
Am Schauplatz
Pfeif, Schiri
Fußball-SchiedsrichterInnen zwischen Abseits und Aggression
2.650 SchiedsrichterInnen verbringen ihre Wochenenden auf heimischen Fußballplätzen. Ein Hobby, für das eine dicke Haut nötig ist. Aggressionen von Eltern, Trainern und Fans gehören zum Alltag. 2025 gab es 19 offizielle Tätlichkeiten und 36 Drohungen. Die Dunkelziffer liegt vermutlich weit höher.
Am Schauplatz hat SchiedsrichterInnen quer durch alle Ligen mit Mikrofonen ausgestattet und begleitet. Wie hitzig die Diskussionen und knapp die Entscheidungen sind, zeigt sich erst, wenn man den Unparteiischen direkt am Platz zuhört.

Tobias Unger (18) gilt als aufstrebendes Talent im Burgenland. Der frischgebackene Maturant pfeift bereits in der Regionalliga, der dritthöchsten Spielklasse. Ende April leitet er das brisante Nachbarschaftsderby Mönchhof gegen Zurndorf – beobachtet von Schiedsrichter-Legende Günter Benkö. Benkö erhielt im Jahr 2000 nach einem Elfmeterpfiff im EM-Semifinale auch Morddrohungen: „Komme nie nach Portugal, du bist ein toter Mann. Ich war seitdem auch nie dort."

Olivia Tschon (32) ist eine von nur 75 Schiedsrichterinnen in Österreich. Die Tiroler Polizistin begann mit 14 Jahren zu pfeifen. Das erste Jahr mit Nachwuchsspielen sei hart gewesen: „Speziell die Mütter und Omas schreien sehr tiefe Dinge rein." Heute ist sie FIFA-Schiedsrichterin mit internationalen Einsätzen.

Amina Gutschi aus Vorarlberg ist die einzige Frau im Schiri-Pool der heimischen Bundesliga. Anfang Mai ist sie beim Topspiel zwischen dem späteren Meister LASK und Rapid als Assistentin an der Linie im Einsatz.
Am Schauplatz Reporterin Nicole Kampl hat Fußball-Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen quer durch alle Ligen begleitet und ihnen am Platz zugehört. Wer sind die Menschen, die ihre Freizeit als Schiris verbringen und wie gehen sie mit Anfeindungen um?