
Orte der Kindheit
Erwin Steinhauer
In der neuesten Ausgabe der Reihe „Orte der Kindheit" begleitet Kultur-Moderator Peter Schneeberger den österreichischen Schauspieler und Kabarettisten Erwin Steinhauer anlässlich seines 75. Geburtstags an die Schauplätze seiner Kindheit und Jugend in Wien und Niederösterreich.

Erwin Steinhauer zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Mimen Österreichs: Sei es in TV-Serien wie „Der Sonne entgegen", „Polt" oder „Die Toten von Salzburg", als „Bockerer“ oder „Herr Karl“ auf den Theaterbühnen des Landes oder als Kabarettist. Doch der Weg auf die Bühne war keineswegs vorgezeichnet: Nach dem Willen seines Vaters und Großvaters, beide Feuerwehrmänner bei der Wiener Berufsfeuerwehr, sollte aus ihm ein Feuerwehrhauptmann werden. Ein sicheres Einkommen und Altersvorsorge waren garantiert. Doch er hatte andere Pläne.

Geboren und aufgewachsen im 9. Wiener Gemeindebezirk im Nachkriegswien, erlebte Steinhauer eine Kindheit zwischen Trümmern katholischer Strenge und familiären Geheimnissen. Seine Großmutter Emmi, die er als warmherzig und weise beschreibt, überlebte die Nazizeit nur, weil sie als Halbjüdin versteckt wurde. Das Bild, wie sie nach dem Anschluss gezwungen wurde, kniend das Floridsdorfer Pflaster zu schrubben, hat sich – wenn auch nur durch die Erzählung seiner Eltern - tief in sein Bewusstsein eingebrannt und ihn rebellisch gemacht.

Die Reise führt vom Feuerwehrmuseum in der Wiener Innenstadt über die Pfarre Lichtental, wo der Erwin Steinhauer als Kind ministrierte und auch erstmals Jazz-Messen hörte, bis ins Weinviertler Ernstbrunn, wo beide Familienzweige der Eltern ihre Wurzeln haben. Im Sigmund-Freud-Gymnasium, wohin er nach seinem Rauswurf bei den Marianisten wechselte, entwickelte sich sein rebellischer Geist weiter. Auch der Prater, das Café Sperl und das Theater an der Wien sind Stationen dieser persönlichen Zeitreise.

Im Gespräch mit Peter Schneeberger erzählt Erwin Steinhauer von den prägenden Gesprächen mit seinem Vater über Austrofaschismus und Judentum, von schwarzer Pädagogik und acht negativen Noten in der sechsten Klasse, vom Vollblut-Schauspieler, der schon in der Volksschule trotz offener Wunde weiterspielte, und von seinem Weg zum Künstler – gegen alle Widerstände, aber schlussendlich, wenn auch sehr spät, mit dem Segen des Vaters.
Regie
Ute Gebhardt