
James Dean - Generation Rebell
James Dean überschrieb die zu seiner Zeit gängigen Codes von Männlichkeit – in seinem Leben wie in seinen nur drei Spielfilmen. In seine Rollen legte er Wut und Ohnmacht, Scham, Sehnsucht und sexuelle Ambivalenz und wurde so zum Gesicht einer ganzen Generation. Unzählige Bücher und Artikel wurden über ihn geschrieben, zahlreiche Thesen und Gerüchte über ihn verbreitet.

Nie ist es gelungen, das Rätsel um seine Existenz letztgültig zu klären. Regisseur Cyrill Leuthy gelingt es in seiner Doku aufgrund intensiven Quellenstudiums allerdings, dem Mythos James Dean beeindruckend nahe zu kommen – zu sehen anlässlich Deans 95. Geburtstags in einer sommerlichen Spezialausgabe des kulturMONTAG.

Nur bei Autorennen, das Gaspedal seines Porsche bis zum Anschlag durchgedrückt, fühle er sich ganz. „Live fast, die young“ – „Lebe schnell, sterbe jung“: wenn dieses Zitat zur Überschrift einer Biografie taugt, dann zu jener von James Dean. Dringlichkeit und Ungeduld bestimmten seine Karrierepläne, als hätte er gewusst, wie wenig Zeit ihm zur Verfügung stand. Wahrscheinlich wollte er sich beim Rasen selbst entkommen, jedenfalls seiner Vergangenheit. Mit neun wird er Halbwaise, der Vater weiß mit Jimmy nichts anzufangen und verschickt ihn zu seiner Tante aufs Land – den Sarg der Mutter mit im Gepäck.

Die Suche nach einer Vaterfigur wird lebensbestimmend. In seinem neuen Zuhause in Indiana nimmt ihn ein Pfarrer unter seine Fittiche, der die Knaben in seiner Gemeinde gerne einmal zum Nacktbaden an den Fluss begleitet. Später soll James Dean Elizabeth Taylor, seiner Filmpartnerin aus „Giganten“, erzählt haben, dass er mit elf Jahren von einem Geistlichen missbraucht worden sei.

Schuld und Scham, die Suche nach und das Aufbegehren gegen Vaterfiguren, die Frage, was Männlichkeit definiert – all dies lässt er später nahezu ungefiltert in seine Kinorollen einfließen. Seine Karriere startet er 1951 mit einem Werbespot und in Produktionen des ganz jungen Mediums Fernsehen.

Über Durststrecken hilft ihm ein wesentlich älterer Mentor, bei dem er einzieht. Wie das Verhältnis der beiden zueinander gestaltet war, lässt sich daran ermessen, dass Dean unmittelbar vor der Premiere von seinem Debütfilm „Jenseits von Eden“ von dem Älteren mit einer Klagsdrohung erpresst wurde und das Filmstudio eine Schweigegeldzahlung leistete. Die Frage nach James Deans Bisexualität mag in einem rein privaten Kontext belanglos sein, sie war aber zwischen den Zeilen zu lesendes Thema in seinem zweiten Spielfilm „...denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Deans Sensibilität, Verletzlichkeit und Zerrissenheit machten sein Charisma aus – und machten ihn zum Mädchenschwarm. Wo er auftauchte, herrschte Kreischalarm. In schwarzer Lederjacke repräsentierte er die „zartere“ Version seines Idols Marlon Brando. Wie dieser studierte er an Lee Strasbergs Actors Studio, wo er mit seinem Spiel beeindruckte.

Seine Oscar-Nominierung zum besten Hauptdarsteller für seine Leistung in „Jenseits von Eden“ sollte er nicht mehr erleben. Am 30. September 1955 erlag er seinen bei einem Autounfall erlittenen Verletzungen. In seiner Doku zeichnet Regisseur Cyrill Leuthy ein differenziertes Bild von James Dean, das durch viele Kino- und rare TV-Ausschnitte abgerundet wird.
Regie
Cyrill Leuthy