ORF Bestenliste Oktober
ORF

Die besten 10 im Oktober 2026

Die Jury hat aus den unzähligen Neuerscheinungen ihre Lieblingsbücher gewählt.

Werbung Werbung schließen
Buchcover von Paulus Hochgatterer
Zsolnay

1. Paulus Hochgatterer (59 Punkte)

„Mio und die Unsterblichkeit“, Zsolnay

Nach sechsjähriger Publikationspause meldet sich Paulus Hochgatterer zurück: In „Mio und die Unsterblichkeit“ erzählt er von einer geheimnisvollen schwarzen Katze namens Mio, die auf den Teenager Ingemar und dessen Familie trifft. Ingemar ist aufgrund einer Muskelatrophie gelähmt, tritt jedoch als Protagonist mit einer reichen und auffallend reifen Gedankenwelt in Erscheinung. Hochgatterer weiß, wovon er schreibt. Als Kinder- und Jugendpsychiater ist er vielen Kindern und Jugendlichen mit Krankheiten begegnet. Im Aufeinandertreffen mit dem rätselhaften Vierbeiner Mio folgt man einem jungen Protagonisten, der über Verlust und Vergänglichkeit nachdenkt – schnörkellos und feinfühlig. Geboren 1961 in Amstetten, lebt Hochgatterer in Wien. Zu seinen literarischen Arbeiten zählen Romane und Krimireihen.

Mehr dazu auf Ö1

Buchcover von Michael Köhlmeier
Hanser

2. Michael Köhlmeier (36 Punkte)

„Mein privates Glück“, Hanser

„Mein privates Glück“ wird auf dem Cover zwar als Roman bezeichnet, doch legt Michael Köhlmeier damit ein autobiografisches und wohl sein bisher persönlichstes Werk vor. Der Vorarlberger Schriftsteller erzählt darin von seiner Kindheit, die er zwischen Vorarlberg und dem deutschen Coburg verbracht hat. Anders als Köhlmeiers kürzlich verstorbene Ehefrau, die renommierte Schriftstellerin Monika Helfer, hat Köhlmeier seine Familiengeschichte bisher noch nicht in Büchern aufgearbeitet. Jetzt gibt er in aneinandergereihten Anekdoten Einblick in sein Aufwachsen mit einer durch einen Schlaganfall körperlich und seelisch geplagten Mutter und einem kriegstraumatisierten Vater. Köhlmeier ist eine der wichtigsten literarischen Stimmen der Gegenwart und hat bisher mehr als 100 Bücher veröffentlicht. Mit seinen freien Nacherzählungen der „Klassischen Sagen des Altertums“ auf Ö1 hat er in den 1990er-Jahren ein breites Publikum erreicht. Unter dem Titel „Mein privates Glück“ ist auch eine Reihe von Ö1-„Radiogeschichten“ erschienen.

Mehr dazu auf sound.orf.at

Muttersuchen
Residenz Verlag

3. Peter Henisch: (29 Punkte)

„Muttersuchen“, Residenz

Mehr als alle anderen Bücher zuvor habe ihn dieses Buch mitgenommen, sagt Peter Henisch über sein neues Buch. Seit den 1970er-Jahren gilt Peter Henisch als fixe Größe in der heimischen Literaturszene. Der Durchbruch ist ihm vor mehr als 50 Jahren mit dem Roman „Die kleine Figur meines Vaters“ gelungen. In seinem neuen Roman „Muttersuchen“ widmet er sich jetzt seiner Mutter Rosa Henisch. Ihrer Zeit voraus wollte sich die ausgebildete Fotografin nicht mit ihrer Rolle als Mutter und Hausfrau zufriedengeben. Nach und nach hat sich Rosa Henisch aus der Beziehung zu ihrem Mann, einem bekannten Kriegs- und Pressefotografen, zu befreien versucht. Mit seiner intimen Hommage an seine Mutter legt Henisch zugleich ein spannendes Stück Zeitgeschichte vor, das von den Jahren vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bis in die 1980er-Jahre reicht.

