Fünf nach zwölf
Die soeben erschienene Pisa-Studie zeichnet ein erschütterndes Bild in Sachen Lesekompetenz: Schülerinnen und Schüler weltweit und in Österreich können immer schlechter lesen. Österreich erreichte 467 Punkte und landete damit hinter der Türkei (472) und knapp vor Deutschland (465).

Auch das einstige Bildungsmusterland Finnland erreichte nur knapp 474 Punkte. OECD-weit gingen die Leseergebnisse um 14 Punkte zurück. Mit den Leseleistungen sind laut OECD auch Fähigkeiten zurückgegangen, die im Zeitalter von KI besonders wichtig sind: das Bewerten von Informationen, Verbindungen zwischen verschiedenen Quellen herstellen und kritisches Hinterfragen des Gelesenen.

Auch am Buchmarkt herrscht Alarmstimmung: Immer weniger Jugendliche greifen zum Buch, zuletzt sind die Buchverkäufe in dieser Zielgruppe um 30 Prozent zurückgegangen. Es herrscht Handlungsbedarf, nicht nur für den Vorsteher des deutschen Börsenvereins Sebastian Guggolz. Jahrzehntelange Versäumnisse in der Bildungspolitik haben zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Lesekompetenz geführt – ein Ergebnis, das sich nun unmittelbar an den Marktzahlen ablesen lässt. Diese Zahlen müssten auch ein Weckruf an die Politik sein, braucht es doch umgehend konsequente Maßnahmen, um Bildung und Lesekompetenz zu verbessern. Denn Lesen ist immaterielle Infrastruktur – so grundlegend wie Straßen, Stromnetze und funktionierende Verwaltungen.

Wer lesen kann, ist auch in der Lage, die Haltung anderer zu verstehen, Widersprüche zu erkennen, kann Entscheidungen abwägen, eine differenzierte Meinung ausbilden und eigene Interessen formulieren. Öffentlichkeit organisiert sich immer stärker im digitalen Raum, die Lesefähigkeit wird damit eine noch wichtigere Voraussetzung demokratischer Mitgestaltung und Selbstbehauptung. Wie kann das für Bund und Länder zur obersten Priorität werden?
Der kulturMONTAG hat nachgefragt.
TV-Beitrag: Katja Gasser