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Alices Buch - Wie die Nazis das Kochbuch meiner Großmutter raubten

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Der Film von Andrea Oster erzählt die Geschichte der jüdischen Köchin Alice Urbach aus Wien, die unter Hitlers Regime die Rechte an ihrem Kochbuch-Bestseller verlor, sowie ihrer Enkelin, die dieses bisher unbekannte Nazi-Verbrechen aufdeckt und um eine Neuauflage des Buchs kämpft. Die Historikerin Dr. Karina Urbach, Autorin des bekannten Buchs „Hitlers heimliche Helfer“, begibt sich auf die Spuren ihrer Familiengeschichte, und stößt auf ein bislang unbekanntes NS-Verbrechen: Deutsche Verlage publizierten Werke jüdischer Sachbuchautoren unter falschen Namen, darunter den Kochbuch-Besteller von Urbachs Großmutter - ein Unrecht, das bis heute weiter wirksam ist.

Alices Buch
ORF/Atelier 8
Alice Urbach gibt als 90-jährige Kochunterricht

Alice Urbach war in den 1930er Jahren eine erfolgreiche Konditorin in Wien, mit einem Bestseller und einer eigenen Kochschule. Doch nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland 1938 musste sie wie so viele andere Juden fliehen. Alice flieht nach England und verbringt die Kriegsjahre damit, sich um jüdische Flüchtlingskinder in einem Heim im Lake District zu kümmern.

Alices Buch
ORF/Andrea Oster
Re-enactment: « Alice » (Statistin Petra Kuss) mit einem jüdischen Mädchen (Statistin Sienna Klemisch) in der Küche des Waisenhauses, das Alice in England geleitet hat

Als sie Ende der 1940er Jahre in das großteils zerstörte Wien zurückkehrt, entdeckt sie, dass ihr Buch „So kocht man in Wien!“ unter dem Namen Rudolf Roesch veröffentlicht wird. Aber hat er überhaupt existiert? Als sie den Verlag damit konfrontiert, weigert sich dieser, ihr die Rechte zurückzugeben. Sie gibt die Hoffnung auf und wandert in die Vereinigten Staaten aus, um dort einen Neuanfang zu wagen. In San Francisco eröffnet sie eine Wiener Konditoreischule und tritt schließlich im amerikanischen Fernsehen auf. Ihr Traum, ihr Kochbuch unter ihrem eigenen Namen auf Englisch zu veröffentlichen, blieb bis zu ihrem Tod 1983 unerfüllt.

Vierzig Jahre später

Jetzt macht sich die Historikerin Karina Urbach - die Enkelin von Alice - auf, die Geschichte über das gestohlene Kochbuch aufzudecken. Ihre Recherchen führen sie von Cambridge über Wien und München bis in den britischen Lake District. In Archiven findet sie Briefe und andere Dokumente, die längst verloren geglaubt waren. Alice Urbachs deutscher Verleger hat eine Entschädigung stets hartnäckig abgelehnt – bis zum Oktober 2020, als die Veröffentlichung des Buches ihrer Enkelin dem Fall neue Aufmerksamkeit verschaffte.

Alices Buch
ORF/Atelier 8
Alice Urbach mit ihrem Sohn Otto

Bewegend wird die Geschichte einer Frau erzählt, die mit ihrer unerschütterlichen Leidenschaft für das Kochen die Schrecken des Zweiten Weltkriegs überlebte, um am anderen Ende der Welt ein neues Leben zu beginnen. Karina Urbach beleuchtet ein bisher unbekanntes Kapitel in der Geschichte der Nazi-Verbrechen gegen jüdische Sachbuchautoren und die Bücher, deren Verbrennung sie sich nicht leisten konnten.

Regie
Andrea Oster

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