Universum

Geheimnisvolles Tschechien - Ein Land wie im Märchen

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Ein Naturfilm als Märchen, gefilmt vor zauberhaften Naturkulissen und verwunschenen Bauwerken. Erzählt aus der Sicht eines Raben-Weibchens.

Tschechien strömt eine unverkennbare, zauberhafte und fast mystische Romantik aus. Die Natur in diesem geheimnisvollen Land ist bizarr, skurril und urwüchsig. Hier gibt es Berge, Buchenurwälder, wilde Täler und Labyrinthe aus Sandsteinfelsen mit Höhlen und Schluchten. Inmitten dieser idyllischen Landschaft versorgen Bären ihren Nachwuchs, brüten Schwarzstörche ihre Eier aus und leben mit Siebenschläfern, Habichtskäuzen, Füchsen, Wölfen und vielen mehr in einem Gleichgewicht mit der Natur. Dazwischen stehen altertümliche Burgen und malerische Bauten, die von einer bewegten Vergangenheit erzählen. Kein Wunder, dass Tschechien zum „Land der Märchen“ wurde.

In vielen bekannten Märchen gibt es sprechende Tiere mit menschlichen Eigenschaften. Einige sind schlau, andere gutmütig. Es gibt gierige oder böse. Manche werden intelligent dargestellt, andere verschlagen.

Geflügelte Heldin

In der neuen Universum-Produktion „Geheimnisvolles Tschechien“ führt ein schlaues Raben-Weibchen (gesprochen von Edita Malovčić) durch die Geschichte. Sie nimmt uns mit auf eine Reise durch ein Land, das aus einem Märchen entsprungen scheint.

Ein Raben-Weibchen mit schwarzem, glänzendendem Gefieder sitzt auf einem Ast. Im Hintergrund ist Wald zu erkennen.
ORF/Science Vision/Michael Schlamberger
Ein Raben-Weibchen führt durch die Geschichte. Sie nimmt uns mit auf eine Reise durch ein Land, das wie aus einem Märchen entsprungen scheint.

Raben kommen oft in Märchen vor, denn sie sind ganz besondere Vögel. Sie schwindeln und klauen, unterscheiden Freund und Feind und passen sich erstaunlich gewitzt an die Menschenwelt an. Sie haben davon profitiert, sind uns aber nie zu nahegekommen. Obwohl sie zu den Singvögeln zählen, können sie nur krächzen. Dafür sind sie in der Lage, menschliche Stimmen täuschend ähnlich nachzuahmen.

Naturfilmer Michael Schlamberger hat sich von den intelligenten Tieren inspirieren lassen: „Raben sind eine perfekte Besetzung für die Hauptrolle in diesem Film. Doch ihre Intelligenz hat unsere Geduld und Ausdauer bei den Dreharbeiten auf eine harte Probe gestellt. Jeder Trick, den wir anwandten, um sich ihnen unbemerkt zu nähern, wurde von den schlauen Vögeln sofort durchschaut. Es hat uns unendlich viel Zeit und Nerven gekostet, sie mit der Kamera hautnah beobachten zu können. Dabei haben wir Erstaunliches erlebt. Ganz im Gegenteil zu ihrem schlechten Ruf als Rabeneltern, sind sie sehr fürsorglich und kümmern sich lange um das Wohlergehen und die Erziehung ihrer Jungen. Und: Raben sind romantische Vögel. Sie umwerben sich sehr lange, dann bleiben sie sich ihr Leben lang treu.“

Drohendes Unheil

Im Film erinnert der „Verwunschene Wald“ an eine intakte Welt aus ferner Zeit. Hier ist alles wie es sein sollte. Jedes Tier, jede Pflanze hat ihren Platz. Hier leben Sperlingskäuze, Füchse, Siebenschläfer, Wölfe und Bären im natürlichen Gleichgewicht. Doch dieses Paradies wird von einem bösen Fluch bedroht. Es ist ein Fluch, der die alte Ordnung zerstört, Temperaturen, Niederschläge und Jahreszeiten aus den Fugen geraten lässt.

Michael Schlamberger über einen unterschätzten Waldbewohner: „Der böse Fluch ist eine Metapher, die für den vom Menschen gemachten Klimawandel steht. Der Rabe erzählt aus seiner Perspektive, wie schwierig es für Tiere und Pflanzen geworden ist, in einer Welt zu überleben, die sich dramatisch schnell verändert. Doch wie in jedem Märchen gibt einen kleinen Helden, der versucht seine in Bedrängnis geratene Welt zu retten. In unserem Film ist es eine unscheinbare Pflanze, die überall wächst, aber kaum beachtet wird: Moos, ein Zauberkraut mit magischen Kräften.“

Moos ist die älteste Landpflanze der Welt und hat tatsächlich wahre Zauberkräfte. Wenn es regnet, speichert es Wasser. Fällt lange Zeit kein Niederschlag, spendet es Feuchtigkeit. Ist es heiß, sorgt es für Kühle. Bei Kälte wärmt sein dichtes Flechtwerk. In extremen Nahaufnahmen zeigt sich ein fantastischer Mikrokosmos. Sekundenschnell kann die Pflanze, die keine Wurzeln hat, das 30fache ihrer Größe an Wasser aufnehmen. Sobald ein Wassertropfen ihre Oberfläche berührt, wird sie lebendig, pumpt sich voll, schwillt an und verändert ihre Farbe. Durch diese „magischen Kräfte“ schützt sie den Wald vor Trockenheit und Hitze. Ohne Moos wäre der Wald vielleicht längst dem Klimawandel zum Opfer gefallen.

