Universum

Slowenien - Am Puls der Wildnis

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Wo die Adria die Alpen berührt und mediterrane Luft auf kühlere trifft, liegt ein kleines, aber zugleich bemerkenswertes Land.

Majestätische Berge, tiefe Schluchten mit glasklaren Flüssen, mysteriöse Sickerseen, die in weitverzweigten Karsthöhlen verschwinden, und ausgedehnte Wälder erwecken den Eindruck kanadischer Wildnis mitten in Europa. Slowenien ist aber weit mehr als ein Kompendium wilder Landschaften. Mit großer Vorbildwirkung zeigt es, wie ein funktionierendes Miteinander von Natur und Zivilisation gelingen kann. Die Natur wird als Nachbarin und Verbündete gesehen. Nirgendwo sonst in Europa gelingt der Spagat zwischen Nützen und Schützen so eindrucksvoll wie im nachhaltigsten Land der Welt. Der Mensch bewahrt Lebensraum für bedrohte Tierarten, wirtschaftet mit Weitsicht und unterstützt Großraubtiere bei ihrer Rückkehr.

Die neue „Universum“-Dokumentation „Slowenien – Am Puls der Wildnis“ – eine Koproduktion von ORF, NDR doclights, ARTE und dreiD.at – erzählt genau diese Geschichten vom Miteinander von Mensch und Natur und zeigt ein eindrucksvolles Porträt eines erstaunlich vielfältigen Landes.

Paradies für Bären

Scheu und versteckt lebende Raubtiere wie Goldschakale und Luchse agieren genauso als Protagonisten wie majestätische Braunbären. Dem Regie- und Kamerateam Christine Sonvilla und Marc Graf gelangen seltene Aufnahmen ihrer Brunft, wie sie aus Mitteleuropa noch nicht zu sehen waren. Ein besonderer Moment für die beiden Filmemacher und Biologen, die zwei Jahre an ihrem „Universum“-Debüt gearbeitet haben. „Nirgendwo sonst auf unserer Erde gibt es so viele Braunbären auf vergleichbarer Fläche. Mitteleuropa ist wilder als man denkt“, betont Christine Sonvilla.

Ein Bär im Wald, grüne Sträucher, Felsen im Vordergrund.
ORF/dreiD.at/Sonvilla-Graf
Mit etwa 1000 Bären auf kleinem Raum zählt Sloweniens Bärenpopulation zu einer der dichtesten der Welt

Die unscheinbaren Gewässer im Süden des Landes sind Schauplatz für spektakuläre Massenaufläufe von Eintagsfliegen. Das Team war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. „Man muss wissen, wo die besten Stellen sind, und auch ein wenig Glück haben. Nicht alle Jahre sind gleich intensiv. Wir hatten ein besonders spektakuläres Jahr mit Hunderttausenden Eintagsfliegen. Eindrücke, die man so schnell nicht vergisst“, so Marc Graf.

 Artenreichtum im Herzen Europas

Auch wenn Sloweniens Adriaküste kaum länger als eine Marathonstrecke ist, überrascht sie dennoch mit Flamingos, Delfinen und exotisch anmutender Meeresfauna.

Ein Flamingo watet im Wasser, mit dem Schnabel berührt er die Oberfläche.
ORF/dreiD.at/Sonvilla-Graf
Seit kurzem sind Flamingos permanente Gäste an der slowenischen Küste

Rund um Piran erstrecken sich die nördlichsten Salinen des Mittelmeers. Hier wird Meersalz noch immer traditionell gewonnen – unverändert seit 700 Jahren. Slowenien verfügt über ein weitverzweigtes unterirdisches System. Etwa 10.000 Höhlen sind in diesem kleinen Land bekannt und jedes Jahr entdecken Forscher/innen weitere. Sie bieten optimale Bedingungen für einen einzigartigen Höhlen-Salamander wie den Grottenolm. Er ist genauso Slowene wie ein unersetzlich wertvoller Flussbewohner: die Marmorataforelle.

Eine Forelle unter Wasser, der Untergrund ist sandig, im Hintergrund Gestein.
ORF/dreiD.at/Sonvilla-Graf
Selten und besonders wertvoll, mühevoll wurde die Marmorataforelle wieder angesiedelt

Einen Meter lang und bis zu 20 Kilo schwer, kommt sie nur in der Soča und ihren Zuflüssen vor. Im Ersten Weltkrieg wurde die mächtige Forelle fast bis zur Ausrottung befischt. Nur durch das Eingreifen der Fischer von Tolmin konnte sich ihr Bestand erholen. Das Ablaichen der Forellen hat dem Team auch einiges abverlangt. Im Spätherbst spielen Temperatur und Wetter eine tragende Rolle, die Eiablage selbst passiert dann nur an wenigen Tagen. Die diplomierte Meeresbiologin und erfahrene Taucherin Christine Sonvilla erinnert sich an die Dreharbeiten: „Bei Wassertemperaturen knapp über null Grad hält man es nicht lange aus. Alles muss gut geplant sein.“

Vom Hochgebirge bis in die Unterwasserwelt der Adria – Sonvilla und Graf haben ein äußerst abwechslungsreiches Porträt Sloweniens geschaffen, bei dem auch der Mensch selbst als Teil der Natur eine tragende Rolle spielt. Das direkte Miteinander und die gelebte Toleranz wilder Natur gegenüber sind der Grundstein für die Vielfalt und den Artenreichtum des Landes.

Dichter Wald und Schotterbänke von oben, dazwischen glasklares türkises Wasser.
ORF/dreiD.at/Sonvilla-Graf
Glasklares Wasser und unverbaute Ufer, die Soca gehört zu Europas wildesten Alpenflüssen

Produziert wurde der Film von Lukas Kogler (dreiD.at). Auch wenn er schon mehrere „Universum“-Dokumentationen umgesetzt hat, war die aktuelle Produktion für ihn außergewöhnlich: „Eine Produktion über ein Nachbarland ist einfach etwas Besonderes. Viele kennen Slowenien nur vom Durchfahren in den Sommerurlaub und wissen gar nicht, was sie verpassen. Direkt hinter der Staatsgrenze beginnt ein ‚wildes‘ Stück Mitteleuropa, das neben Soča, Triglav und Piran noch so vieles mehr zu bieten hat“, so Kogler.

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