Al Pacino - Vom Underdog zur Filmlegende
Er gilt als Schauspiel-Gigant, als einer der prägendsten Hollywoodstars des 20. Jahrhunderts. Ausgezeichnet mit einem Oscar, zwei Tonys und zwei Primetime Emmy Awards, ist er längst eine lebende Legende: Al Pacino – am 25. April 2025 wird er 85 Jahre alt.

In seinen Rollen hat Pacino die verborgenen Welten der italienischen Mafia, jene von Schwulenrechtsaktivisten oder Gangstern durchforstet und Figuren geschaffen, die unvergesslich bleiben: von Michael Corleone in „Der Pate“ bis zu Tony Montana in „Scarface“ oder dem titelgebenden „Serpico“.

Regisseur Jean-Baptiste Péritié zeichnet den Weg eines Outsider nach, der sich ganz nach oben kämpfte, doch sich auf dem Weg dorthin zu verlieren drohte. Die Doku schildert, wie der Italo-Amerikaner aus der New Yorker Bronx von Ängsten, inneren Dämonen und seiner Alkohol-Sucht gepeinigt wurde, sich aber schließlich mit seinem überwältigenden Erfolg aussöhnen konnte.

Als er als Platzanweiser ins Dunkel der Kinosäle vordrang, war er schon längst vom Schauspiel-Virus infiziert. Immer wieder stachelte Al Pacinos Mutter ihren kleinen Sohn auf, bestimmte Szenen aus Filmen nachzuspielen – und Alfredo lieferte. Die Kindheit des Sohns italienischer Einwanderer in die USA war alles andere als idyllisch. Als Scheidungswaise wuchs er mit Mutter und Großeltern in der New Yorker Bronx auf – ein hartes Pflaster. Mit neun Jahren rauchte er Zigaretten, mit 13 Haschisch.

Seine Kumpels gaben ihm den Spitznamen „The Actor“, sein Weg auf die Bühne und vor die Kamera schien vorgezeichnet, war aber alles andere als eine ausgemachte Sache. 1970 suchte New York eine veritable Heroin-Krise heim und Pacino spielte seine erste Hauptrolle im Film zur Stunde – wiewohl eine Low-Budget-Produktion: In „The Panic In Needle Park“ spielt Al Pacino irritierend realistisch einen kleinkriminellen Junkie. Der erste Erfolg fordert seinen Tribut, der Jungstar bleibt hängen und hängt mit seinen neugewonnenen Freunden – echten Drogenkranken – in dem Heroin-Umschlagplatz ab.

Das Paradoxon: je mehr Al Pacino Anerkennung erfährt, desto mehr scheint es an seinem Selbstwertgefühl zu nagen, ihn zu lähmen. 1972 verweigert er die Reise zu den Filmfestspielen nach Cannes, um sich für seine Leistung in Francis Ford Coppolas „Der Pate“ feiern zu lassen, die ihn über Nacht zur Ikone machte.

Was Al Pacino letztlich rettet, ist das Theater. Lee Strasberg wird ihm am Actors Studio zum Mentor, am Broadway spielt er Klassiker. Und die Zeit ist reif für Schauspieler wie Pacino, die so gar nicht dem stromlinienförmigen Ideal des US-Helden entsprechen: Dustin Hoffman etwa gelingt der Durchbruch in „Die Reifeprüfung“.

Jean-Baptiste Péritié zeichnet in seinem Film das Porträt eines Zerrissenen, der sich immer wieder seinen Ängsten, Süchten und Abgründen stellen musste und letztlich triumphierte. Ohne sich dem so genannten Zeitgeist anzubiedern, versteht er es, diesen kompromisslos realistisch auf die Leinwand zu bringen und sicheres Terrain zu verlassen: In „Cruising“, ein Projekt, das er mit Verve verfolgte, begibt er sich als Undercover-Detektiv ins New Yorker Schwulenmilieu, in „Scarface“ spielt er den Drogenbaron Tony Montana.

Für „Der Duft der Frauen“ erhält er schließlich 1992 den Oscar als bester Hauptdarsteller. Al Pacino scheint immer noch gut in Saft zu stehen: Im Alter von 83 Jahren wurde er abermals Vater; die Internet Movie Data Base listet acht Produktionen, für die er derzeit vor der Kamera steht oder stehen wird.