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Top Sekret
Top Sekret - Körperflüssigkeiten als Ware
Für Humanmilch, Blut und Sperma gibt es keinen künstlichen Ersatz. Die drei Substanzen können nur aus menschlichen Körpern gewonnen werden. Sie werden in Banken gesammelt und aufbereitet und landen letztlich in anderen Körpern. Karin Berghammer geht in ihrem Dokumentarfilm der Frage nach, was in diesen Banken wirklich passiert und wer die wertvollen Sekrete um welchen Preis bekommt.
Leopold, hätte ohne Muttermilch wohl kaum überlebt. 2004 wird er mit nur 960 Gramm in der 27. Schwangerschaftswoche auf die Welt geholt. Die Kamera ist dabei, als ihm die erste Dosis seines Lebenselixiers verabreicht wird. 17 Jahre später erinnert sich seine Mutter Barbara, was sie damals motivierte, ihre Milch abzupumpen.
Seit 1909 wird in Wien Humanmilch gesammelt. Für einen Liter bekommen Spenderinnen heute 2,30 Euro. Es gilt, Zustände wie in den USA zu verhindern, wo für einen Liter bis zu 170 Euro bezahlt werden. Während die Mütter so ihr Einkommen aufbessern, werden ihre Babys oft mit billiger Formula-Nahrung abgespeist.
Damit Karin Modl trotz ihres schweren Immundefekts überleben kann, müssen jedes Jahr mindestens 600 Menschen Plasma spenden. Der Rohstoff für ihr lebensrettendes Medikament kommt unter anderem aus Retz in Niederösterreich. Die Firma Europlasma hat diese Niederlassung wohl nicht zufällig nahe an der Grenze eingerichtet, denn die 25 Euro Aufwandsentschädigung zieht vor allem tschechische Spender*innen an.
Auch in der Schönheitsindustrie ist Plasma heiß begehrt. Das sogenannte „Vampirlifting“ etwa soll für die Haut ein wahrer Jungbrunnen sein.
Blutspenden ist Ehrensache. Wenn das Rote Kreuz seine Betten aufstellt, sind die schnell voll. Rund eine halbe Million Blutkonserven werden jährlich gesammelt. Alle 90 Sekunden kommt die kostbare Arznei zum Einsatz. Die Motive der edlen Spender*innen sind unterschiedlich. Würstel oder Schoko als Dankeschön nehmen sie gerne - und mit Humor.
Einmal pro Monat begibt sich der 21-jährige Timo aus Bayern in den „Gewinnungsraum“ der Erlanger Samenbank. Wenn sein Sperma den definierten Qualitätskriterien entspricht, bekommt er für jeweils sechs Spenden 780 Euro. Beim letzten Gespräch mit dem Leiter der Samenbank hat er erfahren, dass er mittlerweile Vater ist.
Sunny Müller, eine junge Frau, die selbst mittels Samenspende gezeugt wurde, hat sich auf der Suche nach ihrem Vater bei einer DNA Datenbank registriert. So hat sie eine Halbschwester in den USA gefunden. Nun haben sie den Verdacht, dass jemand anderer als gedacht ihr Samenspender war – der damit gut verdient hat!
Regie
Karin Berghammer