
Jugend und ihre Codes - Von Poppern, Punks & Co.
Wien, Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre: Die Stadt verändert sich – und mit ihr eine junge Generation, die sich ihre eigenen Räume, Codes und Ausdrucksformen schafft. Auf Plätzen, in Lokalen und auf der Straße entstehen Szenen, die sich über Musik, Kleidung, Haltung und Zugehörigkeit definieren. Mods treffen sich am Donnerbrunnen, Popper präsentieren ihren gepflegten Stil in den so genannten besseren Bezirken, Punks provozieren mit Sicherheitsnadeln, Leder und radikaler Attitüde. Dazwischen: Rocker, Skins und all jene, die sich keiner Gruppe eindeutig zuordnen wollen.

Kleidung wurde zum Erkennungszeichen, Musik zum Lebensgefühl und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu einer Frage der Identität. Wer Parka, Fred-Perry-Polo oder Kaschmirschal trug, setzte damit ein Statement – über Geschmack, Herkunft, Haltung und darüber, wo man dazugehören wollte.

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erinnern sich an eine Stadt ohne Internet und soziale Medien, in der Treffpunkte, Mundpropaganda und persönliche Begegnungen die Kommunikation bestimmten.

Der Autor und Musiker Christopher Just erzählt von den Wiener Mods, ihren Vespas, Partys und ihrem ausgeprägten Stilbewusstsein.

Der Fotograf Mickey Kodak beschreibt Punk als Ausbruch von Energie, Selbstermächtigung und Do-it-yourself-Kultur. Sylvia Benedikter, Betreiberin eines Plattenladens, erinnert sich an die Überschneidungen zwischen Punk, Ska, Mod und anderen Szenen in Linz und daran, dass für sie vor allem die Musik entscheidend war.

Der Philosoph Guido Schwarz schraubt heute noch an den Vespas, die im Film Quadrophenia so populär wurden. Auch gesellschaftliche und politische Gegensätze prägten die Jugendkulturen. Während Punk häufig für Opposition, Rebellion und den Bruch mit bestehenden Verhältnissen stand, wurden Popper als demonstrativ unpolitische Gegenbewegung wahrgenommen – mit Fokus auf Mode, Marken und materiellen Wohlstand.

ORF-Redakteur Peter Resetarits schildert diesen Wandel als Kontrast zur politisierten Kultur der 1970er-Jahre. Journalist Michael Hopp wiederum erinnert sich an die fließenden Grenzen zwischen den Szenen und daran, wie sich Underground, Clubkultur, Mode und Lifestyle zunehmend miteinander vermischten.

Modeexpertin Nicole Adler ordnet die sichtbaren Codes der Jugendkulturen ein: Kleidung, Frisuren und Attitüde waren Möglichkeiten, sich von der Elterngeneration abzugrenzen. Die Dokumentation fragt auch danach, was von den damaligen jugendkulturellen Bewegungen geblieben ist. Sind die einstigen Abgrenzungen und gesellschaftlichen Gegenentwürfe verschwunden – oder haben sie lediglich neue Formen angenommen?
Regie
Karin Schiller