kreuz und quer

Auch die Lüge lebt von Wahrheit

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Sie ist ein schillerndes Phänomen: die Lüge. Jeder kennt sie und doch scheint eine allgemeingültige Definition kaum möglich.

„Lügen ist nicht grundsätzlich schlecht, sondern moralisch eine neutrale Fähigkeit“, sagt die Philosophin Simone Dietz. Seit Studienzeiten beschäftigt sie sich mit den unterschiedlichen Aspekten der Lüge. Ihrer Meinung nach scheint eine prinzipielle Verurteilung der Lüge philosophisch kaum gerechtfertigt.

Das zeigt auch das Beispiel der lebensrettenden Lüge, von der die Holocaust-Überlebende Lucia Heilmann berichtet. Geboren als Kind jüdischer Eltern war sie nicht einmal neun Jahre alt, als Hitler in Wien einmarschiert ist. Reinhold Duschka, ein Freund ihres Vaters, hat Lucia und ihre Mutter in seiner Werkstätte versteckt und Nahrung und Kleidung für sie auf dem Schwarzmarkt besorgt. Seinen Lügen verdanken Lucia und ihre Mutter, dass sie das NS-Regime überleben konnten.

Doch nicht immer sind Lügen von solch hohem moralischem Wert, nicht immer retten sie Leben. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass sie auch ganze Gesellschaften zerstören können. Der Sozialethiker und Theologe Alexander Filipović widmet sich der Lüge aus einer ethischen und theologischen Perspektive und beleuchtet so die Risiken, die Lügen mit sich bringen, und ihre Auswirkungen auf das Gemeinschaftsleben.

Inwieweit Lügen Teil der Natur sind, erklärt der Kognitionsbiologe und Verhaltensforscher Thomas Bugnyar. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Rabenvögeln. Kaum ein Tier ist so intelligent wie sie. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass sie wahre Meister der gezielten Täuschung sind.

Gestaltung

Karoline Thaler

Redaktion

Helmut Tatzreiter