Mehr dazu auf noe.ORF.at

Buchcover von Clemens J. Setz
Suhrkamp

4. Clemens J. Setz (27 Punkte)

„Mein Leben als Noiseband“, Suhrkamp

Romane, Erzählungen, Gedichte und Theaterstücke: Clemens J. Setz’ umfangreiches Werk zeichnet sich durch seine Faszination für das Bizarre aus. Das gilt auch für seinen neuen Erzählband: „Mein Leben als Noiseband“ versammelt 19 Geschichten; im Zentrum stehen geplagte Figuren, etwa aufgrund von Krankheiten, Behinderungen oder seelischen Konflikten. Wieder schreckt Setz vor keinem Tabuthema zurück, schreibt etwa über gewaltvolle Pornografie oder Leichenschändung; einmal mehr widmet er sich den Abgründen des Menschen. Die titelgebende Erzählung ist in einem Club angesiedelt, dort macht der Protagonist sogenannte „Noise“-Musik, bei der Geräusche künstlerisch verarbeitet werden. Clemens J. Setz ist 1982 in Graz geboren und vielfach ausgezeichnet worden. Er zählt zu den jüngsten Büchner-Preisträgern in der Geschichte. Kürzlich hat er den Großen Österreichischen Staatspreis, die höchste Auszeichnung der Republik für Kunst- und Kulturschaffende, erhalten.

Mehr dazu auf Ö1

Dana Vowinckel: Anton und Alma
Suhrkamp

5. Dana Vowinckel (25 Punkte) NEU

„Anton und Alma“, Suhrkamp

Mit ihrem zweiten Roman legt die 30-jährige Autorin erneut einen Hauptstadtroman vor, doch neben dem gegenwärtigen Berlin steht vor allem ein junges Paar im Mittelpunkt. Die titelgebenden Figuren Anton und Alma lernen sich während ihrer Schulzeit kennen. Über Jahre hinweg begleitet der Roman die beiden und ihre Beziehung. Dass Anton aus einer jüdischen Familie stammt und Alma nicht, erschwert diese ebenso wie die Tatsache, dass beide aus unterschiedlichen sozialen Schichten stammen. Eindrücklich erzählt Vowinckel von jüdischer Identität, Terror und Antisemitismus, vom aktuellen politischen Weltgeschehen und nicht zuletzt von einer außergewöhnlichen Liebe. Mit „Anton und Alma“ ist Dana Vowinckel für den diesjährigen Deutschen Buchpreis nominiert. 2023 veröffentlichte die in Berlin geborene Autorin ihren gefeierten Debütroman „Gewässer im Ziplock“.

Mehr dazu auf sound.orf.at

Buchcover "Alice"
Jung und Jung

6. ex aequo: Marlen Mairhofer (18 Punkte)

„Alice“, Jung und Jung

Mit ihrem Debütroman versetzt Marlen Mairhofer einen Klassiker ins Heute. Aus Lewis Carrolls 1865 erschienenem „Alice im Wunderland“ wird Mairhofers „Alice“. Es geht um das Aufwachsen der Protagonistin Alice, die als junges Mädchen in einer Art Wunderland, das aus der eigenen überbordenden Fantasie entstanden ist, aufwächst, umgeben von Pferdezeitschriften, besten Freundinnen und Zahnlücken. Als „poetischen Relaunch“ des englischen Klassikers kündigt der Verlag „Jung & Jung“ Mairhofers Erstlingswerk an. Die 1991 in Steyr geborene Autorin lebt in Salzburg. Das Manuskript von „Alice“ ist mit dem Theodor-Körner-Förderpreis ausgezeichnet worden. Ihre Dissertation hat Mairhofer über Marlen Haushofer, Ingeborg Bachmann und Hélène Cixous publiziert.

