Am Schauplatz

Von Schlossherren und Schlossfrauen

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Eine Reportage über das Leben in Österreichs Burgen und Schlössern.

Österreich ist reich an Schlössern und Burgen - über das Land verteilt sind es mehr als 1000. Wo früher ausschließlich der Adel wohnte, sind es heute oft Private, die sich eine historische Luxusimmobilie leisten - als weitläufiges Sommerdomizil, für Feste und Repräsentations-zwecke, als Hotel, oder einfach aus Liebhaberei. Wer allerdings als Nachkomme einer alten Adelsfamilie ein Schloss oder eine Burg geerbt hat, findet sich oft in der Situation, das Erbe nur mit Ach und Krach erhalten zu können. An Verkauf ist allein aus Familientradition nicht zu denken.

Johannes Würmer beim Malen seines Schlosses.
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Mit der Pandemie musste das Hotel geschlossen werden – seitdem hat der Besitzer Zeit für neue Hobbies wie das Malen. Johannes Würmer hat das Schloss Mühldorf in Oberösterreich als Ruine von seinen Eltern geerbt und in mehr als zwanzig Jahren renoviert und die Nebengebäude als Hotel umgebaut.

 „Am Schauplatz“-Reporterin Tiba Marchetti war in ganz Österreich unterwegs und hat Schlossherren und Schlossfrauen besucht, um sich abseits von Märchen, Kitsch und Tratsch anzusehen, wie das Leben auf einem Schloss wirklich ist. Vier Familien haben ihre Schlosstore geöffnet.

Schlossherr Carl Philipp Clam-Martinic in der burgeigenen Kapelle
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Schlossherr Carl Philipp Clam-Martinic kommt jeden Tag zum Beten in die burgeigenen Kapelle.

Carl Philip Clam-Martinic hat die Burg Clam in Oberösterreich geerbt, er ist die 17. Generation eines alten Adelsgeschlechts, das mit seiner Familie in der Burg lebt. Ehefrau Stephanie ist gebürtige Französin und mit den drei Kindern unter der Woche in Wien. Im Ort Klam, am Fuße des Granitfelsens, auf dem die Burg seit vielen Jahrhunderten thront, wird Carl Philip „der Graf“ genannt. Sein Großvater durfte sich ganz offiziell so nennen. Er hat noch mit Gesinde in der Burg gelebt, deren Instandhaltung Unsummen verschlingt. „Ich bin reich an Steinen, nicht steinreich“, lacht Carl Philip Clam.

Die Harrach`sche  Gemäldesammlung im Schloss Rohrau.
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Im Schloss Rohrau ist die Harrach`sche Gemäldesammlung untergebracht.

Davon weiß auch Johannes Waldburg-Zeil ein Lied zu singen. Er ist Schlossherr des Schlosses Rohrau in Niederösterreich und der Harrach`schen Gemäldesammlung. Sich selbst beschreibt er als Landwirt, Gärtner, Hochzeitsplaner, Vermieter und Hausbesorger. „Ich sage immer, das Schloss besitzt mich, nicht umgekehrt“. Seine Ehefrau Uschi war Reitpädagogin, heute schupft sie mit Johannes alles rund ums Schloss. „Ich habe meinen Mann geheiratet und mit ihm auch gleich meinen Beruf“, sagt sie. Etwas vom Besitz zu verkaufen, kommt für beide nicht in Frage.