Das berühmte Elbsandsteingebirge der Böhmischen Schweiz ist eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. In der Ferne ragen Vulkankegel über den Horizont, im Vordergrund sind wuchtige Tafelberge, schroffe, verwitterte Felsnadeln und gigantische Burgen aus Stein zu sehen. Im aufsteigenden Nebel erscheinen die Felstürme wie Skulpturen aus einer surrealen Welt.

Sandsteinformationen im Wald. Die Felsen scheinen wie aufeinandergetürmte Kissen mit zahlreichen Falten und Zwischenräumen.
ORF/Science Vision/Michael Schlamberger
Dicht stehende Felstürme, Schluchten, enge Durchgänge, Felswände. Die Kräfte der Natur haben die verschiedensten Formen in den Sandstein modelliert, denen die menschliche Phantasie romantische Namen wie Liebespaar, Krug, Bürgermeister mit Frau oder Zuckerhut gegeben hat.

Im Film sind diese verwitterten Sandsteintürme schlafende Riesen, die sich hier zur Ruhe legten, nachdem sie Ordnung in das Chaos der geologischen Entstehungsprozesse brachten. Die „Schlafenden Riesen“ sind seit Urzeiten eine sichere Festung für Vögel zur Aufzucht ihrer Jungen. Doch vor der zerstörerischen Macht des bösen Fluches helfen keine schützenden Wände. Es regnet viel zu wenig und rund um die Felsenstadt liegt der Wald beinahe im Sterben. Die trockenen Bäume können die großen Horste der Schwarzstörche nicht mehr tragen, im Stockwerk darunter ist ein heftiger Kampf um die letzten verbliebenen Bruthöhlen entbrannt. Zwischen Sperlingskäuzen, Wiedehopfen, Wendehälsen, Staren und Meisen herrscht nur noch das Recht des Stärkeren.

Reale Katastrophe

Temperaturanstieg und Niederschlagsmangel schwächen die ausgedörrten Bäume immer mehr. Doch es kommt noch schlimmer: Ein kleiner Funken reicht aus und der Wald steht in Flammen. Jene Tiere, die nicht fliehen können, verbrennen oder ersticken am Rauch. Am Ende regt sich nichts mehr zwischen den verkohlten Baumstümpfen.

Regisseur Michael Schlamberger erinnert sich an aufregenden Dreharbeiten: „Der Waldbrand im Nationalpark Böhmische Schweiz im Sommer 2022 war ein extrem dramatisches Ereignis. Wochenlang kämpften praktisch alle Feuerwehren des Landes gegen das verheerende Feuer. Überall waren Helikopter und Löschflugzeuge in der Luft und warfen Unmengen an Wasser ab. Als das Feuer die ersten Siedlungen erreichte, gab es unkontrollierte Hektik und panikartige Situationen. Unter solchen Umständen zu arbeiten war für das Kamerateam nicht nur logistisch schwierig, sondern auch gefährlich und ging körperlich an die Belastungsgrenze.“

Ein älterer Mann mit weißen, kinnlangen Haaren und Dreitagebart kniet mit der Kamera am Boden. Er trägt ein schwarzes T-Shirt und kurze schwarze Hosen. Der Waldboden ist schwarz verbrannt, auch die Baumstämme weisen Brandspuren auf.
ORF/Science Vision/Jiri Petr
Regisseur und Kameramann Michael Schlamberger bei Dreharbeiten unmittelbar nach dem verheerenden Waldbrand im Nationalpark Böhmische Schweiz

Der Film zeigt in intensiven Bildern die Zerstörung eines riesigen Nationalparkgebiets als direkte Auswirkung des vom Menschen gemachten Klimawandels. Doch er dokumentiert auch die Widerstandskraft der Natur und ihre Fähigkeit, sich zu regenerieren. Wie lange sie den Veränderungen standhält, ist allerdings fraglich. In „Geheimnisvolles Tschechien“ beschützt das „Zauberkraut“ Moos weiterhin den Wald und all seine BewohnerInnen. Und so endet dieses Märchen aus der Welt der Tiere mit einem Gefühl von Hoffnung. Und wenn sie nicht ausgestorben sind, dann leben sie noch heute.

Eine Produktion von:
ScienceVision Filmproduktions GmbH

In Koproduktion mit:
ORF
ARTE G.E.I.E.
NDR Naturfilm/Doclight
ScienceVision
Česká televize

Audiodeskription gefördert von VGR GmbH