Mitgefühl auf Rezept
Die Zahl der über 80-Jährigen wird in den nächsten Jahrzehnten wachsen. Ein großer Teil von ihnen wird auch an Demenz erkranken und daher in einem Pflegeheim leben müssen, das dem besonderen Risiko einer schweren Demenzerkrankung Rechnung trägt. Das bedeutet viel mehr entsprechende Einrichtungen und viel mehr Pflegepersonal. Wie können wir als Gesellschaft darauf reagieren und ein würdiges Altern sicherstellen?
In ihrem Dokumentarfilm stellt Regisseurin Louise Detlefsen am Beispiel eines einzigartigen Pflegeheims und dessen Bewohnern ein revolutionäres, Mut machendes Langzeitpflegekonzept vor. Sie befasst sich mit den brandaktuellen Fragen, wie wir leben, altern und sterben wollen und was wir uns für unsere Angehörigen wünschen. Der Film gewährt einen warmherzigen wie inspirierenden Blick in den Alltag von Menschen mit Demenz und in eine Welt, in der die Kraft menschlicher Nähe kleine Wunder zu bewirken vermag.
Noch nie haben wir so viel über die älteren und pflegebedürftigen Menschen in unsererm Gesellschaft gesprochen wie während der Corona-Pandemie. Wenn Geschichten über diese Menschen die Titelseiten zierten, ging es oftmals um die schlechten Bedingungen in unseren Pflege- und Altenheimen. Traurige Geschichten die sich um eine zentrale Frage rankten: Wie können wir unseren älteren und pflegebedürftigen Mitmenschen ein Leben in Würde und Freude ermöglichen?
In einem kleinen Pflegeheim in Nordseeland, Dänemark, führt eine Gruppe von Senioren ein Leben, das anders ist als das, was wir normalerweise in den Medien sehen. Dagmarsminde ist ein privates Pflegeheim, das von May Bjerre Eiby gegründet und konzipiert wurde. In dem Film treffen wir unter anderem die Bewohnerinnen und Bewohner Torkild, Vibeke, Inge, Grethe und Inger sowie das Personal des Heimes.
Die Heimbewohner leben hier in einer Art Wohngemeinschaft nach einer außergewöhnlichen Behandlungsmethode. Die engagierte Gründerin May Bjerre Eiby nennt sie „Umsorgung“. Die Bewohner werden von ihren Medikamenten entwöhnt. Stattdessen besteht die Behandlung aus Umarmungen, Augenkontakt, Berührungen, Gesellschaft und ab und zu einem kleinen Glas Portwein. Denn wenn die Erinnerung bröckelt, besteht das Glück darin, im Augenblick zu leben. Auch wenn die Bewohner am Frühstückstisch oft wieder vergessen haben, wo sie sind und ob ihr Ehepartner noch bei ihnen ist, holt sie der liebevolle Umgang des Teams immer wieder ins Hier und Jetzt.