Mehr dazu auf Ö1

Tony Tulathimutte: Fiasko
dtv

6. ex aequo: Tony Tulathimutte (18 Punkte) NEU

„Fiasko“, dtv
Übersetzung: Stefanie Jacobs

Der 2024 ursprünglich unter dem Titel „Rejection“ erschienene Erzählband von Tony Tulathimutte ist nun auch in deutscher Übersetzung erschienen. „Fiasko“ versammelt fünf Erzählungen, die allesamt von Phänomenen des Social-Media-Zeitalters handeln. Eine davon, „Der Feminist“, die Tulathimutte bereits 2019 im US-amerikanischen Literaturmagazin „n+1“ veröffentlicht hat, handelt von einem selbsternannten, performativen Feministen, der sich aus Frust über seine gescheiterten Anbahnungsversuche erst recht in frauenfeindlichem Denken verliert und in Online-Foren zunehmend radikalisiert. So wie diese sind auch die weiteren, miteinander vernetzten Figuren in Tulathimuttes Erzählungen allesamt unzufrieden mit ihrem Leben und suchen im Netz nach Abhilfe für ihre Miseren. Provokant schreibt der US-amerikanische Autor mit thailändischen Wurzeln über menschliche Abgründe. 2016 erschien Tulathimuttes Debütroman „Private Citizens“, den Jonathan Franzen als eines seiner „Lieblingsbücher“ bezeichnet hat

Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle
S. Fischer

8. Valeria Gordeev (17 Punkte) NEU

„Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“, S. Fischer

Mit einem absurd-komischen Text über einen jungen Mann mit Putzzwang hat Valeria Gordeev 2023 den mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis erhalten. Nun legt die deutsche Autorin ihren darauf aufbauenden Debütroman vor. Auf mehr als 600 Seiten unternimmt Gordeev in „Die Zikade entschlüpft ihrer goldenen Hülle“ einen wilden Ritt durch das heutige Kiew, Moskau und Berlin. Auch der tatsächliche, gegenwärtige Krieg in der Ukraine spielt eine Rolle. Die verschiedenen Erzählstränge werden durch die beiden Geschwister Lada und Konstantin zusammengehalten. Lada lebt als Künstlerin in Berlin, Konstantin arbeitet in Moskau in einem unterirdischen Labor, das Lenins sterbliche Überreste konserviert. Ähnlich absurd sind die Unternehmungen, die der gemeinsame Patenonkel der Geschwister unternimmt, um die Unsterblichkeit des Menschen zu erreichen. Mit ihrem komplexen Erstlingswerk ist die 1986 in Tübingen geborene Schriftstellerin auf der diesjährigen Longlist für den Deutschen Buchpreis gelandet.

Luft nach unten_Buchcover
Zsolnay

9. Tamara Štajner (16 Punkte)

„Luft nach unten“, Zsolnay

Eine Musikerin, die verzweifelt versucht ein Kind zu bekommen, steht im Zentrum von Tamara Štajners neuem Roman. Lesende erfahren von dem Wunsch aus einem Brief, den die Protagonistin an ihre Mutter schreibt, aber nie abschickt - zu zerrüttet ist deren Beziehung. Angesiedelt zwischen Wien und dem Balkan, spielen verschiedene Frauenfiguren eine Rolle in „Luft nach unten“. Es sind Mütter und Töchter; ihnen hat Štajner auch ihren Roman gewidmet, Männern hingegen räumt die Autorin lediglich Nebenrollen ein. Der Roman erzählt von vererbten Traumata und beschreibt sämtliche Gefühle in Zusammenhang mit einem unerfüllten Kinderwunsch, von Verzweiflung bis Wut. „Luft nach unten“ ist auch der Titel des Textes gewesen, für den Štajner beim Bachmann-Wettbewerb 2024 den Kelag-Preis erhalten hat. 1987 im slowenischen Novo mesto geboren, ist die Autorin im Alter von 18 Jahren nach Wien gekommen und hat sich auch als Bratschistin in Ensembles für zeitgenössische Musik einen Namen gemacht. „Luft nach unten“ ist Štajners zweiter Roman.

Mehr dazu auf Ö1

 

Link: