Universum

Ötscher - Im Reich des sanften Riesen

Werbung Werbung schließen

Der Bergstock des Ötschers liegt am östlichen Rand der Alpen. Sein Gipfel ist keine 2.000 Meter hoch – und dennoch dominiert der Berg die ganze Region.

Eine Landschaft der Superlative: Hier gibt es nicht nur einen der kältesten Orte Österreichs und den dunkelsten Nachthimmel des Landes, hier ist mit den Ötschergräben auch Österreichs „Grand Canyon“ zu finden und der letzte große Urwald-Flecken. Regisseur Franz Hafner zeigt diese Naturwunder in seiner „Universum“-Dokumentation und erzählt, wie man heute versucht, in Einklang mit der Natur zu leben. Platz gibt es jedenfalls für alle, für Menschen wie für Wildtiere, und so könnte das Ötscherland zum Vorbild für die gesamten Alpen werden: ein Ort, an dem Menschen und Wildnis nebeneinander bestehen können. Der Film entstand als Koproduktion von ORF, Interspot Film und BR, gefördert von Fernsehfonds Austria, Kulturförderung Niederösterreich und Cinestyria.

 

Am Nordost-Rand der Alpen wacht ein markanter Berg über ein besonderes Land: der Ötscher, 1.893 Meter hoch. Der raue Kalkstock ist weithin sichtbar, sein Reich ist gekennzeichnet durch ausgedehnte Moore und dichte Wälder. Es ist ein Land mit unberührten Wildflüssen und mit einer faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt. Das Ötscherland ist dünn besiedelt, laute Städte, stark befahrene Straßen oder gar Autobahnen fehlen. Hier sind die Nächte noch dunkel und der Sternenhimmel ist klar wie kaum woanders in Mitteleuropa – ein seltenes Privileg im sonst von Lichtsmog verschmutzten Kontinent. Wenn Mitte April oben am rauen Gipfel noch strenger Winter herrscht, ist auf kleinen Waldlichtungen die Bühne für ein besonderes Spektakel bereitet: die Auerhahn-Balz. Jeder Hahn besetzt ein kleines Waldstück – von hier vertreibt er jeden Nebenbuhler, der ihm den Platz streitig machen will.

Ein Auerhahn mit dem markanten roten Ring um die Augen, gelbem Schnabel und dunklem, an der Brust grünlich schimmernden Gefieder. Er schlägt in der tief verschneiten Landschaft ein Rad.
ORF/Interspot Film/Franz Hafner
Die Auerhahn-Balz beginnt Mitte April

 Lebensraum voller Vielfalt

Moore sind uralte Seen, die im Laufe der Jahrtausende verlandeten, wie etwa das Rotmoos im steirischen Salzatal. Ein besonderes Ereignis findet am Rande des Rotmooses statt: Hier treffen einander jedes Jahr Ende Mai die Ringelnattern zur Paarung. Diese Unberührtheit und Abgelegenheit lockt aber auch viel seltenere Wildtiere hierher, u. a. einen jungen Fischotter. Auf der Suche nach einem freien Revier hat er dichte Wälder durchquert und ist über Bergrücken gewandert. Am Fuß des Ötschers kommt er zur Ruhe. Hier gibt es nicht nur genügend Fische, sondern auch Frösche – eine Lieblingsbeute des Otters.

Fischotter am Ufer eines Gewässers, im Vordergrund sind Kiesel zu sehen. Im Hintergrund nimmt eine Schneefläche diagonal fast die ganze linke Hälfte des Bilds ein.
ORF/Interspot Film/Franz Hafner
Im Ötschergebiet findet der Fischotter ein reiches Nahrungsangebot

Deutlich seltener ist in den Wäldern rund um den Ötscher der Luchs anzutreffen. Einzelne Tiere durchstreifen dann und wann das Ötschergebiet, sie sind auf der Suche nach neuen Revieren.

Ein Luchs hat sich in der Sonne auf einem kleinen Felsen zu einem Päckchen eingerollt, seine Augen sind geschlossen. Er ist umgeben vom grünen Sträuchern und den Ästen von Bäumen.
ORF/Interspot Film/Franz Hafner
Luchse sind extrem scheue Einzelgänger

Die kleinen Wildbäche und Flussläufe mit ihrem sauerstoffreichen klaren Wasser voll kleiner Larven sind ein Paradies für Wasseramseln – auch wenn sie die kühlen Gewässer im Sommer oft mit Menschen teilen müssen: mit Abenteuer suchenden Raftern auf der Salza oder mit Abkühlung suchenden Wanderern in den prickelnd kühlen Gumpen des Ötscherbachs. Im Winter gehören die Ötschergräben aber wieder den Wildtieren. Wasseramseln findet man ganzjährig am Fluss. Und in manchen Jahren trifft man weit oben am Gipfel das legendäre Ötscher-Schneehuhn an, einen unscheinbaren Vogel: den Meister der Tarnung, der hier beinahe ebenso selten ist wie der Luchs. Hier, am Rand der Alpen, ist das Schneehuhn ein Mysterium: Nicht jedes Jahr sind die Schneehühner da. Nur wenn es in den Kerngebieten einen günstigen Sommer mit viel Nachwuchs gegeben hat, verschlägt es einzelne Vögel bis zum isolierten Ötscher-Gipfel.

 Faszinierende Dreharbeiten

90 Drehtage waren Regisseur Franz Hafner und sein Team für „Universum“ unterwegs, um die Naturwunder und die außergewöhnliche Landschaft rund um den Ötscher in eindrucksvollen Bildern einzufangen: „Ich habe am Beginn der Dreharbeiten gemeint, alles über das Ötschergebiet zu wissen. Dem war nicht so. Und genau das hat mich während der Arbeit an diesem Film fasziniert“, so Franz Hafner. „Auch wenn man glaubt, bereits alles zu kennen, rund um den Ötscher sollte man immer darauf vorbereitet sein, überrascht zu werden, Unbekanntes zu entdecken: eine Höhle mitten im Wald, die tief in den Berg führt, jahrhundertealte Baumriesen, Karstquellen, die anschwellen und vergehen, oder dass man, nach vielen Jahren vergeblicher Mühe, dann doch die geheimnisvollen Ötscher-Schneehühner findet. Dieser Berg überrascht immer wieder mit kleinen, feinen Sensationen. Man muss sich nur Zeit nehmen, sie zu finden.“

  Audiodeskription gefördert von VGR GmbH

Gestaltung

Franz Hafner