Eco Spezial
Der See gehört uns - die Ufer auch?
Österreichs Seeufer haben über die Jahrzehnte eine bemerkenswerte Wandlung durchgemacht: von sauren Wiesen, die für die Landwirtschaft fast wertlos waren, zu Luxusbauland mit Preisen bis zu 10.000 Euro pro Quadratmeter. So teuer diese Grundstücke sind, die Seefläche davor gehört laut österreichischem Wasserrechtsgesetz uns allen – kostenlos.
Was aber kaum jemand weiß: Auch die Uferflächen, die frei werden, wenn im Sommer der Wasserstand sinkt, gehören laut diesem Gesetz der Allgemeinheit. Schwimmer und Wassersportler können sich fast nach Belieben auf ihnen ausbreiten, selbst vor privaten Luxusimmobilien.

Dieser so genannte „große Gemeingebrauch“ am Seeufer freut jene, die ihn zu nutzen wissen und ärgert jene, die meist viel Geld für ihren privaten Seegrund gezahlt haben. Und eine dritte Gruppe – jene die für ihren Seezugang einen jährlichen Pachtzins an Seeeigentümer wie die Bundesforste oder die Bundesländer überweisen – stellen sich eine Frage: warum die immer teurer werdende Pacht überhaupt zahlen, wenn andere einen Teil davon gratis nutzen können.
Es ist ein Konflikt, den Behörden und Seegrundbesitzer nicht öffentlich diskutieren wollen – ein Konflikt, der sogar an Brisanz gewinnen wird: Der Klimawandel könnte die Uferstreifen vor den Seegrundstücken in naher Zukunft sogar deutlich vergrößern.

Martin Steiner und Lisa Lind sind für ein ECO Spezial diesen Fragen an sieben Seen in vier Bundesländern nachgegangen und zu überraschenden Antworten gekommen.