführt. Recherchereisen führten nach Schweden, wo Josef Frank ab 1934 Exil gefunden hatte. Schmied und Schlosser wurden in Kärnten gefunden, der Tischler in Graz, der Glasermeister in Tirol. Am 8. März erfolgte die Eröffnung der Architektur-Ikone. Das anschließende reguläre Programm ist bereits auf Monate ausgebucht.

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