
Marilyn Monroe - Die Erfindung einer Traumfrau
Becoming Marilyn
Sie war die platinblonde Leinwandgöttin in Hollywoods goldener Ära. Ihr Konterfei gilt als nicht weniger ikonisch als jenes von Mona Lisa. Bis heute gilt sie für Schauspielerinnen als Steilvorlage im Hinblick auf Sex-Appeal und Kamera-Präsenz: Marilyn Monroe. Am 1. Juni 2026 wäre sie 100 Jahre alt geworden. Unsterblich ist sie seit ihrem frühen Tod im Alter von nur 36 Jahren.

Unzählige Biografien, Dokumentationen und Romane sind zu ihrem kurzen Leben entstanden – und doch gelingt es Regisseurin Michèle Dominici, einen frischen Blick auf die Monroe zu werfen. Sie gibt ihr ihre Stimme zurück, lässt sie – montiert aus Tagebuchnotizen und Interviews – für sich selbst sprechen: klug, analytisch und kritisch. Dabei holt sie die Hollywood-Legende in die #metoo-Gegenwart, etwa, wenn es um missbrauchende Männer im Business geht: „It“ was part of the job… „Es” gehörte zum Geschäft. Auf die Dialogzeile „I can be smart when it´s important, but most men don´t like it” (Wenn es sein muss, bin ich klug, aber die meisten Männer mögen das nicht) in dem Film „Blondinen bevorzugt“ hat sie bestanden. Beeindruckend auch, wie besessen Norma Jeane Baker an sich arbeitete, um mit Marilyn Monroe eine Kunstfigur zu erschaffen.

Die Geschichte der Norma Jeane, die als Marilyn Monroe zu Weltruhm gelangen sollte, ist eine der traumatischen Erfahrungen und tragischen Missverständnisse. Weil ihre psychisch kranke Mutter nicht in der Lage ist, sich um ihr Kind zu kümmern, wird sie von einer Pflegefamilie zur nächsten weitergereicht. Bei einer von ihnen erlebt sie ihren ersten Missbrauch. Als sie sich hilfesuchend an die Pflegemutter wendet, wird sie mit Schlägen zum Schweigen gebracht. Fast zur selben Zeit erkennt sie, welche Macht ihr Körper über Männer ausübt.

Ihre ersten Jobs als Pin Up-Girl bringen ihr gutes Geld ein – und den Ruf einer Sexmaschine, die man nach Belieben ein- und ausschalten kann. Doch Marilyn ist klüger als ihre Mitbewerberinnen und ehrgeiziger: Sie kauft sich Anatomiebücher und studiert Posen, die sie im besten Licht erscheinen lassen.

Bald heißt es unter Fotografen, es sei praktisch unmöglich, eine schlechte Aufnahme von ihr zu machen. Doch Marilyn will mehr: Die Anerkennung der Studiobosse, Rollen, die relevant sind. Das Resultat: sie dient in ihren frühen Filmen als erotisches Dekor. Der Zynismus des Hollywood-Systems: Sie wird als habgieriges Flittchen besetzt und weit unter Wert bezahlt. Sie versorgt sich mit anspruchsvoller Literatur und darf nur die beschränkte Blondine spielen.

Und nichtsdestotrotz arbeitet sie daran, ihren stereotypen Filmfiguren Tiefe zu verleihen. Irgendeinmal können die patriarchalen Studiobosse ihre Marktmacht nicht mehr übersehen. Marilyn Monroe bekommt mehr Geld, künstlerische Freiheit und ihre eigene Produktionsfirma. So endet der Film mit fast so etwas wie einem Happy End.
Regie
Michéle Dominici
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