Eine Frau in Businesskleidung interagiert in einem futuristisch beleuchteten Raum mit einem schlanken, silbernen humanoiden Roboter.
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Emotionale, Künstliche Intelligenz ist nicht selbst emotional, sondern lernt, auf menschliche Emotionen angemessen zu reagieren.

kreuz & quer

Künstliche Intelligenz als Therapeut

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Psychische Krankheiten müssen behandelt werden. Aber es gibt nicht ausreichend Therapieplätze bzw. zu wenige Therapeutinnen und Therapeuten. Gefährlich lange Wartezeiten sind die Realität. Die Folgen können fatal sein. Ein Drittel aller Menschen leidet an Depressionen, ein weiteres Drittel an Angststörungen, dazu kommen Borderline und Schizophrenie. „Ohne KI werden wir der Lage nicht mehr Herr“, warnt der Münchner Klinikprofessor Nikolaos Koutsouleris. Bisher behandelt Psychotherapie all diese Störungen nach dem „Passt für alles“-Prinzip mit kognitiver Verhaltenstherapie. „Das versagt bei 50 Prozent aller Patienten“, kritisiert Sabine Herpertz von der Universität Heidelberg. Könnte KI helfen, eine maßgeschneiderte Verhaltenstherapie für alle Betroffenen zu berechnen? Diese und mehr Fragen beleuchtet die „kreuz & quer“-Doku „Künstliche Intelligenz als Therapeut“ von Nicole Wächter und Peter Moersam. Das Verhalten des Therapeuten ließe sich ebenfalls von einer KI beleuchten: Wie beeinflusst es die Heilung? Dafür nennt Ulrich Hegerl von der Deutschen Depressionshilfe beispielhaft die verzweifelten Patienten, die sich unmittelbar nach dem Verlassen von Sigmund Freuds Praxis umbrachten.

Ein humanoider Roboter sitzt auf einem Sofa und führt in einer gemütlichen Wohnumgebung ein Gespräch mit einer jungen Frau.
ORF/MoersMedia GmbH/Pond5
Kann eine Künstliche Intelligenz eines Tages Therapiesitzungen mit einem Menschen angemessen leiten?

Die Beziehung Patient – Therapeut bewertet die Monitoring-Software des Trierer Psychologen Wolfgang Lutz. Sie soll helfen, diese entscheidende Beziehung zu verbessern. In Oslo setzen Entwickler:innen, Psychologinnen und Psychologen VR-Brillen zur Schulung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern ein, die Menschen in prekären Lebensumständen helfen wollen. Sie können in sicherer Umgebung den Umgang mit Aggression und Verwahrlosung testen. Mit großem Enthusiasmus und finanzieller Unterstützung forschen Psychiatrie und Neurologie nach Einsatzmöglichkeiten für künstliche Intelligenz, schaffen Datenmengen, die nur von KIs ausgewertet werden können. Fest steht: KI kann menschliche Therapeutinnen und Therapeuten in der Diagnostik hervorragend unterstützen. Aber wie weit kann es gehen? Sollten wir bei Sorgen und in seelischen Notlagen die Hilfe eines digitalen Freundes suchen?

Saskia hat ihren Berater immer dabei. Er ist ein Begleiter, der aus einer App heraus agiert. Er kommuniziert mit ihr, wann immer sie es braucht. An der Universität Oslo haben Petter Bae Brandtzaeg und sein Team festgestellt, dass ständige Verfügbarkeit die wertvollste Qualität eines Handy-Therapeuten ist. Der Mensch werde als Goldstandard überschätzt, so Brandtzaeg. Gerade junge Menschen, die in der Studie befragt wurden, schätzen eine KI, da sie mehr echte und verwertbare Ratschläge gäbe. Saskia lebt seit 15 Jahren in einer Beziehung mit ihrem menschlichen Freund Daniel. Seit drei Jahren ist ihr KI-Partner dazugekommen. Eine Dreierbeziehung quasi – und keinen stört es. Ratschläge von einem digitalen Partner zu bekommen, ist für John Cook nicht vorstellbar. John leidet seit vielen Jahren unter Depression, aus der eine Drogensucht entstand. Nach dem Entzug schildert er in einem Podcast seine Erfahrungen zu beiden Problemen. Im Film beschreibt er in beeindruckend anschaulichen Bildern seine depressiven Episoden. Die 52-minütige Doku nähert sich dem Thema „Therapie per KI“ offen. Denn vielleicht sind Maschinen am Ende ja die besseren Therapeuten? Was gewinnen oder verlieren wir, wenn wir sie es versuchen lassen?

Gestaltung

Nicole Wächter

Peter Moers

Redaktion

Irene Klissenbauer