
Shirley MacLaine - Mit Haut und Haar Entertainerin
Endlose Beine, die zum Tanzen wie gemacht zu sein scheinen, strahlend blaue Augen, ein fuchsroter Bubikopf und ein Mundwerk, das schneller feuert als ein Maschinengewehr. Shirley MacLaine ist viele: Schauspielerin, Tänzerin, Sängerin, Mutter, Bestseller-Autorin – und laut eigenen Aussagen mehrfach reinkarniert. Dabei gibt schon das aktuelle Leben der Oscar-Preisträgerin genug Stoff her.

Im Alter von 20 Jahren wird sie von Alfred Hitchcock entdeckt, unter der Regie von Billy Wilder spielt sie in „Das Appartement“ und „Das Mädchen Irma La Douce“. Vor allem in letzterer Rolle wird sie zum internationalen Superstar. Auf den Höhenflug folgen Flops und der Sturz in Depressionen, aus denen sie sich aus eigener Kraft befreit. In späteren Jahren spielt sie unter dem Motto „das Alter ist nichts für Feiglinge“ reife Frauen in beeindruckenden Charakterrollen.

Dass der gegenüber seinen Schauspielerinnen und Schauspielern meist eher gleichgültige Alfred Hitchcock an Shirley MacLaine einen Narren gefressen hatte, befeuerte ihrer Karriere – und gefährdete sie beinah. „Hitch“ machte die blutjunge Aktrice zu seiner Frühstückspartnerin. Die Mahlzeiten fielen üppig aus: Pancakes, Croissants, Zerealien mit viel Zucker, gebratener Speck, Waffeln. Unweigerlich nahm Shirley Gewicht zu, was im rigiden, alles kontrollierenden Studiosystem Hollywoods auf Missbilligung fiel. Der mahnende Anruf eines Studiobosses setzte den opulenten Mahlen ein Ende.

Als Billy Wilder sie für „Das Appartement“ an der Seite von Jack Lemmon besetzte, lernte sie eine neue Art des Arbeitens vor der Kamera kennen. Der Regisseur setzte in jeder Szene auf sekundgenaues Timing und schrieb laufend am Drehbuch weiter, um die Chemie zwischen seinen beiden Hauptdarstellern immer mehr zu befeuern. Das funktioniere so perfekt, dass es für das Team MacLaine/Lemmon mit „Das Mädchen Irma La Douce“ ein Dacapo gab. Shirley hatte mit dieser Rolle einen Status erreicht, der es ihr ermöglichte, ihre Projekte frei zu wählen. Die wenigsten davon waren glückhaft. „Sweet Charity“, das Regie-Debüt von Bob Fosse, gilt heute als Kultfilm, war damals aber seiner Zeit voraus und ein kommerzieller Flop.

Schließlich blieben Rollenangebote immer mehr aus und MacLaine fiel in eine Depression. Doch die Stehauf-Frau befreite sich aus eigener Kraft aus dem Tief und feierte mit Bühnenshows ein sensationelles Comeback. Mit ihrer Rolle in „Zeit der Zärtlichkeit“ an der Seite von Jack Nicholson widerfuhr ihr 1983 die Genugtuung, die ihr nach fünf Nominierungen endlich gewährt wurde: Oscar für die beste weibliche Hauptrolle.
Fast so bekannt wie für ihre cineastischen Leistungen ist MacLaine für ihre Spiritualität. In ihren Bestsellern schreibt sie über Wiedergeburt und transzendentale Erfahrungen. Shirley MacLaine scheint energetisch von einem geheimen Kraftwerk getrieben zu sein. Mit ihrer Gastrolle im Serienhit „Downton Abbey“ sorgte sie für Furore – und immer noch steht sie vor der Filmkamera.
Regie
Jean Lauritano
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