
Patti Smith: Poesie und Punk
Mehr als 50 Jahre dauert ihre Karriere nun schon an, ein Welthit reichte, ihren Status als Rock-Ikone auf ewig zu zementieren: „Because the Night“. Patti Smith galt als das, was man als seltsames Kind bezeichnet und hielt sich selbst für ein Alien. Wie versöhnt man sich mit solchen Etikettierungen? Was Smith betrifft, so schafft sie ihre eigenen Maßstäbe. Sie verschmilzt Männliches und Weibliches, mischt Underground und Hochkultur. Ihr einziges Ziel: die Regeln loszuwerden, die ihr im Weg stehen, sich frei zu fühlen, sie selbst zu sein. Am 21. Mai gastiert die Godmother of Punk mit dem Patti Smith Quartet bei den Wiener Festwochen.

1967. Eine schlaksige junge Frau kommt aus New Jersey nach Manhattan, der amerikanischen Hauptstadt der Selbstfindung. Hinter sich hat Patti Smith ein anonym geborenes Baby zurückgelassen und ein Leben, das ihr viel zu eng geworden ist. Sie reist mit Arthur Rimbauds „Illuminations“ und einer Polaroidkamera im Gepäck.

Die erste Person, die sie trifft, wird eine Liebe auf den ersten Blick sein: der zwanzigjährige Fotograf Robert Mapplethorpe kennt keine Grenzen in seinem Ehrgeiz, mit ihm wird Patti die Stadt erobern, die niemals schläft. In den Gängen des Chelsea Hotels, zusammen mit Allen Ginsberg, Sam Shepard und Richard Burroughs, verfeinert sie ihr schriftstellerisches Talent.

Nach einigen bemerkenswerten öffentlichen Lesungen ihrer Gedichte schließt sich ihr der Gitarrist Lenny Kaye an und sie nimmt ihre erste selbstproduzierte Single auf: „Hey Joe/Piss Factory“. Die Platte wird zum Instant-Erfolg und etabliert einen radikal neuen Stil des Schreibens und Singens, bei dem Patti Smiths tiefe Stimme Rock-Standards erschüttert.

Es folgen Konzerte in den legendären Sälen des East Village. Die Künstlerin entpuppt sich als geborene Performerin, die drei Stunden ohne Pause auf der Bühne stehen kann. Clive Davis, Entdecker von Janis Joplin, nimmt sie unter Vertrag, Patti nimmt ihre erstes LP auf: das längst legendäre Album „Horses“ aus dem Jahr 1975.

Smith wird zur geistigen Mutter der Punkmusik, indem sie mit Konventionen bricht, Phantasie und Poesie in ihr Werk einfließen lässt. Basierend auf seltenem Archivmaterial und Ausschnitten aus legendären Konzerten zeichnet die Doku von Anne Cutaïa und Sophie Peyrard den Weg einer unersättlichen Dichterin, Musikerin und Fotografin nach, die zu einer der bedeutendsten Künstlerinnen unserer Zeit geworden ist.
Links:
- Patti Smith
- Patti Smith Quartet - Wiener Festwochen
- Interessengemeinschaft Österreichischer Dokumentarfilm