Alice Guy
Thierry Peeters
In ihren Filmen setzte sie sich mit Antisemitismus, Migration, der Lage der Arbeiter, der Stellung der Frau und mit Gewalt gegen Kinder auseinander. Ein Großteil ihres Werks gilt heute als verschollen.
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Alice Guy - Die vergessene Filmpionierin

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Sie war die erste Regisseurin und Produzentin in der Filmgeschichte und dennoch kennt kaum jemand ihren Namen: Alice Guy. Mit fantasievollen, teils slapstickhaften Filmen begeisterte Alice Guy Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Menschen. Kurz nachdem die Brüder Lumière ihren ersten Film zeigten, der nicht mehr war als eine technische Sensation, drehte die Französin bereits mit 23 Jahren als einer der ersten Menschen einen Spielfilm. 10 Jahre später leitete sie das damals größte Filmstudio der Welt.

Alice Guy
Catel Muller
Alice Guy war die erste Regisseurin und Produzentin in der Filmgeschichte

Sergej Eisenstein und Alfred Hitchcock lobten die Arbeiten der 1873 geborenen Französin und ihre filmische Produktivität war für die damalige Zeit beeindruckend hoch. Trotz ihres außerordentlichen Erfolgs wurde sie später über Jahrzehnte aus der Filmgeschichtsschreibung verdrängt. Ein Umstand, der von vielen Filmemacherinnen als symptomatisch für eine von Männern dominierte Branche gesehen wird. In Filmzeitschriften und Katalogen wurde sie fast ein Jahrhundert lang ignoriert.

Alice Guy
Catel Muller
Alice Guy-Blaché wurde im März 1895 zu einer internen Vorführung des Kinematographen der Gebrüder Lumière eingeladen - Es war die Geburtsstunde des Kinos.

In Anlehnung an die Memoiren von Alice Guy und mit Illustrationen von Catel Muller zeichnet der Film Alice Guy – Die vergessene Filmpionierin von Nathalie Masouraud und Valérie Urrea das Porträt dieser Filmpionierin und schenkt ihr die ihr so lang verwehrte, aber verdiente Aufmerksamkeit.

Alice Guy
Thierry Petters
Im Pariser Arbeiterviertel Belleville inszeniert Alice Guy mit improvisierten Mitteln ihre ersten Einakter. Aus zufälligen Entdeckungen wie Rückwärtslauf, Überblendung oder Doppelbelichtung entstehen dabei Grundlagen der modernen Filmsprache

1873 als Tochter eines Verlegers geboren, arbeitete Guy zunächst in Paris als Sekretärin für Gaumont, eine Firma die Kameras herstellte. Sie konnte Gaumont davon überzeugen selbst Filme drehen zu dürfen die schließlich ein Riesenerfolg wurden. Später übersiedelte sie in die USA, wo sie ihre Filmgesellschaft Solax leitete, bewarb die Stars ihrer Filme und stellte Geschlechterrollen und Vorurteile infrage.  

Alice Guy
Catel Muller
1907 heiratete Alice Guy den Kameramann Herbert Blaché. Gemeinsam gründeten sie 1910 mit George A. Magie die Solax Company, die rasch zu einer der führenden US Produktionsfirmen wurde.

Guy erkannte also bereits sehr früh das erzählerische Potential des neuen Mediums Kino. Ab 1896 realisierte sie rund 1.000 Filme und lotete die Möglichkeiten dieser neuen Kunstform aus, die später als „siebte Kunst“ bezeichnet werden sollte. Sie war ihrer Zeit in vielerlei Hinsicht voraus, experimentierte mit Inszenierung, Schnitt, Spezialeffekten und frühen Tonfilmverfahren und prägte damit entscheidend die Entwicklung des narrativen Kinos. In ihren letzten Jahren versuchte sie mit großem Einsatz, ihre Filme wiederzufinden und ihre Rolle in der Filmgeschichte sichtbar zu machen, jedoch ohne Erfolg.

Alice Guy
Thierry Peeters
Alice Guy Alice weiß als erfolgreiche Regisseurin, dass sie in einer Zeit geringer Gleichstellung eine Ausnahme ist. Ihre Filme zeigen Frauen aus einzigartiger weiblicher Perspektive neu und provokant – frei und selbstbestimmt.

Die Dokumentation Alice Guy – Die vergessene Filmpionierin zeichnet das ebenso beeindruckende wie tragische Schicksal einer Frau nach, die aus einfachen Verhältnissen stammte und sich in einer männlich geprägten Branche behauptete. Neben umfangreichem Archivmaterial, Memoiren und Schriften von Alice Guy werden in der Doku auch ihre eigenen Aussagen zu einem Bild dieser Filmpionierin montiert, deren Einfluss lange unterschätzt wurde und deren kreative Kraft im  Kino bis heute nachwirkt.

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