
Jerry Lewis - Ein rebellischer Clown
Jerry Lewis, der Großmeister der Grimasse, der Präzisionsarbeiter der Pointe, der Superstar des Slapstick. Doch der Komödiant war weit mehr als ein Possenreißer. In seiner Zeit der Bühnen- und Filmpartnerschaft mit Dean Martin vermochte er Massenhysterien zu entfachen wie später nur Elvis oder die Beatles. Später erhob er sich über sein eigenes Image, wurde stilprägend als Regisseur seiner eigenen Filme und entwickelte ein eigenes Kamerasystem. In den 1980er-Jahren entdeckte ihn Martin Scorsese als ernsthaften Schauspieler. Am 16. März wäre Lewis 100 Jahre alt geworden.

Im Alter von fünf Jahren stolperte er ins Showbusiness – buchstäblich: Sein Vater, ebenfalls Entertainer, bat ihn zu sich auf die Bühne, Jerry stürzte über einen Scheinwerfer – und kassierte seinen ersten Lacher. Da hatte er bereits zu seiner Berufung gefunden: „Ich war der Klassenclown, der Unruhestifter, ich tat alles, um die Leute zum Lachen zu bringen“, erinnerte er sich später.

Mit 15 hatte Jerry Lewis seine erste Nummer geschrieben, mit 20 war er berühmt. Geboren wurde er am 16. März 1926 in Newark/New Jersey als Joseph Levitch. Seine Eltern waren osteuropäische Juden, die vor Verfolgung in die USA flohen. Jerry war ein Einzelkind, die Eltern waren beruflich meist abwesend. Später fand er in Dean Martin den großen Bruder, den er nie hatte. „Es war ein guter Tag, als wir einander kennenlernten“, sagte Lewis später.

Kennengelernt hatten die beiden einander in einer Bar, in der Jerry einen Auftritt hatte. Ein betrunkener Gast störte die Vorstellung, Dean Martin brachte ihn mit Nachdruck zum Schweigen. So erfolgreich beider Zusammenarbeit war, so unzertrennlich sie miteinander verbunden schienen, so jäh gingen sie auseinander. 1956, während der Dreharbeiten zu ihrem letzten gemeinsamen Film „Hollywood or Bust“ wechselten sie kein Wort miteinander. „Er fehlt mir jeden Tag, seit er gestorben ist“, sagte Lewis über seinen Comedy-Partner. Der Schmerz blieb. Dass jede Komik aus Schmerz geboren wird, war die tiefe Einsicht des Jerry Lewis und ein Geheimnis seines Erfolgs.

In Frankreich stand er denn auch im Zentrum intellektueller Debatten. Die Meisterregisseure Louis Malle und Jean-Luc Godard erkannten, dass hinter seinen perfekt getimten Kapriolen ein subversiver Geist stand. Jerry Lewis seinerseits hegte sein Leben lang eine tiefe Bewunderung für die Größten seines Fachs: Stan Laurel und Charlie Chaplin, den er an seinem Wohnsitz in der Schweiz besuchte, um sich wochenlang über das Wesen von Komik auszutauschen. Dass sich hinter der Clownmaske ein Tragöde verbarg, erkannte Martin Scorsese, der ihn als abgründigen Möchtegern-Komiker in seinem Film „The King of Comedy“ besetzte.