
Proserpina – Die sexualisierte Gewalt in der Kunst
Nackte Gewalt - Frauen als Kunst-Objekt
Seit Jahrhunderten idealisiert die westliche Kunst Gewalt gegen Frauen – als Mythos, Allegorie und vermeintliche Schönheit. Immer wieder erscheinen Frauen als zentrale Figuren in Szenen von sexueller Aggression, Entführung oder Voyeurismus. Von römischen Sarkophagen über die Meisterwerke der Renaissance und des Barock bis in die Moderne hinein werden sie als passive Objekte männlicher Begierde dargestellt. Ihr Leid wird im Namen der Kunst ästhetisiert und erotisiert. Diese wiederkehrenden Darstellungen werfen bis heute einen dunklen Schatten auf die Wahrnehmung von Weiblichkeit, Macht und Gewalt.

Der Dokumentarfilm Proserpina – Die sexualisierte Gewalt in der Kunst von Regisseurin Mariangela Barbanente nähert sich diesem Thema mit kritischem Blick. Im Zentrum steht die von Pluto entführte Göttin Proserpina. Als animierte Figur befreit sie sich aus Plutos Armen und wird zur Erzählerin des Films. Sie führt durch Meisterwerke der Kunstgeschichte, darunter ikonische Arbeiten von Tizian, Rubens, und Bernini, und macht die oft übersehene Gewalt hinter dem Schönen sichtbar.

Gemeinsam mit renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Museumskuratorinnen und Museumskuratoren sowie zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern untersucht der Film, wie diese Bildwelten entstanden sind und welche Wirkung sie damals wie heute auf den Betrachter und die Betrachterin haben. Er fragt nach den zugrunde liegenden Normen, Machtverhältnissen und mythischen Erzählmustern und danach, wie diese unseren gegenwärtigen Blick auf den weiblichen Körper und auf Geschlechtsverhältnisse prägen.

Doch nicht nur historische Kunstwerke werden zum Gegenstand der Betrachtung. Die filmische Reise führt bis in die Gegenwart zu Positionen wie Marina Abramović und dem italienischen Bildhauer Jago, die gängige Narrative hinterfragen und neue Perspektiven auf Macht, Körper und Geschlecht eröffnen.

Proserpina – Die sexualisierte Gewalt in der Kunst will ein neues Bewusstsein und eine größere Sensibilität für die Darstellung von Frauen in der Kunst schaffen. Die Doku lädt dazu ein, vertraute visuelle Narrative aus einer anderen Perspektive zu betrachten und zu erkennen, wie eng Kunst und kulturelle Vorstellungen miteinander verwoben sind.
Regie
Regisseurin Mariangela Barbanente
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