Zum 75. Geb. v. Erwin Pröll am 24.12.2021:

Dein Land, mein Land

Michael Häupl und Erwin Pröll - Erinnerungen an Kindheit und Jugend in Niederösterreich

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Sie haben jeweils rund 25 Jahre lang die Geschicke von Niederösterreich respektive Wien gelenkt – der eine als vielzitierter „Landesfürst“, der andere mitunter auch bodenständig als „Burgamasta“ bezeichnet. Erwin Pröll und Michael Häupl sind rund 50 Kilometer voneinander entfernt in Niederösterreich aufgewachsen – in Radlbrunn der eine, in St. Christophen der andere. In Felix Breisachs Film „Dein Land, mein Land“ können sich die beiden Politik-Legenden nicht nur auf denselben Heimat-Begriff einigen, sondern auch auf die Beatles – und selbst die berühmte Gretchenfrage – „wie hältst du es mit der Religion?“ – beantworten sie unisono.

Erwin Pröll und Michael Häupl in Dürnstein
ORF/Felix Breisach Medienwerkstatt
Erwin Pröll und Michael Häupl in Dürnstein

Dass beide politisch unterschiedliche Weltanschauungen vertreten, scheint nur eine Marginalie zu sein: „Ideologie ordnet sich der Freundschaft unter“, bekräftigen die beiden, wenn sie einander zu schicksalsträchtigen Orten ihrer Kindheit und Jugend begleiten.

Michael Häupl und Erwin Pröll beim Kartenspielen
ORF/Felix Breisach Medienwerkstatt

Balkone hatten immer schon große Symbolkraft. Michael Häupls Mutter überwachte – oder präsidierte – vom Balkon aus hoch über dem Geschäftsportal der familiären Bäckerei das Geschehen auf der Straße. Pünktlich zum Glockenschlag um halb 12 Uhr mittags und abends um sechs mussten die Kinder bei Tisch sitzen. Nicht weniger streng war das Regime im Hause Pröll. Was beide nachmaligen Landeskaiser überdies seit frühen Tagen verbindet:

Michael Häupl und Erwin Pröll in Kirche
ORF/Felix Breisach Medienwerkstatt

Häupl wie Pröll waren Ministranten und so gibt der ehemalige Bürgermeister von Wien auch zu Protokoll, dass er die heimatliche Kirche bis heute immer wieder aufsucht. Das hat nicht zuletzt mit der katholisch-konservativen Weltanschauung des Vaters zu tun: „Mein Vater war so schwarz, dass er im Tunnel einen Schatten geworfen hat“, sagt der langgediente Bürgermeister. Seine Großmutter indes erachtete selbst Heirat als etwas Sündiges. So mag es fast Wunder nehmen, dass Häupl alsbald beim Verband Sozialistischer Studenten Österreichs landete. Erwins Pröll Glauben tief gefestigt hat ein Nahtod-Erlebnis, das er nach langem Bangen der Eltern mit knapper Not überstand. Als Kleinkind fiel er vom Kutschbock des väterlichen Fuhrwerks und geriet buchstäblich unter die Räder. Auch jugendliches Aufbegehren hatten beide späteren Politiker gemein. Sie ließen sich die Haare wachsen und waren Beatles-Fans. Michael Häupl war ein begabter Kicker,

Michael Häupl kickt Fußball
ORF/Felix Breisach Medienwerkstatt

während Erwin Pröll von einer Karriere als Motorrad-Rennfahrer träumte.

„Dein Land, mein Land“ führt nicht nur in die Heimatgemeinden der beiden, sondern unter anderem auch nach Tulln, wo Erwin Pröll – so er nicht schwänzte – das Gymnasium besuchte.

Josef Pröll wirf Basketball
ORF/Felix Breisach Medienwerkstatt

Und nach Wien-Ottakring, das Michael Häupl zu einer neuen Heimat wurde. Die beiden Herren scheinen sich fast wortlos zu verstehen, immer läuft zwischen der beiden der Schmäh und auch manch gutes Tröpfchen wird von ihnen verkostet.

Regie
Felix Breisach

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